Glosse für Querdenkende: 5G und das »Internet der Dinge«

Endlich wissen wir, was der Sinn des Lebens ist

Anke Kern

Die APP auf dem »smarten« Phone meldet, dass die Windel des Babys kurz vor dem Überlaufen ist. Der Kühlschrank meldet über das »smarte« Phone, dass er keinen Käse mehr in sich entdecken kann. So ein Käse …

Aus unserem »smart« verstrahlten Haus strahlen die Zähler für Wasser, Strom und Gas im Sekundentakt unseren Verbrauch auf die Straße. Menschen, die mit Hacker-Absichten unterwegs sind, freuen sich riesig über diesen Service, den die »smarte« Welt bietet. Ein externer Überwacher überwacht über die »smarten« Rauchmelder jede Bewegung im Raum, weil es ja jederzeit durch einen zu heißen Pups zu brennen anfangen kann …

Oh, wie lange haben wir auf diesen Fort-Schritt warten müssen, nachdem wir aus den Höhlen rausgekrochen sind. Sich in das selbstfahrende Auto setzen zu können und auf dem Weg in die Arbeit noch schnell im Netz shoppen gehen zu können, ist einfach genial. Damit dies reibungslos geht, müssen wir für die fahrenden Computer natürlich alle Straßen und Wege komplett ausstrahlen und zahlreiche Bäume fällen. Dies ist so wichtig für unsere Zukunft, dass selbstverständlich auch die Umweltschutzverbände zu den dringenden Appellen, wie z. B. zum Appell »Stop 5 G auf der Erde und im Weltraum«[1] schweigen …

Die Damen und Herren mit Professoren- und Doktoren-Titel mahnen und warnen mit offenen Briefen, wie z. B. diesem[2], die man besser nicht liest, sonst vermiest es einem ja die Freude an der neuen Weltordnung vor oder nach dem Blackout, in der wir digital first und Bedenken second ein kurzes, aber gutes Leben, immer online und gesegnet von Kirchen-Robotern[3], kultivieren wollen, nicht wahr?

Mit zigtausenden von Satelliten um die Erde herum[4] sollen alle Funklöcher gestopft und alles Leben auf dem Planeten Erde mit gepulster Mikrowellen-Strahlung beglückt werden. Auch das Leben in Wäldern und in den Gewässern muss selbstverständlich vom Fort-Schritt profitieren dürfen. Dass die Bäume an der Strahlung eingehen und die Wale und Delphine in den Meeren durch die Antennen-Wirkung des Wassers möglicherweise verrückt werden und vielleicht scharenweise aus dem Wasser versuchen werden zu fliehen, wen kümmert das? Denn das einzig Wichtige ist doch, überall mit dem Netz in Verbindung zu sein. Ist es nicht so? Pornos und Gewalt-Videos müssen doch schließlich noch im letzten Winkel eines Naturschutzgebietes so schnell, wie es geht, runtergeladen werden können und durch den Äther rauschen, durch alle Lebewesen hindurch, auch durch die, die mit diesem Informations-Dreck nicht konfrontiert werden wollen. Das gehört zum Lifestyle von heute …

Die Kinder, ab dem Kindergarten bereits schön durch-digitalisiert, mit einem Bauklötzchen nichts mehr anfangen könnend, brauchen doch eh in Zukunft kein gut entwickeltes Stirnhirn mehr[5], um begreifen und Zusammenhänge erkennen zu können, denn die künstliche Intelligenz (KI) wird für die Erledigung von Arbeit zur Verfügung stehen. Die Hausfrau oder der Hausmann z. B. wird durch den Roboter von der Drecksarbeit erlöst, wie auch die ArbeiterInnen in den Fabriken und an den Supermarkt-Kassen, und man hat mehr Zeit, im Netz zu surfen. Was will man mehr? Die Digitalisierung entsorgt uns von Arbeitsplätzen, erlöst uns vom Arbeiten im Allgemeinen und wir können uns dann alle in Zukunft dem schönen Leben eines Hartz-IV-Sklaven hingeben. Und wenn wir brav sind, bekommen wir auch den RFID-Chip implantiert und haben Anspruch auf die üppigen monatlichen Bezüge, digitalisiert auf das Konto, denn Bargeld ist überflüssig geworden. Und weil niemand etwas zu verbergen hat, darf die NSA unserer »Freunde« doch selbstverständlich in dem riesigen Speicher-Areal in Utah jeden Einkauf, jeden Cappuccino in der Stadt, jede digitale Spur eines jeden Menschen speichern[6]

Und wer das Falsche sagt oder nicht das Richtige kauft, wird eben vom Netz getrennt und fällt in die endlose Tiefe der Nicht-Existenz. Es gibt sowieso viel zu viele nutzlose Esser, von denen die Erde befreit werden muss. Das ist Umweltschutz, liebe Leute!

Dass die scheinwissenschaftlich legitimierten Grenzwerte für »Mobilfunkstrahlung«[7] nichts mit Gesundheitsschutz oder Vorsorge-Politik zu tun haben, ist doch nebensächlich, gell? Deswegen können wir sie noch etwas erhöhen, denn mit 5 G muss jeder opfern für das Gemeinwohl. Und wir opfern doch gerne, denn wir wollen uns ja nicht dem Fort-Schritt verweigern.

Ach, es schwimmt sich so schööön bequem im Mainstream! So einfach und leicht wie ein toter Fisch im Wasser. Sagte nicht der Dalai Lama, dass unsere wahre Aufgabe darin bestehen würde, glücklich zu sein? Haben wir vielleicht mit 5 G und dem Internet der Dinge endlich den Sinn unseres Lebens erkannt und haben nur noch die Aufgabe, glücklich zu sein? Treten wir nun mit dem Internet der Dinge in das goldene Zeitalter ein, in eine todsichere, strahlende Zukunft, die sich die Spezies Mensch so lange herbeigesehnt hat und nun endlich in Erfüllung geht?

Anke Kern, Kempten



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