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Jul 31 2013

Mobilfunk in den Medien

2013_07_mobilfunk_sendeanlageEine hochrangige Kommission russischer Wissenschaftler prognostizierte 2008 schwere Gesundheitsschäden der jungen Generation durch den Handygebrauch und die Mobilfunkstrahlung. 2011 wiederholten und verschärften sie die Warnungen.[1] Der zuständige Ausschuss für Umwelt, Landwirtschaft und regionale Angelegenheiten des Europarates forderte mit einer einstimmig verabschiedeten Resolution am 6. Mai 2011 ein grundsätzliches Umsteuern in der Mobilfunkpolitik, die der Ständige Ausschuss des Europarates am 27. Mai 2011 unterstützte.[2] Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnete nach Auswertung von mehreren hundert wissenschaftlichen Studien im Frühjahr 2011 die Mobilfunkstrahlung als „ein mögliches Krebsrisiko“ und ordnete sie ein in die gleiche Kategorie wie zahlreiche krebserregende bzw. krebsverdächtige Substanzen, Pilzgifte, Bakterien und Viren.[3] Die Europäische Umweltagentur (EUA) griff aufgrund der Versuche der Industrie, die WHO-Entscheidung rückgängig zu machen, im Herbst 2011 in die Diskussion ein. Sie wiederholte eigene Warnungen, indem sie auf wissenschaftlich fundierte Forschungen zur Gefährdung durch Mobiltelefone hinwies. Sie forderte die Aufklärung der Bevölkerung und Verbraucherschutzmaßnahmen.[4] Ende 2011 brachte eine Gruppe führender angelsächsischer Wissenschaftler und Ärzte, „MobileWise“, einen aufrüttelnden Bericht heraus, der klar, anhand der vorhandenen Forschungsergebnisse, aufzeigte, wie wichtig es ist, insbesondere für den Schutz von Kindern und Jugendlichen tätig zu werden.[5] Im Herbst 2012 ging eine Gruppe von Medizinern und Wissenschaftlern, unterstützt von mehr als 50 namhaften Medizinern und Wissenschaftlern weltweit als sogenannte Erstunterzeichner, im Rahmen einer Pressemitteilung mit dem „Internationalen Ärzteappell 2012“ an die Öffentlichkeit.[6] Am 31. Dezember 2012 veröffentlichten 29 unabhängige Wissenschaftler und Gesundheitsexperten aus 10 Ländern, die BioInitiative-Working-Group, zum 2. Mal einen Aufsehen erregenden Report zu den bedenklichen Auswirkungen technisch erzeugter elektromagnetischer Felder auf biologische Systeme. Der erste Report erschien 2007. Im Rahmen des aktuellen Berichtes wurden 1.800 neue Studien untersucht.[7] Die Expertengruppe kam wiederum zum Schluss, dass die aktuell gültigen Grenzwerte keinen ausreichenden Gesundheitsschutz für die Bevölkerung bieten.

Dank der „Pressefreiheit“ im goldenen Informationszeitalter haben die unabhängigen Medien, die „Vierte Macht im Staate“, die Bundesbürger selbstverständlich über diese Entwicklungen ständig auf dem Laufenden gehalten …

Oder nicht?

Rundfunk, Fernsehen und Medien haben mit „Funkstrahlung“ zu tun. Sie funken selbst und stehen durch Werbeeinnahmen, durch die Vermietung von Senderstandorten, wie der BR, in engen geschäftlichen Beziehungen zu den Geräteherstellern und den Mobilfunkanbietern. Auch die Zeitungen sind intensiver ins Funkgeschäft eingestiegen: Die „Zeitung“ per WLAN oder UMTS auf das iPad, ein Smartphone als Prämie für einen neuen Abonnenten, gehören zum Alltagsgeschäft.

Der Journalist Uwe Krüger zeigte in seinem höchst brisanten Artikel „Funkstille über Strahlungsschäden“ auf, wie eng die Geschäftsverbindungen zwischen Rundfunkanstalten und Mobilfunk-Anbietern sind.[8] Ein Ergebnis davon kann man auf dem Dach des BR am Münchner Hauptbahnhof bestaunen. Kein Wunder, dass zu den Schattenseiten der Mobilfunk-Technologie seit Jahren „Funkstille“ herrscht. Entwarnungen jedoch werden möglichst großflächig gestreut. Als es angeblich Fälschungen bei Mobilfunkstudien gab, wurde diese Falschmeldung bis hinein in die Tageszeitungen von Kleinstädten getragen. Die Richtigstellungen der betroffenen Wissenschaftler verhallten ungehört bzw. ungelesen, da deren Pressemitteilungen nicht abgedruckt wurden.[9] So wird „informiert“ über „Nicht-Information“.

Die Pressesprecherin der Marketing-Zentrale der vier größten deutschen Mobilfunkanbieter (IZMF) erzählte auf dem Berliner Kommunikationskongress 2009 ganz freimütig, wie einfach es heute sei zu bestimmen, was in der Zeitung steht, so im ZEIT-Online-Artikel „Deutschland entblättert“. Es sei wichtig, die Meinungshoheit zu gewinnen, die Inhalte geschickt anzubieten, den Absender jedoch zu verschleiern. Das IZMF finanziere auch Fortbildungen für Ärzte, die dann als Experten für Interviews zur Verfügung stehen würden …

So tragen handy-begeisterte Ärzte dazu bei, dass die Menschen nicht erfahren, wie sehr diese Technik ihre Gesundheit beeinträchtigt. Das tun sie offensichtlich sehr gerne, denn mit kranken Menschen kann man viel Geld verdienen. Der Umsatz ist gesichert. Das IZMF bietet Informationsbroschüren für alle gesellschaftlichen Bereiche an, selbstverständlich auch für Schulen, unterstützt u. a. von den Kultusministerien. Die Geschäftsführerin des IZMF, früher in der Politik für die SPD tätig, lehrt gleichzeitig an einer deutschen Hochschule Politische Kommunikation. Eine ganz normale und legale Lobbyisten-Laufbahn.

VIPs mit Erfahrungen und Kontakten aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen sind von Konzernen begehrt. Sie können gezielt für die Belange der Branche eingesetzt werden. So entstehen effiziente Netzwerke, wie z. B. die WMP EUROCOM AG. Ihre Stärke sei es, Themen am Markt der öffentlichen Meinung durchzusetzen. Die TELEKOM, der zweitgrößte Mobilfunk-Anbieter, war Kundin der WMP-Tochter T&T Marketing by Events GmbH, so die beiden Journalisten Grasberger und Kotteder.[10] Auf der Internetseite der WMP AG findet man bekannte Namen von Menschen, die gestern noch Politiker in hohen Ämtern waren und heute Lobbyisten sind …

Und spätestens seit dem Spiegel-Artikel „Der Hamster ist Zeuge“, der im Frühjahr 2007 erschien, weiß auch die akademische Mittelschicht, dass es sich bei Menschen, die nach der Inbetriebnahme eines Mobilfunksendemasten gesundheitliche Probleme bekamen, und bei Ärzten, die sich für diese Menschen einsetzen, um eine kleine Schar von nicht ernst zu nehmenden Menschen handelt. Der Verfasser des Spiegel-Artikels hatte sich das Vertrauen von Betroffenen und der genannten Ärztin erschlichen, um sie dann gezielt und medienwirksam unglaubwürdig zu machen. Die offenen Briefe einer Wissenschaftler- und Ärztevereinigung zu diesem Artikel, gerichtet an den Spiegel-Chefredakteur Aust, wurden nie beantwortet. Der Umstand, dass Herr Aust im VIP-Fahrzeug der TELEKOM die Tour de France begleiten durfte, spielt sicher keine Rolle hierbei … Die Briefe stehen jedoch, zusammen mit weiteren Dokumenten der Medienkritik, auf der Internetseite der unabhängigen Organisation zur Verfügung.[11]

Anke Kern

Anke Kern

Schon lange wissen wir, dass die Mächtigen hinter den Medien die Strippen ziehen. Vor dem vornehmen New Yorker Presseclub entblößte der frühere Chefredakteur der New York Times, John Swinton, bereits im Jahr 1880 die unschöne Rolle eines Journalisten. Daran hat sich vermutlich bis heute wenig geändert. Aber: Ausnahmen bestätigen die Regel! Mutige Journalisten, die sich der Wahrheit verpflichtet fühlen, gab es wohl auch immer schon.

Anke Kern

 

 

 

 

 

 

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