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Nov 30 2012

Ein Störfall in Penzberg

Die Bevölkerung stimmt mit überwältigender Mehrheit gegen den Bau des geplanten Biomasseheizkraftwerks

Die weisen Stadt-Parteien

Der Stadtrat von Penzberg ruft zu einer Abstimmung, einem Ratsbegehren, über das geplante Biomasse-Heizkraftwerk auf und die Abstimmung geht voll daneben. Aus seiner Sicht. Denn die Bevölkerung stimmt mit überwältigender Mehrheit gegen das Projekt. Das Quorum wird übererfüllt.

Nun wird Bürgerschelte betrieben, die Vernunft sei überstimmt worden, heißt es in der Presse. Der Schwarze Peter wird hoffentlich nicht so lange hin und her geschoben werden, bis er vielleicht irgendwo hängen bleibt.

Was ist passiert? Haben die Bürger das Anliegen des Stadtrates nicht verstanden? Ist das Abstimmungsergebnis lediglich ein „Betriebsunfall“ auf Grund mangelhafter Informationspolitik oder steckt mehr dahinter?

Hans-Peter Dürr, Physiker und Träger des alternativen Nobelpreises, schreibt in seinem Buch „Warum es ums Ganze geht“, die letzten 150 Jahre Industriegeschichte seien geprägt „… durch einen Wachstumsglauben, der die Umwelt fälschlicherweise nicht als natürliche beschränkt robuste Lebensgrundlage, sondern als einen dem Menschen zugeordneten, unendlich ergiebigen Steinbruch und als beliebig schluckfähige Müllkippe betrachtet.“

Eckhart Tolle geht noch weiter, wenn er sagt: „Du bist nicht im Universum, du bist das Universum, bist ein essentieller Teil von ihm …“

Der Mensch kann sich nicht grundsätzlich gegen die Natur stellen, deren Teil er ist.

Die Frage ist: Betrachten wir die Welt um uns herum wie etwas von uns Getrenntes, das wir nach Belieben ausschlachten und zerhackstücken können/dürfen, um uns dabei eine goldene Nase zu verdienen? Soll es uns wie dem sagenhaften König Midas ergehen? Oder sehen wir die Welt und uns selbst als eine Einheit, die wir in unserem Machbarkeitswahn nicht beliebig zernutzen und ausbeuten dürfen, sondern die wir achtsam zu behandeln haben?

Anton Prestele

Dr. Anton Prestele

Viele Menschen haben genau dafür ein feines Gespür entwickelt. Sie spüren, dass das fragile ökologische Gleichgewicht in Gefahr ist, dass Politik und Wirtschaft umdenken müssen, wenn nicht alles aus dem Ruder laufen soll. Wie sonst hätte es einer kleinen Gruppe von Mitbürgern, zehn oder fünfzehn Aktive ohne eigenen Etat, innerhalb weniger Wochen gelingen können, das von langer Hand geplante Vorhaben des Stadtrates von Penzberg auszuhebeln? Die Gegner des Heizkraftwerkes hatten zusätzlich zu ihren fundierten Sachargumenten zwei meisterhafte Graphiken des international bekannten Künstlers Egbert Greven, die das Problem genau auf den Punkt brachten: „Hauptsache, die Kasse stimmt“. Eine Warnung vor der Ausbeutung der Natur um des Profits willen.

Das Ergebnis des Ratsbegehrens macht überdeutlich: Nicht alles, was machbar ist, nicht alles, was „sich rechnet“, darf gemacht werden. Die Bürger sind dabei, endgültig aus der „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ herauszutreten. Die Denkwende muss von unten kommen, sie hat bereits begonnen.

Dr. Anton Prestele

 

Penzberg Biomasse Heizkraftwerk

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