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Feb 28 2013

Ein honduranischer Taxifahrer erzählt (51)

Markt Honduras 1

Einheimischen-Markt in Tegucigalpa

Fahrt zum Einheimischen Markt

Don Omar, mein honduranischer Taxifahrer, den ich für Freunde und Bekannte bei Bedarf bemühe, auch mal für mich, wenn eine Fahrt zum Einheimischen-Markt ansteht (Puro-Kauf), und ich kamen am Wochenende länger ins Gespräch.

Wie denn das so abliefe bei der »Kriegssteuer«-Eintreibung, wollte ich wissen. Tja, meinte er, meist kommen sie am Freitag mit ‘ner großen schwarzen Karre, zeigen mir eine AK-47 (sowjetisches halbautomatisches Kriegsgewehr = Kalaschnikow), sagen meist gar nichts und bekommen dann 120 Lempiras (etwa 12 Dollar). Insgesamt also etwa 500 Dollar jährlich, dazu verlangen sie noch 500 Dollar Aguinaldo (Weihnachtsgeld) im Dezember.

Wer die denn schickt, frage ich ihn. Nun, es sind die Banden wie die M18 in seinem Fall, die sind aber verbandelt mit den Polizisten und den Politikern – deswegen ist es völlig aussichtslos, das irgendwo zu melden. Die, die es taten, gehören zu den 51 ermordeten Taxifahrern in Tegucigalpa – im letzten halben Jahr, meint er. Dazu kommt, dass manche Kollegen auch schon von zwei Banden geplündert wurden – wenn ihm das passiert, wird er nur noch ausgewählte Leute (wie dich, funkelt er mich an) fahren. Weniger Arbeit, weniger Verdienst, aber sicherer.

Markt Honduras 2Kann man hier leben?

Ja, man kann. Jemand wie ich lebt hier »low profile«, so weit das möglich ist. Das heißt, auf der Straße zeige ich nie, dass ich einen Compi in meinem Rucksack haben könnte oder dass ich ein Smartphone dabei habe. Ich gehe mittlerweile nur noch selten abends weg, und wenn, dann zu sicheren Plätzen. Meine Heimstatt liegt in einem abgesicherten Stadtteil mit Wachen, meterhohen Mauern und Stacheldraht, der manchmal auch noch unter Spannung steht.

Nächtliche Rückfahrten von Geschäftstreffen sind verboten (Anweisung der Botschaft…), Autofenster müssen schwarz getönt sein und bei offenem Fenster fahren, ist auch nicht. Mein Vehikel lasse ich nie unbeaufsichtigt rumstehen, wenn nötig, fahre ich nur noch mit vertrauenswürdigen Taxifahrern.

Wie es mir dabei geht?

Das positive Lebensgefühl insgesamt wird reduziert durch die Einschränkungen, langsam und nachhaltig. Jetzt am Ende meiner Zeit hier spüre ich diese Ketten deutlicher durch die Vorfreude auf Deutschland. Spaziergänge allein im Wald, abendliche Streifzüge – alles ziemlich undenkbar hier, tauchen als Fantasien auf. Wenn ich das meinen Freunden hier erzähle, merke ich, dass sie ganz große sehnsuchtsvolle Augen bekommen. Diese Freiheit, wie wir sie in Europa kennen, aber meist gar nicht mehr zu schätzen wissen, bringt sie auch oft zu der Frage: Kannst du mich nicht mitnehmen?

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