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Okt 31 2010

Rückkehr von Teófilo (33)

Geschichte einer Familie in Honduras (Teil 2)

In Los Jobos wohnen Teófilo und Apolinaria mit ihren sieben Kindern. Der Bericht von Karl Heuberger aus Zürich vermittelt einen Einblick in die Lebensart einer Kleinbauernfamilie, die sich in einem vom »Hilfswerk der Evangelischen Kirche Schweiz (HEKS)« unterstützten Projekt zur Verbesserung der Ernährungssicherheit beteiligt. (Fortsetzung aus dem September-OHA)

Teófilo Maniok Wurzeln

Teófilo zeigt, wie Maniok-Wurzeln gesteckt werden sollen

Teófilo ist nicht in sein Dorf zurückgekehrt, um lediglich für sich ein zufriedenes Leben zu führen. Nein, von Adepes hatte er ein Darlehen für den Bau einer kleinen Unterkunft aufnehmen können. Hier übernachten die Männer und Frauen, die seine Parzelle besuchen kommen und sich an Weiterbildungskursen beteiligen. Sie kommen regelmäßig aus nahen und weiter abgelegenen Dörfern. Pro Jahr sind es mehrere hundert Personen, die hier Impulse erhalten.

Die HEKS-Partnerorganisation Adepes begann im Jahr 2001 mit der Beratungsarbeit von Kleinbauernfamilien in der Region von Los Jobos und mehreren Nachbardörfern. Teófilo hörte davon und zeigte Interesse, bei den Kursen und beim Erfahrungsaustausch mitzumachen.

„Ich hatte Gelegenheit, die Parzelle von Napoleón Sanchez zu besuchen. Was ich dort sah, hat mich stark motiviert. Ich sagte mir: wenn Napoleón das kann, dann ist es auf unseren Parzellen auch möglich.“

Wir besuchten die Parzellen von Teófilo. Es ist ein steiles, abschüssiges Land. Wo früher lediglich Mais und Bohnen wuchsen, ist es heute voll von verschiedensten Fruchtbäumen: Avocados, Papayas und Bananen. Und dazwischen immer wieder Maniok-Pflanzen. Allein die über 100 Papaya-Pflanzen bescheren ihm und seiner Familie eine reiche Ernte, nicht nur für die Selbstversorgung, sondern auch für den Verkauf in der Region.

Cristy Arsenia Tortillas

Cristy Arsenia beim Auswallen und Kneten der Masse für Tortillas

Die jüngste Tochter von Apolinaria und Teófilo, Christy Arsenia, ist vierzehn. Was ihre Pläne für die Zukunft seien, wollten wir von ihr wissen.

„Ich möchte nach San Pedro Sula oder noch besser nach Tegucigalpa und lernen, mit einem Computer zu arbeiten“, erklärt sie uns, währenddem sie gekonnt die Masse für die Tortillas knetet und anschließend die Maisfladenbrote formt und auf dem Feuer toastet.

Die Jugendlichen von der Wichtigkeit zu überzeugen, im Dorf zu bleiben und sich hier für eine Existenz einzusetzen, ist auch in honduranischen Dörfern nicht einfach. Sie wollen ihre Erfahrungen machen. Teófilo und Apolinaria werden sie auch ziehen lassen. Wohl auch im Vertrauen darauf, dass ihre Kinder Wurzeln schlagen konnten in einer Realität, die anspruchsvoll ist. Aber trotzdem lebensfreundlicher als der brutale Überlebenskampf in der Stadt oder gar in der Migration in die USA. Auch mit diesen BesucherInnen passiert oft das, was das Leben von Teófilo damals verändert hatte: sie sind fasziniert vom dem, was möglich ist, wenn der karge Boden klug bewirtschaftet wird.

Sie gehen motiviert nach Hause, wenden das Gelernte an und entdecken, dass es funktioniert. Bei Fragen stehen ihnen die MitarbeiterInnen von Adepes, Teófilo oder andere Nachbarn mit Rat und Tat zur Seite.

Cajou Nüsse

Die Frucht der Cajou-Nüsse wird zur Zubereitung von schmackhaften Getränken verwendet

Teófilo ist auch Präsident einer lokalen Genossenschaft, die sich gemeinsam für größere Vorhaben zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den weit abgelegenen Dörfern im Hügelland im Süden von Honduras einsetzt. Vieles muss angepackt werden. Sei es die Verbesserung der Bildungsmöglichkeiten für die Jugendlichen, der Bau von Wasserleitungen und Verbindungswegen, die Aufforstung von Schutzgebieten um Quellen und vieles mehr. Als einzelne Familien hätten sie keine Chance, Gehör zu finden. Gemeinsam jedoch konnten sie in den letzten Jahren schon verschiedenste Projekte durch- und umsetzen. So findet seit drei Jahren alle zwei Wochen im Gemeindehauptort Pespire ein Markt statt, wo sie ihre Produkte anbieten. Und die Nachfrage nach den Produkten, welche von diesen Bauernfamilien produziert werden, ist groß.

Teófilo ist in sein Dorf zurückgekehrt. Männer und Frauen wie Teófilo gibt es im Süden von Honduras viele und es werden immer mehr. Grund genug, mit ihnen in Verbindung zu stehen, sie in ihren Prozessen zu begleiten, ihre Vorhaben zu unterstützen und auch von ihnen zu lernen.

Karl Heuberger, Zürich

 

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