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Jan 31 2016

Ludwig II. als Natur- und Landschaftsschützer

 

 

Logo: Föderverein Nationalpark AmmergebirgeNach seiner Thronbesteigung am 10.3.1864 ließ Ludwig II. schnell durchblicken, dass er seine Betätigung in Gottes freier, erhabener Natur erheblich auszudehnen und zu intensivieren gedenke.

Er hatte ein durchaus romantisch geprägtes Verständnis von Natur: „… nichts ist stärkender für Geist und Körper als viel in Gottes freier Natur sich zu bewegen; dort oben auf freier Bergeshöhe ist die Seele dem Schöpfer näher, schöner und erhabener ist es da als im Qualm der Städte, wo die wahren Freuden ihren Sitz wahrlich nicht haben.“

Dennoch schützte König Ludwig „Gottes freie, heilige Natur“ ganz konkret vor gedankenloser oder mutwilliger Zerstörung und hemmungsloser Ausplünderung, wie es heutigen Politikern gut zu Gesicht stände. Bekannt sind Vorgänge, wo er nur die Entfernung morscher Bäume erlaubte, aber Nachpflanzungen forderte, wie z. B. beim Militärarzt Dr. L. Steichele, der einen Antrag einreichte, um am Eingang zum Englischen Garten in München eine Baumgruppe entfernen zu dürfen.

Sein Anliegen, durch Baumaßnahmen bedrohte Baumbestände zu erhalten, setzte er auch in den späteren Jahren durch. So genehmigte er am 10. Mai 1869 eine Baumaßnahme in der Schießhausstraße in Bamberg, der Alleebäume zum Opfer fielen, nur „unter der Bedingung der Nachpflanzung von Kastanienbäumen“.

Die von einer Interessengemeinschaft in Bamberg beabsichtigte Entfernung einer Hainallee ließ er durch das Innenministerium ablehnen.

Lange vor dem Bund Naturschutz setzte er den Landankauf zur Verhinderung von Landschaftszerstörung ein, so kaufte er die Insel Herrenwörth im Chiemsee, als ein Stuttgarter Holzhändlerkonsortium 1873 damit begann, den prachtvollen Hochwald auf der von ihnen erst 1870/71 erworbenen Insel abzuholzen. Der König bezahlte 350.000 Gulden (etwa 300.000 €uro) und machte damit der „schwäbischen Holzmetzgerei“ und „vandalischen Speculation“ ein rasches Ende. Fünf Jahre später legte er hier den Grundstein für Herrenchiemsee.

Bekannt ist auch der Erwerb eines „Naherholungsgebietes“ mit sieben Quellen bei Starnberg, das ein Schweizer kaufen und sperren lassen wollte. Vermutlich handelt es sich um das Mühltal zwischen Starnberg und Leutstetten.
Ferner durchkreuzte er die Erschließungspläne eines westfälischen Industriekonsortiums, das beabsichtigte, Versuchsbohrungen nach Petroleum bzw. Paraffin im Bereich Soyern vorzunehmen und eine Paraffin-Fabrik zu bauen.

Foto: Hubert Endhardt

Hubert Endhardt

Er sprach sich 1878 auch gegen eine Fernbahn von Kempten über den Fernpass ins Inntal aus und sagte: „Man soll mir die idyllische Einsamkeit und die romantische Natur, deren Schönheit im Winter noch ungleich größer ist als im Sommer, nicht durch Eisenbahnen und Fabriken stören. Auch für zahlreiche andere Menschen, als ich einer bin, wird die Zeit kommen, in der sie sich nach einem Lande sehnen und zu einem Fleck Erde flüchten, wo die moderne Kultur, Technik, Habgier und Hetze noch friedliche Stätte weit vom Lärm, Gewühl, Rauch und Staub der Städte übrig gelassen hat.“

Klingt das nicht wie ein Votum König Ludwigs für einen Nationalpark im Ammergebirge – seinem König-Ludwig-Nationalpark?!

 

 

 

QUELLEN:
➡    Ludwig II. Briefe an seine Erzieherin, Hrsg. Gisela Haasen, 1995 München
➡    König Ludwig II. von Bayern als Alpinist und Naturfreund von Franz Merta Berg`91 Alpenvereinsjahrbuch »Zeitschrift«, Band 115
➡    König Ludwig II. in der Bergeinsamkeit von Bayern & Tirol von Mario Praxmarer und Peter Adam 2004, adam-Verlag GAP

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