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Mrz 31 2013

Gute Geschäfte mit der »Obsoleszenz«

Titel OHA Stoppuhr

2 statt 60 Jahre: Lebensdauer vorzeitig gestoppt. Stoppt den Wahnsinn! (Foto: Sigi Müller)

Bei Glühbirnen, Autos, iPods, Druckern, Rasierapparaten …

Der Begriff »Obsoleszenz« lässt sich so erklären. Wenn etwas obsolet ist, wird es nicht mehr gebraucht, weil »veraltet« bzw. nicht mehr funktionsfähig. Die geplante Obsoleszenz ist bereits seit langem Teil einer Produktstrategie geworden. Bei der Herstellung von Produkten werden bewusst Schwachstellen eingebaut oder Rohstoffe von schlechter Qualität eingesetzt, bis hin zu Chips, die nach einer bestimmten Zeit Geräte einfach abschalten. Sie werden also schneller schad- oder fehlerhaft, können nicht mehr in vollem Umfang genutzt und müssen ersetzt werden.

Die arte-doku »Kaufen für die Müllhalde« hat das Thema »Obsoleszenz« aufgegriffen. Als eines von zahlreichen Beispielen wird ein Epson-Tintenstrahl-Drucker gezeigt, in dem serienmäßig ein Chip verbaut ist, welcher die gedruckten Seiten zählt. Nach 18.000 Seiten gibt der Drucker – wie geplant – seinen Geist auf. In Fachkreisen spricht man hier gerne von der eingebauten (»built-in«) Obsoleszenz, d. h. die bewusste Verkürzung der Lebensdauer eines Produkts. In der Betriebswirtschaft wird dieses Phänomen schönfärberisch als »Produktlebenszyklus« bezeichnet.

Die geplante Obsoleszenz begegnet uns überall: Nylonstrümpfe, Kühlschränke, elektrische Zahnbürsten, Kaffeeautomaten und noch Vieles mehr.

  • Glühbirnen könnten nach heutigem Stand der Technik bis zu 100.000 Stunden brennen, werden jedoch künstlich auf 1000 Stunden begrenzt.
  • In Fernsehgeräten werden z. B. zu schwache Kondensatoren verbaut.
  • iPhone-Nutzer haben festgestellt, dass der Akku schon nach etwa 3 Jahren unbrauchbar wird.
  • Für Waschmaschinen werden Materialien verwendet, die den Belastungen nicht lange standhalten. Hier – wie auch in vielen anderen Produkten – werden bewusst Teile in Kunststoff ausgeführt, obwohl man weiß, dass sie nur ein paar Jahre, Metallteile aber etwa 20 Jahre halten.

Die enormen wirtschaftlichen Vorteile der Kurzlebigkeit liegen auf der Hand und sie werden Produktdesignern nicht erst in Betrieben vermittelt, sondern bereits an Universitäten gelehrt.

Verschleierter Müllexport

Doch was auf der einen Seite für Umsatzzuwächse sorgt, produziert auf der anderen natürlich auch Unmengen von unnötigem Müll. Da stellt sich die Frage: Wohin damit? Der direkte Export von Elektroschrott in Nicht-OECD-Länder, also Entwicklungsländer, wurde zwar verboten, wird aber durch Umdeklaration der »Ware« einfach fortgesetzt. Ausgediente Fernseher, Computer, Staubsauger usw. werden kontainerweise – als Gebrauchtgeräte deklariert – in die Entwicklungsländer verschifft.

Ghana gilt eigentlich als modernes Land in Afrika, mit demokratischer Regierung und Gesundheitsfürsorge. Trotzdem ist der »Recyclingbereich« für europäischen Elektroschrott in der Hauptstadt Accra alles andere als menschenwürdig organisiert. Die dort entstandenen riesigen Giftmüllhalden sind extrem gesundheitsgefährdend.

Insgesamt betrachtet ist das gegenwärtige Management dieses Giftmülls weder nachhaltig noch geeignet, das Problem zu lösen. Nach einem Bericht der ARD wird das weltweite Volumen von Elektroschrott allein im Jahr 2012 auf 41 Millionen Tonnen geschätzt. Der deutsche Anteil daran wird auf über 1,5 Millionen Tonnen beziffert. Bessere Regulierung mit entsprechender Kontrolle wäre hier dringend erforderlich.

Was jeder tun kann:

  • darauf achten, ob das Produkt reparierbar ist, ob sich das Gehäuse öffnen lässt, ob es geklebt ist oder Schrauben zu verwenden sind;
  • sich schriftlich die Verfügbarkeit von Ersatzteilen für die Dauer von mindestens fünf Jahren zusichern lassen;
  • Produkte meiden, deren Akkus fest eingebaut sind, d. h. sich beim Kauf grundsätzlich zeigen lassen, wie Akkus getauscht werden können.
  • Hilfreich ist auch zu wissen, wie hoch die Folgekosten durch die Nutzung des Produktes sind. Manchmal kann auch eine gebrauchte Version sinnvoll sein, denn ältere gebrauchte Güter sind oft haltbarer gebaut.
Jürgen und Sigi Müller

1 Kommentar

1 Ping

  1. Josef Walter

    Das Ganze kann man auch noch steigern wie z. B. bei PKWs, man baue möglichst viel technischen Schnickschnack wie elektrische Sitzverstellung, Scheibenheber, digitale Anzeigen, ausgeprägte Scheinwerfer und Rückleuchten und für die ganz Blöden elektronische Einparkhilfen. Alles darauf ausgerichtet möglichst bald über den Jordan zu gehen. Dafür gibts aber vorher einen sensationellen Rabatt.

  1. Überfällige Aufklärung über die Obsoleszenz » OHA

    […] zum Artikel »Gute Geschäfte mit der Obsoleszenz« OHA Nr. 376 vom März […]

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