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Aug 31 2013

Zinsens sind aller ökonomischen Laster Anfang

Foto Herwarth Stadler

Herwarth Stadler

Umkehr oder weitere Umverteilung von Arm und Fleißig nach Reich …

Was läuft da vor unseren Augen ab? Wieso staunen wir wortlos über die Folgen? Warum ist das so unverständlich für den Normalverbraucher/Bürger? Zinsen sind aller ökonomischen Laster Anfang (sage ich, der Autor), weil sie bei Otto Normalverbraucher und selbst bei Dr. Lieschen Müller das Gefühl ansprechen, scheinbar als Belohnung für Enthaltsamkeit/Sparsamkeit empfunden zu werden.

Darum sind Zinsen harmlose Verführer, d. h. der Wolf im Schafspelz, denn in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung vermehren sie leistungslos das Kapital (als Produktionsfaktor), ohne einen Gegenwert als Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) erbracht zu haben, sie wirken deshalb immer inflationär/preistreibend; als Zinseszinsen verstärken sie auf dem Finanzmarkt das Geldkapitalwachstum exponentiell, d. h. Verdoppelung in regelmäßigen Zeitintervallen; man kann sie politisch vorzüglich missbrauchen: durch »Milchmädchenrechnungen« verschleiert man die katastrophale Wirklichkeit: Als halbierte (Abschlag)-Steuer kann sich Otto und Lieschen über ein paar »Braune« freuen, der Millionär wird zeitgleich mit 5- bis 7-stelligen Beträgen begünstigt, ohne zu arbeiten.

Wir bezahlen derzeit im Durchschnitt bei jedem Umsatz des täglichen Konsums/Gebrauchs bereits rund 40 % Zinsen.[1]

Der jüngste Bericht an den Club of Rome[2] kommt zu einem ähnlichen Ergebnis der internationalen unabhängigen Forschung. Er empfiehlt knallhart: entweder wir lernen aus der permanenten Finanzkrise und stellen unsere Wirtschaftsordnung auf ein zinsloses Geldsystem um, oder wir landen bereits bis zum kommenden Jahrzehnt im wirtschaftlichen Chaos. Dabei verweisen die Forscher auf die zahlreichen Erfahrungsgruppen, die von NGOs weltweit getragen werden. Denn die aktiven Zukunft gestaltenden Bürgerorganisationen sind seit Jahren bzw. Jahrzehnten schon viel weiter als die heute verantwortlichen Eliten. Sie sind so genannte »lernende Gemeinschaften«,[3] von deren Erfahrungen wir nur profitieren können.

An der Lösung des monetären Problems hängen nämlich die vier gravierenden Aufgabenbereiche unserer nächsten Zukunft[4] wie siamesische Zwillinge:

  1. Währungsinstabilität – Wie können wir dieses seit fünf Jahren auf unseren Nägeln brennende Problem lösen?
  2. Klimawandel – Wie lassen sich die zuletzt gewohnten/exzessiven Interessen von Aktionären/führenden Managern mit langfristigem Denken vereinbaren?
  3. Informationsrevolution – Wie können wir zusätzlichen Milliarden Menschen einen Lebensunterhalt bieten, wenn der technische Fortschritt schon heute immer weniger Arbeitsplätze benötigt?
  4. Überalterung – Wie wird die Gesellschaft das Geld für alte Menschen im Hinblick auf ihr erhöhtes Lebensalter aufbringen?

Auch da gibt es teilweise bereits konkrete Lösungsansätze von den arbeitenden Thinktanks erforscht und durchgerechnet. Als Stichworte mögen dazu dienen: Grund- und Boden-Allmende, Bedingungsloses Grundeinkommen und ähnliche Ansätze, die den Reformen dienen könnten.

 

Quellenangaben / Hinweise


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  1. Bei den Mieten sind es bis zu 80%, beim Bier 30%, bei der Hausabfallbeseitigung 12% usw., usf. Siehe auch frühere Kolumnen von mir im OHA
  2. Litaer, B., Arnsperger, C., Goerner, S., Brunnhuber, S., Geld und Nachhaltigkeit. Von einem überholten Finanzsystem zu einem monetären Ökosystem, dt. 2013; S. 311
  3. dto., S. 310.
  4. dto., Grafik S. 299

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