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Jun 30 2017

Ackergift Glyphosat muss weg

Unterschriftensammlung gegen die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat

Christian Weber, Weilheim

Unschädlich? Oder Krebsrisiko auch bei regulärer Anwendung?

Im Juni will die EU über eine Verlängerung der Zulassung von Glyphosat entscheiden. Glyphosat ist das in Deutschland und der Welt am häufigsten eingesetzte Pflanzengift; es wird auf 40 Prozent der deutschen Ackerfläche eingesetzt.

Die Zulassung wird davon abhängen, ob die EU Glyphosat als krebserregend einstuft.

Es ist laut Krebsforschungsagentur der WHO wahrscheinlich krebserregend beim Menschen.

Klar ist: Durch die Gabe von Glyphosat lässt sich Krebs erzeugen. Wenn man bestimmten Mäusen genug davon verabreicht, werden sich in ihren Körpern Tumore bilden. Das gilt aber auch für viele andere Stoffe, z. B. für Cyclamat. Es gab seinerzeit große Aufregung, als sich zeigte, dass sich bei Mäusen durch die Gabe von Cyclamat Tumore erzeugen lassen. Heute geht man davon aus, dass Cyclamat bei normaler Anwendung zumindest nicht krebserregend ist.

Es geht also darum, ob Glyphosat bei sachgemäßer Anwendung eine Krebsgefahr für die Bevölkerung darstellt.
Um dieses Risiko beurteilen zu können, haben die UNO, Regierungen und Behörden mit Hilfe von Wissenschaftlern Regelwerke erstellt, die sehr umfangreich sind und die ein Laie nicht verstehen oder beurteilen kann. Klar ist aber, dass Krebsgefahr nur durch wissenschaftliche Tests begründet oder ausgeschlossen werden kann.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass trotz dieser Regeln immer wieder Stoffe zugelassen wurden, die sich später als riskant herausgestellt haben, auch solche, die heute verboten sind (DDT, Atrazin), oder nur unter Auflagen eingesetzt werden dürfen (Pyrethrum).

Dies zeigt, dass diese Regeln keinen sicheren Schutz bieten. Das kann man auch nicht erwarten: Die Wirklichkeit ist zu komplex. Es kann nur darum gehen, Fehleinschätzungen zu minimieren.

Ich kann als Laie nicht beurteilen, ob die zurzeit gültigen Regeln für die Zulassung von Stoffen ausreichend sind und dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft genügen. Aber nicht nur der Bund Naturschutz ist der Ansicht, dass die EU-Pestizidgesetzgebung und das Zulassungsverfahren von Glyphosat auf die Bedürfnisse der Hersteller zugeschnitten sind. Übrigens: Die Chemieindustrie ist der drittgrößte Industriezweig Deutschlands.

Es gibt aber darüber hinaus Vorwürfe, dass die Tests zu Glyphosat nicht von unabhängigen Wissenschaftlern durchgeführt wurden und dass die statistischen Verfahren für die Auswertung der Tests wissenschaftlichen Anforderungen nicht genügen.

Den Behörden ist der Vorwurf zu machen, dass sie den vorgelegten Gutachten geglaubt haben, ohne sie fachlich zu prüfen. Sie lassen die notwendige kritische Distanz zu den Pestizidherstellern vermissen.

Und es gibt ernst zu nehmende Stimmen, die sagen, dass Glyphosat auch bei regulärer Anwendung ein Krebsrisiko für die Bevölkerung birgt, zumal es sich bei über 70 Prozent der Bevölkerung im Urin nachweisen lässt.

Vor Gericht heißt es: Im Zweifel für den Angeklagten. Bei diesem Verfahren muss es umgekehrt sein. Bei uns gilt das »Vorsorgeprinzip«. Nicht der Geschädigte muss nachweisen, dass er einen Schaden erlitten hat, sondern derjenige, der eine Substanz – hier Glyphosat – ausbringt, muss nachweisen, dass sie unschädlich ist.
Dieser Beweis ist für mich nicht erbracht. Und deshalb bin ich – wie 70 Prozent der Bevölkerung – dafür, die Zulassungsverlängerung abzulehnen.

Ich möchte die Aktion gegen Glyphosat noch in einen größeren Zusammenhang stellen. Die Bundesregierung berichtet (auf Anfrage der Grünen im Bundestag) von einem dramatischen Rückgang der Singvögel in Agrargebieten. Dies ist nicht nur auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zurückzuführen, seien es Unkrautvernichter wie Glyphosat oder Schädlingsbekämpfungsmittel. Die intensive Landwirtschaft, wie wir sie in Deutschland kennen, vernichtet den Lebensraum vor allem der Singvögel, aber auch vieler anderer Wildtiere. Sie zerstört die biologische Vielfalt.

Mein Ziel ist es, eine generelle Einschränkung dieser Mittel zu erreichen. Und ich denke, ich stehe auch damit nicht allein.

Christian Weber, Weilheim

 

 

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