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Apr 30 2012

5 Jahre Weltwirtschaftskrise und kein Ende

Herwarth Stadler

Herwarth Stadler

Krise aller nationalen Arbeitsmärkte – globale Überproduktion – sinkende Arbeitslöhne

Es ist ja nicht nur die Finanzkrise, die die kapitalistische Weltwirtschaft seit fünf Jahren in Atem hält, sondern auch uneingestanden eine globale Krise der Überproduktion und dazu noch eine Krise aller nationalen Arbeitsmärkte, auf denen bis zu 25 der vorhandenen Arbeitskräfte ohne bezahlte Beschäftigung dastehen. Auch bei uns in Deutschland rechnet man sich die Situation »gesund«, indem man die Statistiken offiziell dadurch manipuliert, dass man mit Verordnungen und auch Änderungsgesetze die 100-Basis gegenüber früheren Jahrzehnten verändert, auf die man dann seine Bezugsgrößen errechnend bezieht; besonders beliebt ist auch das Spielchen, dass man Zahlen nebeneinander stellt, die unterschiedliche Basiswerte haben, und so suggeriert, dass ja alles »in Butter« sei.

Seitdem die Computertechnik in die Produktion eingezogen ist, steigt die Effizienz der geleisteten Arbeitsstunde ein Mehrfaches an, während der Reallohn für diese Arbeitsstunde nicht nur stagnierte, sondern auch vielfach in den industrialisierten Ländern der Nordhalbkugel gesunken ist. Bereits in den 70er Jahren begann das Wettrennen der nationalen Großkonzerne, sich zu so genannten »Global Playern« zu entwickeln, mit der Tendenz, auf Kosten der Belegschaften mit Unterstützung der Hausbanken sich zu »Banken mit verlängerter Werkbank« zu entwickeln und dem Ziel mittels einer »Fresskonkurrenz« zum globalen Oligopolisten aufzusteigen. Das beredteste Beispiel sind die ÖI- und Energie-Konzerne, die seit über zwei Jahrzehnten dabei sind, sich den gewinnträchtigsten Markt der Zukunft – das Wasser – in ihre Herrschaftsstrukturen zu integrieren.

Mit der Drohung, ihre Produktionsstätten in aufstrebende Billiglohn-Länder zu verlagern, setzten sie bei uns in Deutschland schon vor fast 20 Jahren durch, statt der errungenen 35-Stunden-Woche wieder 40 bis 42 und mehr wöchentliche Arbeitsstunden zu akzeptieren, erreichten, dass wir ein Millionen-Sklavenheer von Prekariats-Arbeitsverhältnissen dulden, weil man uns die Solidarität abgewöhnt und dafür scheinbar lauter kleine Egoisten anerzogen hat. Wenn ich genauer hinschaue, dann erkenne ich jedoch, dass im familiären Bereich und in den Dörfern und Kleinstädten des flachen Landes diese wichtige Tugend noch nicht ausgestorben ist, sondern von zahllosen ehrenamtlich Tätigen praktiziert wird – sonst könnte das neoliberale Wirtschaftssystem nicht überleben.

Hätten die berufstätigen Menschen in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten bei uns nur anteilig vom Produktivitätszuwachs durch sinnvolle Arbeitszeit-Verkürzungen etwas abbekommen, wären wir seit einigen Jahren bereits bei der 30/32-Arbeitsstunden- an 4 Werktagen pro Woche bei vollem Lohnausgleich angelangt, mit der Aussicht, schrittweise der 3-Tage-Arbeitswoche entgegen zu gehen. Das Problem der Massenarbeitslosigkeit wäre dadurch gelöst, jeder junge Erwachsene würde nach der Ausbildung einen Arbeitsplatz angeboten bekommen und jeder Ältere würde seinen Arbeitsplatz bis zum Eintritt in den dritten Lebensabschnitt behalten können. Die heute in der Schule befindlichen Jahrgangskohorten hätten eine Lebens-Arbeitszeit von nur 40000 Arbeitsstunden vor sich. Denn das derzeitige Geldsystem mit Zins und Zinseszins gehört der Vergangenheit an, weil es sich selbst mit seinen krebsartigen Wucherungen kaputt gemacht hat. Stattdessen hat die weltweit dominierende liberale Wirtschaftsordnung es fertig gebracht, den Geldbesitzern ein fiktives Finanz-Vermögen vom zehnfachen des Welt-Sozialproduktes aufzuhäufen, dessen Zinserträge jedoch von der Realwirtschaft erarbeitet werden müssen. Die Staaten haben ein ebenso großes Schuldenpaket geschultert, was dazu geführt hat, dass wir im Durchschnitt aller Umsätze (weil in den Preisen enthalten) unerkannt bereits mehr als 37 Zinszahlungen leisten. Hätten wir ein zinsloses Geldsystem, so könnten die aufgehäuften Schulden vielleicht in drei Generationen getilgt werden; da wir das aber aus kurzsichtigen Interessen des globalen Finanzkapitals und der für diese agierenden Großbanken nicht haben können (Umsturz und Revolutionen!), werden wir die Weltwirtschaftskrisen noch lange nicht überwunden haben.

Herwarth Stadler

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