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Okt 31 2012

Der Gipfel der Perversion: Börsenwetten mit Nahrungsmitteln

Nahrungsmittel Börsenwetten Titel OHA

Was die reichen Länder so übrig haben für die Hungernden in der Welt (Bild: Jürgen Müller)

Die Manipulation der Lebensmittelpreise

Viele gutgläubige Menschen träumen heute noch davon, dass wir »die soziale Marktwirtschaft« haben. Kein Wunder: die derzeitige Regierungskoalition vergisst ja nicht, ständig darauf hinzuweisen, dass dies so ist. Inzwischen regiert uns aber der Finanzkapitalismus – mit der »Weltbank« Goldman Sachs an der Spitze. Die Auswüchse an den Rohstoffbörsen sind u. a. das Resultat von immer mehr Deregulierung und Liberalisierung der sogenannten Märkte, so dass sich mit der dabei entstandenen Machtkonzentration lukrative Wetten mit Nahrungsmitteln in dieser »Blasenwirtschaft« organisieren lassen. Wer dabei zu schaden kommt, spielt in dieser ungehemmt agierenden Spekulantenwirtschaft ohnehin keine Rolle.

Durch die Nahrungsmittelkrise in den Jahren 2008 und 2010 ist die Erkenntnis gewachsen, dass Wetten von Finanzanlegern an den Rohstoffbörsen den drastischen Anstieg der Lebensmittelpreise zumindest mitverursacht haben. Heute ist klar, dass die Wetten mit Mais, Weizen und Soja die Preise zeitweise in schwindelerregende Höhen treiben können. Daraus folgt: Die Lebensmittelknappheit nimmt weltweit zu und die Überlebenschancen der Menschen in den ärmeren Ländern nehmen dramatisch ab.

Der Hunger wird also im Wesentlichen auch an Börsen erzeugt, und kein Land, keine demokratische Regierung, keine Partei, keine mächtigen Leitmedien fordern die Spekulanten (z. B. Banken und Versicherungen) öffentlich wahrnehmbar auf, aus diesem menschenverachtenden Wettgeschäft auszusteigen. Jedenfalls ist mir da noch kein Politiker aufgefallen, der dagegen eindeutig Stellung bezogen hätte. Nein, die verantwortlichen Politiker warten erst mal den Protest durch Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) wie Oxfam, foodwatch, Campact usw. ab. Erst wenn viele Menschen demonstrieren sowie durch Briefaktionen im Internet ihren Protest kundtun, werden sie allmählich zum Handeln gebracht. Denn wie ungern sich die Politik mit den systemischen Banken und großen Versicherungen anlegt, ist hinreichend bekannt. Dazu passt auch dieses Zitat:

„Deutsche Banken und Versicherungen sind mit rasant steigender Tendenz an der Spekulation mit Nahrungsmitteln beteiligt; sie haben rund 11 Mrd. Euro in Agrarrohstoffen angelegt, ein Sechstel des Anlagevolumens weltweit“, so Oxfam.

Da gilt es also anzusetzen. Und es gibt erste Erfolge. Die Commerzbank, die Deka-Bank, die Landesbank Baden-Württemberg haben bereits den spekulativen Handel mit Agrarprodukten beendet. Allianz und Deutsche Bank betreiben weiterhin das menschenverachtende Spiel.

Sigi Müller

 

 

 

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