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Feb 28 2011

Radioaktivität im Wildbret: Cäsium-Belastung beim Schwarzwild gestiegen

Wildschwein

„Jetzt steigen die Messwerte wieder rasant an.“
Dr. Mühlhölzl, Wielenbach

Zurzeit muss etwa die Hälfte der in unserer Region erlegten Wildschweine entsorgt werden, weil die radioaktive Belastung den Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilo übersteigt. Spitzenwerte liegen bei 2000 Becquerel. Diese und weitere Informationen stammen von Dr. Mühlhölzl aus Wielenbach, der die Cäsium-Messungen von Wildbret für den Kreisjagdverband Weilheim durchführt. Der promovierte Strahlenbiologe sieht allerdings keine Gefahr für die Verbraucher, da Wildbret mit mehr als 600 Bq/kg nicht in den Verkehr gebracht werden darf. Ein Verstoß dagegen kann als Ordnungswidrigkeit oder Straftat geahndet werden.

Auch wenn der Reaktorunfall von Tschernobyl nun beinahe 25 Jahre zurückliegt, müssen wir uns immer wieder mit den Belastungen auseinandersetzen, die dieser Supergau verursacht hat. Wildfleisch, das in den Verkehr gebracht wird, muss nach wie vor getestet werden.

Dr. Mühlhölzl verweist in seinen Ausführungen auf die unterschiedlichen Belastungen, die vorwiegend mit dem Aufenthaltsort des Schwarzwilds zu tun haben. Schweine, die in Waldnähe den Böden durchwühlen, seien derzeit fast zu 100 Prozent über dem Grenzwert und müssen in der Tierkörperverwertung entsorgt werden. In Bayern gilt übrigens eine Sicherheitsmarge von 100 Bq/kg. Werden mehr als 500 Bq/kg gemessen, kommt das einer Überschreitung des EU-Grenzwerts von 600 Bq/kg gleich. Dr. Mühlhölzl: „Schwarzwild, das sich vorwiegend in schilfreichen Gebieten aufhält, nimmt weniger Eiweiß, und damit weniger Cäsium auf. Da ist die Belastung im Allgemeinen unter 500 Bq/kg.“

Ob die in Wielenbach erstellten Messdaten für die gesamte Region Weilheim-Schongau repräsentativ sind, will Dr. Mühlhölzl nicht bewerten. Die uns vorliegenden Ergebnisse aus anderen Regionen Bayerns bestätigen jedoch eindeutig diesen Trend.

Undifferenzierte »Entwarnung« im Weilheimer Tagblatt

Der Bericht im Weilheimer Tagblatt vom 2. Dezember 2010 „Wildschweinbraten nicht mehr belastet“ zeigt nur den Zustand der Belastung bis etwa Mitte Herbst. Der Artikel des Tagblatts enthält keinerlei Hinweis auf die unterschiedliche Cäsium-Belastung der Wildschweine in den Jahreszeiten. So entsteht der Eindruck, die radioaktive Belastung von Wildbret, insbesondere von Wildschweinen, sei in unserer Region das ganze Jahr über kein Problem mehr. Deshalb ist die obige Schlagzeile höchst unseriös und muss sogar als grobe Irreführung bezeichnet werden.

Sigi Müller

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