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Jan 31 2012

Die dritte »Industrielle Revolution« ist dringend nötig

Herwarth Stadler

Herwarth Stadler

„Jedoch anders als der Mainstream es plant“

Die Endphase des Finanzkapitalismus erleben wir gerade – auch wenn es die Protagonisten noch nicht bemerkt haben wollen. Seit vier Jahrzehnten wird immer deutlicher, dass wir mit ewigem Wachstum unsere uns ernährende Erde gründlich ruinieren. Globalisierung und Exportüberschüsse sollen unsere deutschen Arbeitsplätze sichern – nur kann keiner mehr daran glauben, dass es die richtigen Zielvorgaben für unsere Zukunft sind. Man redet uns ein, dass nur ständiges Wachstum alle Probleme lösen könne.

Seit einem halben Jahr wurden nun endlich die ersten Weichen für einen Richtungswechsel gestellt – und schon sind die alten Wirtschaftsmächte dabei, das intensive Zurückdrängen der politischen Entscheidungen ins Werk zu setzen: Die Energiewende wird weiter einzig in Großlösungen gesucht; kreuz und quer durch Deutschland sollen um die 4000 km Höchstspannungstrassen gebaut werden und Dutzende neuer (unter anderem Braun-)Kohlekraftwerke sind ebenso wie riesige Offshore-Windradparks in Norddeutschland in Planung, deren Strom nach Süddeutschland zu leiten wäre.

Regionale Dezentralisierung der Erzeugung und kombinierte Mehrfachnutzung wären stattdessen richtiger und zudem preiswerter. Dazu ist ein grundsätzliches Umdenken nötig. Hilfreich wäre die Umsetzung der erforschten und erprobten Möglichkeiten verschiedener Zwischenlagerung überschüssiger Energiemengen für die Verwendung in Spitzen-Verbrauchszeiten und solchen, in denen weder ausreichend Wind noch Sonnenschein für den laufenden Stromverbrauchsbedarf zur Verfügung stehen. Warum fördern die deutsche Bundesund Länderregierungen nicht konsequent die regionale Versorgung? Haben sich die Lobbys der Energie-Oligopolisten RWE, E.on, EnBW und Vattenfall bereits wieder durchgesetzt?!

Wenn wir bis 2050 auch noch, wie in Kyoto II bereits zugesagt, die Hälfte der Transportleistung mit elektrischem Antrieb beziehungsweise mittels Elektrizität erzeugtem Kraftstoff wie die Wasserstoffenergie bewältigen wollen, dann müssen die entsprechenden Wind- und Solarstrom-Kapazitäten entwickelt, aufgebaut und finanziert werden – eine riesige Aufgabe. Sie kann nur gelöst werden, wenn alle endlich umdenken und die optimalen Lösungen verwirklichen: in erster Linie durch die Regionalisierung. So müsste nicht nur der Energieversorgung Vorrang eingeräumt werden, sondern auch die der bedarfsgerechten Grundversorgung der Bevölkerung mit Wasser und Nahrungsmitteln, Entsorgung der Abfälle und Abwässer sowie bedarfsgerechtes Wohnen.

Zugleich bietet die Regionalisierung allein die Erhaltung bürgernaher demokratischer Strukturen gegenüber den Interessen zentraler ökonomischer, am Profit orientierter (Finanz-)Machtzentren. Wir in Deutschland sind ein reiches Land mit vielfältiger traditioneller Bankenlandschaft – mit Hunderten von Sparkassen und ebenso vielen Raiffeisen Genossenschafts- und Volksbanken –, die so etwas Großes zuwege bringen könnten; die entfesselten Privatbanken haben uns alle mittels überbordender virtueller Finanzkapitalmengen (das -zigfache des Welt-Sozialproduktes) in die sich aneinander reihenden Krisensituationen der letzten zwanzig Jahre gebracht. Hätten wir die in ihre Rettung investierten -zig hundert Milliarden Euro zur Verfügung, wäre die Finanzierung der Wende in eine lebenswerte Zukunft zum größten Teil bereits sichergestellt.

Herwarth Stadler

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