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Feb 28 2014

Eine »strahlende« Zukunft für unsere Kinder

Cartoon: Schule ist doch Geil! Schüler mit Modernster Strahlungstechnik

Schule soll Spaß machen und auf die Zukunft vorbereiten! (Cartoon: Hubert Pfeffer)

Anke Kern

Anke Kern

Glosse für Querdenkende

Weg mit den Schulbüchern! Her mit den SmartPhones, iPads und Tablets für den Unterricht in der Schule. Neben den zahlreichen Mobilfunksendern um Schulen herum, nun schnell noch WLAN-Hotspots in die Schulen hinein und schon haben wir die »strahlenden« Klassenzimmer. Dort dürfen und müssen sich die Kinder Deutschlands auch während der Schulzeit mit ihren Lieblingsspielzeugen beschäftigen. Denn: Wir leben doch nicht mehr im Mittelalter! Wer will denn noch ein olles Buch umblättern? Wischen und tippen ist angesagt! Wir müssen mit dem Fortschritt gehen, auch wenn er was kostet. Was ist denn schon Gesundheit und ein langes Leben gegenüber stetigem Wirtschaftswachstum und beruhigten Märkten? Dafür opfern wir doch gerne, insbesondere unsere Kinder. Unsere Politiker, die diesen »Fortschritt« im Klassenzimmer beschlossen haben, sind wunderbar großherzige Menschen. Sie denken fürsorglich auch an andere Branchen, nicht nur an die Mobilfunkgeräte-Hersteller und die Netzbetreiber. Nein, sie denken weit darüber hinaus, die Damen und Herren der großen Koalition. Sie bedenken im Rahmen ihres Koalitionsvertrages auch weitere, die dringend Zuwachs brauchen: wie z. B. die Pharmakonzerne, die Onkologen und die Bestattungsunternehmen. Und die Mehreinnahmen durch Steuern können dann wieder mithelfen, die Banken zu retten. Falls die Branche die Gewinne nicht wieder in Steueroasen auslagert … Das wär halt Pech. Aber man kann ja nicht an alles denken, nicht wahr? Schließlich sind Politiker auch nur Menschen.

Dass die Verbraucherschutzorganisation »Diagnose Funk« gerade einen weiteren Studienreport (www.mobilfunkstudien.de) veröffentlicht hat, dem zu entnehmen ist, wie groß das Schädigungspotenzial der Mobilfunkstrahlung ist, spielt doch keine Rolle in unserer an Wachstum und Fortschritt orientierten heilen, digitalen Welt, die wir uns von niemandem kaputt machen lassen. Auch das Buch von Prof. Spitzer über die zunehmende »Digitale Demenz« ist nur ein kleiner Störfaktor, den man schnell beseitigen kann, dank der vielen Freiheiten im Netz. Grenzenlose Verleumdung von Querdenkern z. B. ist ein erfolgreiches Mittel hierfür und auch die Medien stehen gerne zur Verfügung. Wir lassen uns doch nicht von der industrieunabhängigen Wissenschaft und von ein paar »Spinnern«, »Angsthasen« oder »ewig Gestrigen«, die auf das Risiko Mobilfunk hinweisen, den Spaß verderben. Oder?

Dass Blut an Handys klebt, Menschen durch den Abbau der seltenen Erden für die nicht mehr wegzudenkenden digitalen Geräte zu Schaden kommen, ist doch nebensächlich. Wie bereits erwähnt, kostet Fortschritt eben was. Und unsere Bundeskanzlerin scheut keine Mühen, um zum Wohle des Fortschritts und des Volkes zu handeln. Auf ihren Reisen schließt sie fleißig Rohstoffabkommen ab, die den Abbau der seltenen Erden garantieren, damit das Geschäft weiterhin floriert. Ja, sie denkt halt an uns, die »Mutti« für ganz Deutschland.

Mit den Bergen von zukünftigem Elektronikschrott werden wir locker fertig. Im Rahmen der Entwicklungshilfe ist Afrika doch eine nützliche, große Müllhalde … Und die Ozeane sind tief. Da wär auch noch Platz.

Und hoffentlich kommen die geplanten RFID-Chips bald auch im und am Menschen zum Einsatz. Wir können sie auf der Augenlinse oder im Magen haben oder unter der Haut tragen. Am besten lassen wir ihn den Neugeborenen kurz nach der Geburt implantieren. Dann ist das schon mal erledigt … Jeder kann dann immer und überall per Mikrowellenstrahlung, die auch überall vorhanden sein wird, an Daten über uns heran. So können wir gleichzeitig dem großen Bruder überm Teich dienen und die NSA unterstützen. Was tut man nicht alles für gute Freunde und für die Freiheit … Alle Terroristen werden dingfest gemacht und wir führen ein Leben ohne Angst. Außerdem haben wir Deutsche nichts zu verbergen und es ist doch gut, wenn andere wissen, wer und wo wir sind, wenn wir selbst die Orientierung verloren haben. Wir werden eine perfekte, paradiesische Welt haben. Wir Menschen brauchen nichts mehr wissen, nicht mehr denken, unser Haushalt funktioniert per SmartPhone, die Autos fahren mikrowellengesteuert von allein, per Minicomputer in der Brille sind wir immer »online« und mit dem Netz in Verbindung. Was will man mehr? Alles wird für uns geregelt. Was für eine »strahlende« Zukunft! Todsicher! Das ist es doch, was sich alle Eltern für ihre Kinder wünschen. Oder etwa nicht?

Anke Kern

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