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Dez 31 2012

Wer kann sagen, er hätte nichts gewusst?

Titel Küken

Ostern kommt! Aber diese Küken freuen sich erst mal auf Weihnachten. (Foto: Anton Prestele)

Industrialisierung der Landwirtschaft, Höfesterben, Pestizide und Antibiotika in unserem Essen – dazu sagen immer mehr Bürger/innen: »Wir haben es satt!«

2013 wird ein Jahr wichtiger Weichenstellungen für die Zukunft der Landwirtschaft – Demo am Samstag, 19. Januar in Berlin

Huhn

(Foto: Anton Prestele)

Geht es Ihnen auch so? Sie sehen im Mai junge Rinder auf der Weide und freuen sich. Sie sehen die selben Rinder bei sengender Hitze im August und Sie sehen sie wieder bei eisiger Kälte auf der schneebedeckten Weide. Ohne Unterstand, ohne Schutz. Nachfrage beim Tierhalter wird mit dem Hinweis beantwortet, die Tiere würden Kälte bis zu minus 30 Grad Celsius aushalten. Mag sein, aber die Tiere fühlten sich offenbar nicht wohl. Und es gibt weit Schlimmeres in der Tierhaltung. Käfighaltung von Legehennen ist zwar inzwischen EU-weit verboten, doch nicht verboten ist die sog. Kleingruppenhaltung. Auf eine Anfrage an Frau Aigner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, wurde u.a. mitgeteilt, hiervon seien nur 10 Prozent der Hühner betroffen. Wie viele Millionen Hühner mögen das sein, die unter dieser so harmlos klingenden Haltungsmethode leiden? Der Deutsche Tierschutzbund prangert diese Haltungsform an und spricht von Kleingruppen-Käfigen. (www.tierschutzbund.de)

Der Landesbund für Vogelschutz spricht in seinem Magazin für Arten- und Biotopschutz, Heft 4/2012, eine deutliche Sprache: „Solange der Verbraucher ein halbes Hähnchen beim Hendlstand für 1,99 € (!) oder die Hähnchenbrust für 6 € pro kg kauft, werden weiter Tiere unter unsäglichen Umständen »produziert« werden. …“ Und weiter: „ … bei einem jährlichen Hähnchenfleischkonsum von rund 1 Mio. Tonnen in Deutschland zählt immer noch Masse vor Klasse. Geflügelkonzerne bedienen diesen Markt mit Tieren aus Qualmast, bei denen sich 22 bis 24 Tiere einen Quadratmeter Bodenfläche in Dämmerlicht teilen müssen. Während der 35-tägigen Tortur leben die Tiere auf ihren eigenen Exkrementen. …“ Und die Konsequenz ist der Einsatz von Medikamenten in der Tiermast. … „Antibiotika sind die Regel … Antibiotikafreie Hähnchenmast wurde nur bei 3,6 Prozent der Tiere – praktisch ausnahmslos aus kleinen Haltungsgruppen – nachgewiesen.“ Tiere werden schlimmer als Sachen behandelt. Einer SZ-Mitteilung zufolge soll „…das Verbot der Kastration von Ferkeln ohne deren Betäubung … nicht schon 2017, sondern erst 2018 kommen … Eine Anhörung im Bundestag habe ergeben, dass zu einem früheren Zeitpunkt keine praxistauglichen Alternativen zur Verfügung stünden.“ Das ist schierer Zynismus! Wie charakterisierte noch Mephisto jene Fähigkeit des Menschen, die ihn angeblich über das Tier erhebt? „Er nennt’s Vernunft und braucht’s allein, um tierischer als jedes Tier zu sein.“

Und wie mag es jenen Mastgänsen ergangen sein, die an den Festtagen als Weihnachtsgänse (!) auf den Tisch kommen?

Wir als einzelne können die barbarischen Zustände in der Tierhaltung nicht per Dekret verhindern, aber wir sind nicht machtlos. Jeder von uns kann zum Beispiel seine Verbrauchsgewohnheiten ändern, was nicht gekauft wird, wird nicht mehr »hergestellt«. Wir können beim Einkaufen nachfragen, woher die Produkte stammen und uns mit Schreiben an die zuständigen Behörden oder mit Leserbriefen zu Wort melden, wir können Internetaktivitäten wie zum Beispiel Unterschriftsaktionen von www.campact.de zu einschlägigen Themen unterstützen.

Dr. Anton Prestele, Penzberg

Dr. Anton Prestele, Penzberg

Campact kündigt eine Großdemonstration am 19. Januar 2013 in Berlin an: „Die Industrialisierung der Landwirtschaft, das Höfesterben, Pestizide und Antibiotika in unserem Essen – dazu sagen immer mehr Bürger/innen: »Wir haben es satt!« Unter diesem Motto gehen wir am Samstag, den 19. Januar 2013 in Berlin in einem breiten Bündnis von Organisationen, Verbraucher/innen und Bäuerinnen und Bauern aus dem ganzen Land auf die Straße. … Mit der Demo läuten wir ein Jahr wichtiger Weichenstellungen für die Zukunft der Landwirtschaft ein. In Bundestag und Bundesrat wird um zwei Instrumente gerungen, die eine Agrarwende befördern können: Mit dem neuen Arzneimittel-Gesetz wollen wir eine Halbierung des Einsatzes von Antibiotika in der Tiermast durchsetzen und Massentierhaltung erschweren. Mit einem neuen Bau-Gesetz bekämen Gemeinden endlich die Möglichkeit, Megaställe zu verbieten. Und in der EU wird entschieden, ob die milliardenschweren Agrarsubventionen an Umweltauflagen gekoppelt werden. …“

Wir können viel tun, nur eines nicht: Wir können nicht sagen, wir hätten nichts gewusst.

Ferkel

(Foto: Anton Prestele)

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