Medienmacht des Ippen-Imperiums

Kreisbote Streik Titel

Die totgeschwiegenen Streiks beim Kreisboten (Foto vom 2. Streik im Dezember) (Foto: Sabine Pustet)

Keine Zeile über die Anliegen der streikenden Beschäftigten

Zunächst aufmerksam gemacht durch einen »offenen Brief« an Dr. Dirk Ippen, den Haupteigentümer u. a. des Kreisboten, hat der OHA Mitte Dezember erstmals von den Kündigungen beim Kreisboten-Verlag in Weilheim und dem neuen Druckzentrum in Penzberg erfahren. Unterschrieben ist der Brief von vier Betriebsratsvorsitzenden aus den Orten Weilheim, Wolfratshausen, München, Rosenheim, die sich mit den Beschäftigten in Weilheim solidarisch erklären. In ihrem Schreiben bemängeln sie, dass es im Penzberger Druckzentrum „keine Tarifbindung mehr geben soll“. Dr. Ippen wird aufgefordert, darauf hinzuwirken:

  • dass alle betroffenen Kolleginnen und Kollegen des Kreisboten-Verlags Weilheim, die dies wünschen, zu den bestehenden Bedingungen in das Druckzentrum Penzberg übernommen werden;
  • dass für das Druckzentrum Penzberg wie in den Häusern in München, Rosenheim, Wolf­ratshausen und Weilheim zum Schutz der Entlohnungs- und Arbeitsbedingungen die Tarifbindung der Druckindustrie hergestellt wird;
  • dass er eine Erklärung darüber abgeben soll, dass die Inbetriebnahme des Druckhauses in Penzberg nicht zu Arbeitsplatzabbau oder Schließungen oder Teilschließungen in den bayerischen Schwesterbetrieben führen wird.

Karl-Heinz Kaschel-Arnold von der Gewerkschaft ver.di schildert die Situation im Dezember wie folgt:

„Die Auseinandersetzung beim »Kreisboten« spitzt sich zu. Zur Erinnerung: bis März 2013 sollen die Druckerei und der Versand des Kreisboten in Weilheim geschlossen werden, die Druckmaschine sei zu alt. Der Inhaber, Ippen, hat eine neue gekauft – aber für eine andere, neugegründete Firma: Das Druckhaus Penzberg. Dort können sich die Beschäftigten bewerben – aber dort gilt nicht mehr der Tarifvertrag der Druckindustrie: 5 Stunden wöchentlich mehr arbeiten fürs gleiche Geld, weniger Urlaub, Zuschläge etc.

Streik Kreisbote Foto2

Der erste Streik der Kreisbote-Mitarbeiter am 27./28. November 2012 (Foto: Jürgen Emmenegger)

Die Belegschaft wehrt sich und hat erstmals seit Bestehen der Firma gestreikt. Zunächst am 27./28. November, dann nochmal am 5./6. Dezember 2012. Das Problem: Wer soll darüber berichten? Dem Haupteigentümer des Kreisboten (Ippen) gehören auch der Münchner Merkur/ Schwangauer Nachrichten, die tz, das Lokalradio, er ist beteiligt am Oberbayerischen Volksblatt, am Gelben Blatt. Die Folge: anders als bei anderen betrieblichen Auseinandersetzungen wird in den Medien der Region darüber nicht berichtet.“

 

 

Die Betroffenen selbst haben ein Flugblatt verteilt, das wir hier im OHA komplett dokumentieren.

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Wohin geht der Kreisbote?

Im Jahr 2014 wird der in Weilheim gegründete Kreisboten-Verlag sein 50-jähriges Jubiläum feiern! Eigentlich ein Grund stolz darauf zu sein, was hier in vielen Jahrzehnten aufgebaut wurde! Für mehrere Mitarbeiter der Druckerei, die diesen Weg über viele Jahre bzw. sogar Jahrzehnte mitgehen konnten und auch mitgeprägt haben, wird dieses Jubiläum allerdings eher ein trauriger Anlass sein, wurde ihnen doch im August diesen Jahres die Kündigung ausgesprochen! Begründung hierfür ist die nicht mehr marktgerechte und auch langsam in die Jahre gekommene Druckmaschine. Die Druckaufträge sollen dann von dem neuen im Bau befindlichen Druckhaus in Penzberg übernommen werden. Hierfür könnten sich die gekündigten Mitarbeiter ja bewerben – was auch die meisten machten, wobei allerdings nur 6 Mitarbeiter von 15! neue Verträge zu allerdings schlechteren Bedingungen erhielten!

Was auch vorauszusehen war, da das neue Druckhaus in Penzberg als eigenständige Firma gilt, auch wenn sie wieder zum Ippen-Konzern gehört wie auch der Kreisbote.

Den gekündigten Mitarbeitern wurden im Vorfeld auch sozialverträgliche Regelungen zugesagt, die sich im Nachhinein allerdings nur als Brotkrümel erwiesen!

Übrigens wurden auch rund 70 Abrufkräfte auf 400-€-Basis in der Druckerei und der Verpackung gekündigt!

Wegen dieser ganzen Umstände haben wir nun reagiert und sind zusammen mit der für uns zuständigen Gewerkschaft ver.di das erste Mal in der langen Geschichte des Kreisboten in den Arbeitskampf getreten! Nachdem dies allerdings sozusagen alles unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschieht, da unsere Mittel hierzu begrenzt sind – befinden wir uns in Weilheim und Umgebung doch im sogenannten Merkurland, wie es immer in der Kinowerbung heißt –, bleibt uns nur die Möglichkeit, dies über diesen Flyer mitzuteilen und damit auch die Weilheimer Bevölkerung auf die Vorgänge beim Kreisboten aufmerksam zu machen. Für die Leser, die die Zusammenhänge zwischen Merkurland und Kreisbote nicht kennen: Merkur und Kreisbote gehören zum Ippen-Konzern, und noch mehrere andere Presseorgane im Oberland! Wie gesagt Merkurland halt!!!

Wir, die gekündigten Mitarbeiter beim Kreisboten hoffen, dass Sie als mündige Kunden und Leser Ihr Missfallen gegen die Vorgänge beim Kreisboten vorbringen und uns damit helfen, dass wir alle die Möglichkeit bekommen, in Penzberg zu unseren bisherigen Arbeitsbedingungen weiterzuarbeiten!

Ob der Kreisbote sein Jubiläum in zwei Jahren bei den ganzen Veränderungen noch in Weilheim feiert, bleibt abzuwarten. Auf alle Fälle geht eine Weilheimer Erfolgsgeschichte den Bach hinunter! Der Kreisbote hat seine Wurzeln in Weilheim, aber so wie es aussieht, werden diese ihm gerade genommen!

Mit großem Dank für Ihre Aufmerksamkeit

Die Mitarbeiter der Druck-und Versandabteilung des Kreisboten im Dezember 2012

Verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes und Kontaktadresse: Sabine Pustet, Gewerkschaftssekretärin, Schwanthalerstr. 64, 80336 München, Tel. 089 59977-7082, Mobil 0171 4833765, Fax 089 59977-7089, E-Mail sabine.pustet@verdi.de

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Zusatz: »Streiks beim Kreisboten«

Möglicherweise aufgrund der Bemühungen von ver.di und den Betriebsräten, die Anliegen der Beschäftigten mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu publizieren, hat die regionale Ippen-Presse doch noch reagiert. In den beiden uns vorliegenden Artikeln aus Kreisboten (19.12.) und Merkur (21.12.) wird über die Schließung der Abteilungen Druck, Versand und Verpackung in Weilheim berichtet. Über die damit verbundenen Kündigungen wird mit Hinweis auf den inzwischen unterzeichneten „Sozialplan“ zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung festgestellt, dass alles „so sozialverträglich wie möglich“ geregelt sei. Der genannte Geschäftsführer Daniel Schöningh soll übrigens laut Wikipedia ein Neffe von Dr. Ippen sein.

Was in den Artikeln nicht gesagt wird:

  • dass die Beschäftigten zweimal ihre Anliegen durch Streiks vorgetragen haben;
  • dass nur ein geringer Teil der von der Kündigung Betroffenen wieder im neuen Druckzentrum Penzberg eingestellt wird;
  • dass sich die Bedingungen in Penzberg deutlich verschlechtern und der Tarifvertrag der Druckindustrie nicht mehr gilt;
  • dass die Beschäftigten länger fürs gleiche Geld arbeiten müssen, weniger Urlaub und Zuschläge erhalten usw.
smü

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