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Jul 31 2012

Nische Ökotourismus … (4)

Schaffung von Unterkunft und Verpflegung für Wandertouristen – eine reizvolle Idee, aber schwer realisierbar

Umwelt und Ressourcenschutz …

… ist der Programmbereich, in dem ich arbeite. Meine Suche nach alternativen Produkten zur Holznutzung gestaltet sich schwierig. Marmelade und Honig lassen sich mit viel Anstrengung produzieren und verkaufen, aber ein nennenswertes Einkommen für die Gesamtbevölkerung lässt sich damit nicht erzielen. Andere anvisierte Produkte wie der Verkauf von Orchideen und Bromelien oder ein paar Pilzen gäben nicht viel mehr her. Ein kleines, doch sicher auch nicht durchschlagendes Vorhaben soll die Schaffung von Unterkunft und Verpflegung für Wandertouristen sein. Als Kunden kommen dafür vor allem stadtgenervte Mitarbeiter von internationalen Organisationen in Frage – denn wohlhabende Haitianer, die es durchaus gäbe, wandern im Allgemeinen nicht. Sie zieht es mit dicken Autos, lauter Musik zu Rum an den Strand oder sie machen Urlaub in ihren Villen in Miami.

Dennoch kann Ökotourismus eine Nische werden, die den Bauern im Wald den einen oder anderen Dollar bringen kann. Die Arbeit, die im Projekt vorbereitend dafür zu leisten ist, ist aufwändig. Die Häuschen müssen frisch verputzt und gestrichen werden, mit Regenwasserzisternen, Toilette, Dusche und Solaranlage ausgestattet, Fenster und Türen erneuert und mit Eisengittern und richtigen Schlössern gesichert werden. Möbel und Basisküche kommen hinzu.

Der mühsamere Teil der Arbeit wird die Vorbereitung der Leute auf die Touristen. Das heißt zumindest ein paar Brocken französisch oder englisch lernen, eine intensive Schulung zu Hygiene, Putzen und Kochen durchführen und die Idee vermitteln, was Betreuung und Service bedeuten. Das Mühsame daran ist nicht zuletzt, dass die Bauern beim Lernen mehrere Wiederholungen brauchen. Danach können sie, wenn es gut geht das, was sie gelernt haben, exakt wiederholen, doch noch lange nicht auf andere Situationen übertragen.

Straßen voller Müll wirken abschreckend

Dass sich im etablierten Ökotourismussektor Leute finden, die nach Haiti reisen, glaube ich nicht. Zu viel Abschreckendes, was Umweltschutz angeht: Die Straßen von Port au Prince sind voll mit Müll. Es gibt keine Mülltrennung. Die kolossale Mischung wird auf die Straße oder in trockene Flussrinnen geworfen. Dort tummeln sich Hunde, Schweine, Ziegen und Kühe und suchen nach Fressbarem. Der Rest wird mit dem nächsten größeren Regenguss bis zu den Durchlassrohren der Brücken geschwemmt. Die darauffolgenden Straßenberschwemmungen sorgen dann einmal mehr für das tägliche Verkehrschaos. Was vom Müll nicht in den Flussrinnen landet, wird auf den Straßen gelagert, bis gelegentlich die städtische Entsorgungstruppe zum Schaufeln anrückt.

Strom oder Wasser sparen ist unbekannt. Dass es in Industrieprodukten jede Menge giftiger Stoffe gibt, ist kaum bekannt; doch auch wer es weiß, hat keine Wahl: denn wohin zum Beispiel mit defekten Energiesparlampen, wenn es keinen Ort zum Entsorgen gibt? Auf Energiesparlampen verzichten ist auch schwierig. Da es oft keinen Strom gibt, behilft man sich viel mit Reihen von Autobatterien, mit denen man in den stromfreien Zeiten zumindest für Licht sorgt. Die Verwendung von normale Glühbirnen würde demnach die Anzahl der Batterien erhöhen, deren Entsorgung ebenfalls im beschriebenen Müllsystem passiert.

Was ich – gäbe es denn Tourismus dafür – gut vermitteln könnte ist, wie lang und mühsam (für Haiti) die Hilfe bei der Entwicklung einer bessere Zukunft ist. Daniel, der Lehrer, den ich in meinem letzten Text porträtiert hatte, sagte man mir, wird jetzt zum 12. Mal Vater.

Haiti Bild1

Müll verstopft Durchlassrohre und verursacht Straßenüberschwemmungen.

Haiti Bild2

Gemüsemärkte hinterlassen viel organischen Müll. Mülltrennung gibt es (noch) keine.

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