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Aug 31 2013

Besitz und Militarismus

Foto Hannes Fischer

Hannes Fischer
Der Autor, der heute in Garmisch lebt, war nach gewaltfreien Blockaden vor Atomwaffenlagern sieben Monate im Gefängnis Stadelheim interniert.
Seine Einstellung aus der Zeit der Friedensbewegung und der Sinn seines Handelns sind in dem Satz von Gandhi erfasst: „Verzichtet auf die Früchte eures Handelns.“

Überlegungen und Fragen von einem, der nach gewaltfreien Blockaden im Gefängnis war (aus OHA-März 1992)

Nachdem ich 1984 Teil der Friedensbewegung wurde und den Begriff »Gewaltfreiheit« hörte, an Gewaltfreiheits-Trainings teilnahm; nachdem ich ab 1985 an vielen gewaltfreien Blockaden vor Lagern von atomaren US Pershing-II-Raketen teilnahm, nach einigen Tagen im Gefängnis …, da las ich 1989 die Worte von Franz von Assisi (13. Jahrhundert, Italien) „Ich habe keinen Besitz, denn ich müsste ihn mit Waffen verteidigen“.

Obwohl ich nicht (wie Franz) religiös bin, stimme ich seiner Überlegung zu. Ich brauchte etwa ein Jahr, um zu dem Schluss zu kommen: „Besitz wird gesichert durch nationale (innerstaatliche) Abschreckung (Tür-Schlösser, Polizei, Strafrecht, Gerichte, Gefängnisse…) die die Grundlage ist für die internationale (zwischen-staatliche) Abschreckung (Militär, Atomwaffen und -tests…), gegen die wir demonstrieren“. Also denke ich: gewaltfreie Demonstrationen gegen Militarismus (vor Lagern von Atomwaffen, vor Atomkraftwerken…) sind notwendig, aber sollte der nächste Schritt nicht sein, auf den eigenen Besitz zu verzichten, um der Logik der Abschreckung die Grundlage zu entziehen?

Eine zweite Frage von mir: diskutiert eure Friedensbewegung den Zusammenhang zwischen Besitz und Militarismus, welche Schlüsse zieht ihr, welche Schritte unternehmt ihr? Ich weiß, dass die Frage (Besitz/Militarismus) eine sehr schwierige ist, wegen vieler Gründe z. B.: 1. Wenn freiwillige Armut die Lösung ist – wie soll ich leben – auf der Straße, ohne Wohnung/ Heim? Oder in einer Gruppe unterstützt von der Friedensbewegung? 2. Wenn eine Friedensgruppe zu dem Schluss kommt, dass freiwillige Armut die Lösung ist und diese Erkenntnis umsetzen will ins Leben – wo sollen Spenden herkommen (wenn sie denn benötigt werden), wenn nicht von Menschen, die nicht diese Lösung akzeptieren (einfach deshalb, weil sie das Geld zum Spenden haben)?

… Ich würde mich freuen über Briefe mit Kritik/Kommentaren!

Ein paar unsortierte Einzelheiten möchte ich euch noch mitteilen.

Was ich vorhabe für die Zeit nach meiner Entlassung. Ich überlegte mir im Januar 92, dass ich versuche, 3 Hauptwünsche unter einen Hut zu bringen:

  • geselliger leben (Freundin/Wohngemeinschaft/Gruppe)
  • möglichst aufrichtig leben (das heißt für mich jetzt möglichst wenig Besitz)
  • eine mich ernährende Arbeit in der Friedensbewegung finden (versuche ich seit Anfang 1988. Kein Erfolg bis jetzt).

Und bei all dem möchte ich in München bleiben, um regelmäßig meinen Vater besuchen zu können.

Mir ist klar, dass die genannten 3 Wünsche einander teilweise widersprechen. Besitzlosigkeit lässt sofort an Einsamkeit denken.

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