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Mrz 31 2017

Keinen Frieden mit der NATO

Foto Sicherheitskonferenz Demo

Demo gegen die Sicherheitskonferenz (Siko) mit Beiträgen jenseits der Leitmedien (Alle Fotos von der Demo: Sigi Müller)

Eugen Drewermann findet deutliche Worte gegen Kriegseinsätze

Die Rede des Theologen und Friedensaktivisten Eugen Drewermann am Münchner Marienplatz beginnt mit dem Dank an die „Freundinnen und Freunde des Friedens“ für die Bereitschaft gegenüber der sogenannten Sicherheitskonferenz ein deutliches Zeichen zu setzen.

Drewermann weist eingangs darauf hin, dass der Organisator und Ex-Diplomat der Siko Wolfgang Ischinger noch im letzten Jahr erklären konnte, es herrsche in Deutschland eine Interventionsmüdigkeit nach all den Ereignissen in Afghanistan, Syrien, Mali, aber diese Interventionsmüdigkeit sei „schlimmer als die möglichen Folgen der Intervention“.

Drewermanns Kommentar dazu: „Ich frage mich, wie viele Schlafzimmer hat eigentlich der Bayerische Hof, sich derart absurden Wunschträumen hinzugeben.“ Mit Sicherheit habe das gar nichts zu tun, wohl aber mit Kapitalinteressen und Kriegsgewinnlertum, mit Macht und Machtausdehnung, mit dem Okkupantentum ganzer Regionen „zum Zwecke des sicheren Zugriffs auf Ressourcen und Arbeitssklaven“. Er verweist auf den ständigen „Bruch der Nichteinmischungsrechte in die inneren Angelegenheiten fremder Staaten“. Und dies dürfe man nicht länger hinnehmen.

Der Satz „Die Nato steht für Stabilität“, sei einfach nicht nachvollziehbar.

Er führt detailliert auf, was die NATO seit Anfang der 1990er Jahre angerichtet hat: 1991 unter Bush dem Älteren mit 50 anderen Staaten den Irak überfallen, anschließend Somalia destabilisiert, den Balkan in ein Kriegsgebiet verwandelt, auf dem die Nato selber ihre Südflanke arrondieren konnte, hunderttausende von Serben ermordet, mit dem Hinweis, dass deutsche Bomber nach 50 Jahren zum ersten Mal wieder über Belgrad im Einsatz waren.

Dann 2001: Afghanistan („Wir verteidigen unsere Sicherheit am Hindukusch“) mit hunderttausenden von Toten! 2003: Nächster Überfall im Irak, und immer so weiter.

Er erwähnt den „Übergriff auf Libyen“, den Militäreinsatz in Mali. Drewermann: „Die USA stabilisiert keinen Staat, aber man hat inzwischen sieben islamische Staaten bis in den Ruin bombardiert. Nicht stabilisiert hat man sie, sondern ruiniert. Dafür steht die Nato. Sie ist keine Sicherheitsarmee, sie ist – ganz im Gegenteil – die schlimmste Kriegsmaschinerie in aggressiver Absicht, die die Menschheit je gesehen hat.“

Eben deswegen fordert Drewermann als Allererstes den Austritt Deutschlands aus der Nato. „Wir haben keinen Grund mehr, die Lügen mitzumachen, diese Armee hätte jemals dem Frieden dienen wollen.“

Im weiteren Verlauf der Rede erinnert er daran, dass ab 1949 gleichzeitig mit Gründung der NATO auch die Geheim- bzw. Untergrundarmee »Gladio« die Politik in Europa steuern sollte (in Frankreich, Griechenland, der Türkei, in Großbritannien, auch in Deutschland, aber vor allem in Italien). Drewermann: „1989 kam die Sache endlich ans Licht. Was man wollte, war die Herrschaft über ganz Europa im Sinne der Amerikaner.“ Er spricht auch über den Cyberkrieg der USA („Die NSA schöpft sämtliche Informationen ab.“), das Verhältnis zu Russland und beziffert auch die horrenden Ausgaben der NATO für Militär und Rüstung.

Von der als „Ex-Familienministerin“ bezeichneten Frau von der Leyen will sich Drewermann nicht mehr länger anhören, was sie in Schulen verkünden lässt, wie schön das Soldatenleben ist und welche Aufstiegschancen es bietet. Der Ministerin ruft er zu: „Das Töten von Menschen ist niemals ein normaler Zivilberuf. Soldaten sind Mörder. Tucholsky hat Recht.“ Diese Heuchelei müsse aufhören. Drewermanns Fazit: „Wir sagen NEIN zur Kriegswilligkeit, die unsere Medien herbeireden. Wir verweigern uns einer Politik, welche uns die Option des Krieges immer noch offen lässt.“

Sigi Müller

 

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