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Sep 30 2011

Rezension zum Roman »Ludwig zum Zweiten« von Hans Schütz

Frau Dr. Dr. Christine Michelfeit, die Präsidentin der Gesellschaft der Lyrikfreunde, einem internationalen Verein mit Sitz in Wien (www.lyrikfreunde.at), hat sich in einer Buchbesprechung mit dem neuen Roman von Hans Schütz »Ludwig zum Zweiten« aus­einandergesetzt. Erscheinen wird diese Rezension in der Herbstausgabe der Zeitschrift »Begegnung«. Mit ihrer Erlaubnis darf der OHA diese Rezension abdrucken:

Ludwig zum Zweiten – Hans Schütz

»Ludwig zum Zweiten« von Hans Schütz
2011, Books on Demand, Norderstedt
ISBN 978-3-84236-390-8

Hans Schütz erinnert in seinem zeitgeschichtlich hochinteressanten Roman an Ereignisse, die über 40 Jahre zurückliegen und die damals die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse auf der ganzen Welt zutiefst beeinflusst haben. Aus der 68er Bewegung ging eine neue Generation hervor, die nicht nur Schluss mit verstaubten Konventionen machte, sondern, besonders im Bildungswesen, neue Strukturen erzwang. Weltweit fanden Demonstrationen statt, der Vietnam- Krieg und der Prager Frühling fallen in diese Periode, Ho Chi Minh und Che Guevara wurden zu neuen Leitfiguren.

Der Roman spielt in den Jahren 1969 bis 1971. Der Autor war zu dieser Zeit Schüler des Füssener Gymnasiums und schildert die Wirkungen, die die Studentenproteste und Demonstrationen in dieser allgäuischen Kleinstadt hervorgerufen haben. Die Personen sind fiktiv, persönliche Erlebnisse allerdings teilweise mit einbezogen.

Mittelpunkt des Geschehens bilden die Schüler Fritz Haksch und Max Wachsbleitter, die aus unterschiedlichem Milieu stammen. Fritz aus einer am Ort eingesessenen, einfachen Arbeiterfamilie, Max ist Tiroler, besucht aber aus verschiedenen Gründen die Schule in Deutschland. Seine ziemlich vermögende Mutter erfüllt ihm jeden Wunsch, so kann sich Max ein eigenes Auto und ein kleines Häuschen in Füssen leisten, für die Schüler der 12. Klasse eine Besonderheit, die ihn zwar bei allen beliebt, gleichzeitig aber auch zum Außenseiter macht. Seine Herkunft ist ziemlich nebulös, man erfährt nur, dass sowohl sein Vater, als auch die Vorfahren im Alter von 28 Jahren gestorben waren und Max dasselbe Schicksal für sich fürchtet. Er hat ein besonderes Interesse an dem im Starnberger See ertrunkenen Märchenkönig Ludwig II, der auch im Prolog eine seltsame Rolle spielt. Beide Freunde sind in der Schülerzeitung engagiert, die Fritz immer öfters Gelegenheit gibt, die Ideen der 68er Bewegung aufzugreifen und gegen das Establishment von Schule und Gesellschaft zu kämpfen, solange bis es nach dem Abitur auch zu einem folgenreichen Eklat kommt. Max hingegen zieht sich immer mehr zurück und lebt in einer Scheinwelt, die er rings um den von ihm verehrten König Ludwig aufgebaut hat. Während Fritz sich darauf vorbereitet, Politikwissenschaft zu studieren, beschäftigt sich Max nur mehr mit der eigenen Ahnenforschung, die ihn fast dazu bringt, dem Beispiel seines Idols folgend, den Tod im Starnberger See zu suchen. Sein Schicksal verläuft dann doch anders.

Der Autor schildert sehr lebendig das Leben der Schüler in diesen so entscheidenden Jahren, Skilager, Rock Konzerte, Sportveranstaltungen, Ausflüge und erste Liebeleien runden den Schulalltag ab. Dazu kommen aber auch politische Aktionen, wie Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg oder Störungen bei Wahlveranstaltungen.

Etwas erstaunlich sind die vielen Besuche in Bierstuben, aber das sollte nur einen Nichtbayern wundern. Was aber besonders auffällt, ist das starke politische Interesse der Jugendlichen in dieser Zeit, ein Interesse, das man heute vermisst und das wohl auch mit der damaligen allgemeinen Aufbruchsstimmung zusammenhängen dürfte.

Hans Schütz ist mit diesem Roman ein sehr gutes Zeitbild gelungen, fesselnd geschrieben, dabei immer objektiv in Bezug auf das politische Geschehen. Ein Buch, das auch aufzeigt, wie sehr sich die Welt seither verändert hat.

Christine Michelfeit

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