Bürokratieabbau?

Ordnung ist das halbe Leben, die andere Hälfte wird als Freiheit gesehen. Ordnung sollten schon die 10 Gebote bei Moses schaffen, wo das Volk das »goldene Kalb« anbetete. Die göttlichen Gebote wirken von innen heraus. Wer stiehlt, hat unbewusst Angst vor Dieben, zieht sie durch seine Ausstrahlung an. Wer lügt, vermutet hinter Allem Lüge. Besser ist dran, wer selbstlos verschenkt.

Schon bei Moses mussten für den Alltag Verhaltensregeln formuliert werden. Jüdische Gläubige haben, auch heute, 624 davon zu beachten. (siehe OHA: jüdischer Leidensweg)
Vereinbarungen gab es schon immer. Im Mittelalter wurde für das »Leihen« von Höfen das »Lehen« festgesetzt. Das war in Getreide, Heu, Honig u.a. sowie in Scharwerk, Holzfuhren oder Fronarbeit zu leisten.

Für die Stiftung des Heiligen-Geist-Spitals von Ludwig Püttrich in Weilheim wurden die Vertragsverhältnisse für »Stifter«, »Pfründner« und »Arme und Sieche« auf 500 Seiten im Buch der Doktorarbeit von Joachim Heberlein genaustens von 1328 bis 1943 aufgezeigt.
Nach dem Salbuch von 1632 konnte das Spital aus 17 Ganzen- 24 Halben-, 30 Viertelhöfen als Stiftgeld 514 Gulden einnehmen. Als Warenleistung, die »Gilt«, ist von dutzenden Scheffeln verschiedenem Korn bis hin zu 2053 Eiern zu lesen.
Zu leisten hatte die Spitalstiftung in Brot- und Mehlgaben, in Mahlzeiten, Unterkunft, Brennholz, Bekleidung, Erziehungshilfe und Gesundheitsfürsorge. Unterschiede wurden, wie heute auch, zwischen begüterten »Pfründnern«, die sich eingekauft hatten, und den »Armen und Siechen« gemacht.
Bis zum 19. Jahrhundert hatten sich die Wareneinnahmen »Gilt« nach und nach auf Gulden verlagert. Das machte dann durch neuere Steuergesetze und die Inflation Probleme. 1943 wurde die Stiftung satzungsgemäß auf die Stadt Weilheim übertragen.

Für unzählige Einzelverträge wurde für Deutschland 1896 das Bürgerliche Gesetz-Buch BGB in Kraft gesetzt. Es betrifft in fünf Büchern: Allgemeines, Schuldverhältnisse, Sachenrecht, Familienrecht und Erbrecht. Zutreffend also, wenn wir etwas kaufen, mieten, Eigentum haben, eine Ehe führen, Kinder haben oder erben. Weitere Werke wie das Handelsgesetzbuch, 13 Sozialgesetzbücher oder das Strafgesetzbuch zeigen die Regeln. Die Bürokratie überwacht deren Einhaltung. (siehe OHA: Grundsteuer – im Grunde richtig benannt?)

Regeln gab es auch für die begünstigten Hoflieferanten der Königshäuser, wie heute für Fördermittel der Landesregierung oder der EU. Weil da nichts aus Liebe verschenkt wird, müssen die Empfänger Leistungsnachweise erbringen. Bis zu 30% ihrer Arbeitszeit müssen manche dafür am PC sitzen. (siehe OHA: Europäische Union – Wohl und Wehe)

Selbst für den Erhalt der Lebensgrundlagen nach Grundgesetz sind unzählige Bedingungen zu erfüllen und nachzuweisen. Arbeitsleistungen zur Lebenssicherung werden gefordert, obwohl der Staat das »Arbeit geben« an das Kapital abgetreten hat. Beim gemeinschaftlich verbürgten Recht auf Wohnung ist der Einfluss für günstige Mieten durch den Verkauf der kostendeckenden Bundeswohnungen an den »Markt« aufgegeben worden.

Weil die Belastungen von Mensch, Natur und Ressourcen in unserem 200% Leistung bringenden Exportland immer öfter die natürlichen Grenzen überschreiten, sind immer mehr Nachweise der Einhaltung staatlich/EU festgesetzter Grenzen erforderlich. (siehe OHA: Wirtschaftswachstum und seine Grenzen)

Bürokratieabbau wird oft als Erleichterung dafür verstanden, leichter Fördermittel zu bekommen oder selbst mehr Rechte und die Freiheitsbeschränkung anderer zu erreichen. Die daraus entstehende Bedrängnis fällt immer auf den Auslöser zurück.

Wenn wir uns der Begrenztheit unseres Planeten bewusst werden und danach pflegend handeln, ist viel Bürokratie unnötig. (siehe OHA: Landwirtschaft – biologisch, dynamisch, nachhaltig)

Die Verteilung der NOT-wendigen Lebensgrundlagen an jeden einzelnen Mitmenschen kann vereinfacht werden. Wenn jeder aus dem gemeinsam erwirtschafteten Bruttosozialprodukt von Anfang an ein »Grundgehalt« z.B. 1500 Euro bekommt, dann entfallen alle weiteren Prüfungen der Verhältnisse ob Kind, Schüler, einkommenslos, krank oder Rentner. Jeder Mensch kann sich dann ohne Existenznöte in der Gemeinschaft mit seinen Fähigkeiten einbringen, ohne die Lasten des dauernden Formularkrams. Jeder fühlt sich dann von der Gemeinschaft angenommen, selbst wenn das zu Hause nicht so war. Die Seele und die Psyche wird gesund. Nur die Neider und Faulen sehen da ihre Probleme. Die Bürodiener haben Angst, ohne Arbeit zu sein. Vielleicht schaffen wir ja dann die »Digitalisierung« (für wen?)

Wir müssen lernen, dass keiner von sich selbst leben kann – wir brauchen die anderen, weltweit, wie man sieht. Je mehr alle einbringen, desto mehr fällt auf alle zurück, ohne Bürokratie. (siehe OHA: Soziale Dreigliederung)

Roland Brendel, Weilheim

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