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Aug 31 2016

Gegensätzliche Welten – vom Umgang mit unserer Erde

Titelbild: OHA Sportunterricht

Waisenkinder in Haiti beim Sportunterricht vor ihrer Bananenplantage (FOTO: Mondi Benoit)

Seit fast sechs Jahren liegt in Landsberg am Lech ein 3000 Quadratmeter großes Grundstück auf Stadtgebiet brach. Zum Leidwesen der Anwohner verwildert das einst so liebevoll mit Tannen- und Obstbäumen, Gemüse- und Blumenbeeten bepflanzte Grundstück, das schmucke Siedlerhaus verfällt zunehmend und schleudert giftige Schimmelsporen in seine Umgebung. Ein Baulöwe ringt mit der Stadt um größtmöglichen Profit aus der Neubebauung.

Vor sechs Jahren erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7 eine ehemals französische Kolonie, die sich gerade erst von ihren 150 Jahre währenden Schulden freigekauft hatte. In dem armen Land fanden 300.000 Menschen den Tod, ebenso viele wurden verletzt. Etwa 40.000 Kinder wurden zu Waisen. Zur gleichen Zeit hatte ein junger Haitianer in Bayreuth sein Studium der Kirchen- und Popularmusik beendet und arbeitete als Kantor und Chorleiter. Der junge Mann war erschüttert, ebenso wie die Menschen in seinem Umfeld. Helfen!, war ihr Drang. Aber wie? Die Ärmsten einer Katastrophe sind immer die Kinder, also wollten sie hier ansetzen. Bald stand die Idee eines Waisenhauses im Raum. Spenden wurden gesammelt. Und dann wagten sie sich an die Verwirklichung des Projektes.

Foto Haiti Vorstand

Aktiv zum Wohl der Kinder: der Vorstand von FONMEH

Auf einer günstigen 3000 Quadratmeter großen Fläche außerhalb des erschlossenen Stadtgebietes von Les Cayes im südlichen Haiti ließen sie Bagger anrollen, bauten eine Straße, ein Haus, einen Brunnen, Sickergrube und Photovoltaik-Anlage, flochten einen Zaun aus Palmblättern um das kleine Reich – und bald zogen die ersten sechs Waisenkinder ein. Sechs Jahre später sind es 38 Kinder, das Haus wird aufgestockt, um allen Raum zu bieten. Zehn Angestellte und viele Ehrenamtliche betreuen sie liebevoll, ein Geländewagen erleichtert die Anbindung zur Stadt. Zwei Kilometer lang ist der Fußweg der Kinder zur Schule. Praktikanten bieten ihnen zusätzlich Englisch- und Sportunterricht.

Grundnahrungsmittel aus eigenem Anbau wie Bananen, Papaya, Bohnen und Mais decken den Eigenbedarf, Hühner, Ziegen und Kühe werden gezüchtet, und alle helfen mit. Es gibt keine Waschmaschine, denn die meisten Menschen außerhalb dieses Zaunes können sich eine solche auch nicht leisten, und die Kinder sollen fit gemacht werden für ein realistisches Erwachsenenleben, also rubbeln sie früh ihre Wäsche selbst in einfachen Bottichen.

Das Konzept funktioniert. Die ersten Kinder haben die Pubertät erreicht und werden eine berufliche Ausbildung bekommen. Erst wenn sie es schaffen, sich selbst zu versorgen, werden sie das Waisenhaus verlassen. Oder wenn ihre Großfamilien sie zu sich nehmen, weil sie es finanziell bewältigen können. Neue Waisen werden kommen, denn das Land ist immer noch sehr arm.

Foto: Carmen Kraus

Carmen Kraus, Landsberg am Lech

In einem eindrücklichen Video-Vortrag stellte der evangelische Kantor von Landsberg Mondi Benoit das Waisenhaus vor, dessen Grundlage er 2010 in Hersbruck mit geschaffen hatte. Das Haus kann sich im sechsten Jahr sehen lassen. Auch weil Dauerunterstützer mit ihrer regelmäßigen Spende an den Trägerverein FONMEH (Fondation main dans la main pour les enfants Haitiens) Hersbruck seinen Unterhalt sichern. Hand in Hand arbeiten Ehrenamtliche hier und dort für die Waisenkinder.

Je nach Möglichkeit und Bereitschaft kann jeder dazu beitragen: eine Patenschaft übernehmen, Unterstützer oder Mitglied werden. Auch kleine Beträge helfen, die Kinder liebevoll in eine gesicherte Zukunft zu begleiten. Der erste Vorsitzende des Vereins, Mondi Benoit, freut sich auch über Mitarbeit in der ehrenamtlichen Vereinsführung. „Haiti braucht Ihre Hilfe. Unsere Aufgabe ist es zu helfen.“ Der Slogan auf der Webseite des Vereins (www.fonmeh.de) ist Programm.

3000 Quadratmeter hier und dort. Welch ein Gegensatz in der Nutzung!

 

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