Lyrik

Der Geistesblitz

Der Geistesblitz – wer kennt ihn nicht?
DEM widme ich jetzt ein Gedicht!
So wie bei einem Puzzlespiel –
kein Teil zu wenig, keins zu viel –
setzt sich Erkenntnis nach und nach
zusammen und ich werde wach
und immer wacher, je mehr ich weiß
was fiese Macher
im Hintergrund so alles treiben,
auf Erden sich einzuverleiben
was ihr Begehr – vor allem Sklaven;
nicht nur die »Doofen« und die »Braven«.
Nein! Möglichst alle will MAN haben
drum nutzen sie die vielen Gaben,
die die Moderne ihnen schenkt,
mit denen MAN die Menschen lenkt!

Irmgard Deml, Weilheim – April 2022

Walzerflecken

Einer dieser Walzerflecken
Auf dem alten Vatermörder

Eines dieser Missverständnisse
Auf dem grauen Trottoir

Eines dieser Mottenlöcher
Auf dem kalten Muttermal

Eines dieser unverständlichen Gedichte

Thomas Glatz, Buchloe – April 2022

"Ich setze meinen Hut …"

ich setze meinen hut versehentlich
zweimal auf
als ich aus dem haus gehe
bin mit dem linken fuß zuerst
auf den rechten gestiegen
an der bushaltestelle warte ich
auf den zug
der mich wieder nach hause bringt
nicht mein tag heute
nein, nicht mein tag

Thomas Glatz, Buchloe – März 2022

Sri Lanker Sprachverwirrung

In Sri Lanka
sieht ein Sanka
im Hafen jede Menge Tanka,
und wie ein alta Dampfa
geht vor Anka,
aba keinen Sauerampfa.
Arma Sanka!

Nach Sri Lanka
kommt ein dicka Kranka,
wird wie dort jeda
dank Ayurveda
deutlich schlanka.

Gewürze, Früchte
in Sri Lanka.
Aber leida gar kein Sauerampfa.
Arm’s Sri Lanka!

Hans Schütz, Peiting – März 2022 – aus dem Lyrikband »Scherzgedichte«

Der Teufel

Der Teufel tarnt sich gern
im Lichte des charmanten,
rethorisch gewandten,
mit List und Tücke,
sich gebenden Menschenversteher.
Bis das Licht auf ihn fällt,
er sich nicht mehr
zu helfen weiß –
wenn ein Stärkerer kommt,
der ihm zu mächtig erscheint –
erst dann verlässt er die Bühne.

Gudrun Kropp, Schongau – Februar 2022

Rott und Gott

Es sprach einmal ein Mann in Rott:
„Für mich, da ist die Frau ein Gott,
die mich als liebesgeilen Mann
göttlich zufriedenstellen kann.“

Darauf sprach eine Frau in Rott:
„Für mich, da ist nur der ein Gott,
der mich in dieser liebestollen Welt
mit neuen Liebesbeweisen täglich überfällt.“

Es sprach darauf im Himmel oben Gott:
„Mein Gott, da drunt im lechrainischen Rott
reden Verliebte auch nur Schrott.
Es ist nicht anders als grad sonstwo auf der Welt,
dass man sich falsche Götter hält.“

Hans Schütz, Peiting – Februar 2022 – aus dem Lyrikband »Scherzgedichte«

Alles Lebendige

Alles Lebendige lässt sich nicht
in eine Schublade pressen
oder in einen Rahmen spannen.

Alles Lebendige
ist Veränderungen unterworfen.
Leben ist wie ein Fluss oder
wie ein offenes Gewässer.

Manchmal ist es so kraftvoll,
dass es sich selbst
neue Wege schafft,
um weiter zu gelangen
als in den Bahnen
zu bleiben,
in denen es zuvor verlief.

Und werden Hindernisse
sich wie unbegehbare Wege
aufzeigen,
so muss Leben unaufhaltsam
nach neuen unausgetretenen
Pfaden suchen,
um seiner Bestimmung
zur Lebendigkeit,
treu sein zu können.

Gudrun Kropp, Schongau – Februar 2022 – aus „Alles Lebendige passt in keinen Rahmen“ Gedichte zur Selbstfindung

Gedanken an meine Tochter

Habe keine Angst
vor dem unvorstellbaren Wandel,
in dem wir uns gerade befinden.
Lass alles los, was dich in der alten Welt
der Illusion festhalten will.
Es war nie eine menschliche Welt
für alle.

Die Wahrheit, das Göttliche,
lässt sich nicht aufhalten.
Erweitere dein Bewusstsein, denn
alles ist möglich.
Beginne von deiner Welt,
in der DU leben willst,
zu träumen.

Deine Gedanken sind unfassbar stark,
sie können alles verändern,
wenn du nur glaubst.

Gudrun Kropp, Schongau – Februar 2022

Riechen Sie es auch?

Jedes Gedicht
Verströmt einen
Ihm eigenen
Charakteristischen
Geruch
Dieses hier
Riecht nach
Lavendel
Seerosenblüten
und Essig.

Nein, ich rieche nichts.
Ich glaube da nicht so recht dran.
Das ist doch nur eine Lüge
Der gedichtproduzierenden Industrie!

Thomas Glatz, Buchloe – Januar 2022

Na warte!

Dir werde ich heimleuchten!
Dir werde ich Mores lehren!
Dir werde ich den Marsch blasen!
Dir werde ich den Garaus machen!
Dir werde ich den Schuh aufblasen!
Dir werde ich den Kopf waschen!
Dir werde ich helfen!
Dir werde ich den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen!
Dir werde ich die Finger dran verbrennen!
Dir werde ich den Mops in der Pfanne verrücken!
Dir werde ich den Nagel auf den Kopf treffen!
Dir werde ich das fünfte Rad am Wagen sein!
Dir werde ich den Lügen kurze Beine machen!
Dir werde ich die Liebe blind machen!
Dir werde ich vor deiner eigenen Tür kehren!
Dir werde ich die Katze im Sack kaufen!
Dir werde ich die eine Hand der anderen waschen!
Dir werde ich das Haar in der Suppe finden!
Dir werde ich a sagen und dann auch b sagen müssen!

Na warte!

Thomas Glatz, Buchloe – Januar 2022

Natur-Tempel

Ego-Kracher Beton-Schlonze
Jetzt ist Schluss mit dem Gebonze
Natur-Tempel für alle Gottes-Kinder
Quell-Wasser-Kristall-Finder
Eine Kindheit im Licht
das wird zur Pflicht
Hey Alter wach auf
steig in den Beautyfluss des Lebens
auf zum Systemwechsel
des Gebens und des Nehmens

Sebastian Langrock, Oberhausen – Dezember 2021

Unterscheidungen

Es ist ein Unterschied
zwischen Sex haben wollen
und erotisch sein
und es ist ein Unterschied zwischen
die Freiheit per Spritze wieder zu erlangen
oder die Freiheit zu fühlen
lebendig im Leben zu sein
es ist ein Unterschied
bin ich ein funktionierender globaler Spieler
oder ein menschliches Wesen mit einem Bauchgefühl
es ist ein Unterschied
ob ich ertüchtige
oder besiege
es ist ein Unterschied
ob ich von Kolonien auf dem Mars träume
oder, ob ich die Vielfalt auf der Erde erhalte
es ist ein Unterschied
ob ich den Pinsel, mit dem ich das Land tünche
in den Eimer der Angst tauche
oder ob der Redestab im Kreis herumgeht
und ein Miteinander an der Lösung webt

Naren Illmann, Peiting – November 2021

Herbstdepression

Wenn die Nebel über Flüssen liegen
der erste Rauhreif Wiesen weißt
wenn die Vögel Sehnsucht kriegen
der Rotmilan nicht mehr am Himmel kreist

Wenn die Blätter abwärts schweben
kalte Winde durch die Gassen wehn
Blumen keinen Duft mehr geben
Kinder bibbernd um Laternen stehn

Wenn die Felder abgeerntet liegen
früh am Abend herrscht schon Dunkelheit
Pfützen schon die erste Eishaut kriegen
beginnt für mich die schwere Zeit

Hans Schütz, Peiting – Oktober 2021

Wurzeldank

Ihr gebt auch noch den mächtigsten Baumriesen Stand
haltet Felsen und Steine am steilen Schluchtenrand
gebt sicheren Halt des Wanderers Schritt
und kriegt dafür oft noch Stockschläge mit
wenn es steil wird man sich gerne helfen lässt
und hält sich dankend an euch fest
ich weiß es zu schätzen was ihr gewährt
drum werdet ihr mit diesem Vers hier geehrt

Hans Schütz, Peiting – September 2021

Pieks to go

Ich glaube gerne an das Gute
Und wer glaubt das heute nicht?
Wenn ich nicht dabei verblute
und auch wahre mein Gesicht!
Megatolle Regeln gibt’s zuhauf
mit Zwängen ungeniert garniert
als Untertan muck ich nicht auf
wo statt dem Volk das Geld regiert.
Ein Pieks – und schon bin ich bei denen,
die sich nach Reisefreiheit sehnen:-)

Sigi Müller, Schongau – August 2021

Schluchtwaldmesse

Wie schlanke Pagoden
erheben sich die neuen Triebe
des Schachtelhalms
daneben stehen die Bischofsstäbe
des Farnkrauts Spalier
umgeben vom Weihrauchduft
des grünen Bärlauchteppichs
über allem schwebt
wie ein Zeremonienmeister
im samtschwarzen weißbekragten Talar
ein würdevoller Trauermantel
ein Sonnenstrahl findet durchs Gebüsch
zahlreich die Mücken
die ihn nutzen
zum rituellen Tanz
die Erkenntnis bricht sich Bahn:
Gott ist Natur

Hans Schütz, Peiting – Juli 2021

stifterlied

Komm wir gehen stiften
woll‘n unsern reichtum liften
denn für den staat
ist uns unser geld zu schad

komm wir wollen stiften gehen
niemand soll den reichtum sehen
so können wir uns’re millionen
vor steuerzugriffen verschonen

komm wir gehen stiften
und wenn die andern noch so giften
so viele steueroasen dieser welt
die warten nur auf unser geld

und wenn wir dann noch eine stiftung gründen
dann werden wirklich alle finden
wie arm wir ohne edle stifter wären
und werden uns mit orden ehren

Hans Schütz, Peiting – Juli 2021

Ein Wunder

Ein Wunder
brauche ich
Gibt es Wunder eigentlich?
Es ist unfassbar
Diese Frage
stellt sich mir
seit Langem schon
Doch gibt es Wunder
Jeden Tag
stell ich mich in den Spiegel
und sehe mich
kann es nicht fassen:
Denn dieses Wunder
das bin ICH

Gudrun Kropp, Schongau – Juni 2021

Als Löwenzahn geh ich voran

Jetzt wird es warm und ich muss raus
ganz in die frische Luft hinaus!
Wo Stummel wachsen aus dem Gras?
Sie riechen stark nach Menschen-Gas!

Da verzieh ich meine Miene
und vergnüg mich mit der Biene
sie setzt sich gerne auf mich drauf
und alles nimmt so seinen Lauf

Doch eines will ich jetzt noch sehn,
wie diese Stummel von mir gehn.
Du Sonne, zeig mir deine Kraft!
Erlös mich von dem Stummel-Saft!

Sigi Müller, Schongau – Mai 2021

Wohin gehen wir?

Wohin gehen wir?
Coffee to go
pommes to go
schnitzel to go
salad to go
ja was denn noch?
bald ein
dreigängemenü to go
für beschleunigte mittagspausengourmets?
und selbstverständlich alles in plastik verpackt
als hätten wir keine zeit
und mehr als diese eine welt
als wär’s ein planet to go
also: geht’s noch?

Hans Schütz, Peiting – April 2021

Neubeginn

Ein Frühlingshauch weht über zartem Grün,
es leuchten erste Blütenblätter kühn.
Sie dringen freudig hervor aus Mutter Erde,
der Hoffnung voll, dass es bald wärmer werde.

Die Schmetterlinge laden ein zum Sonnentanz,
wir binden schon den ersten Blumenkranz.
Feldhasen hüpfen leicht über die Wiesen,
Veilchenblau wird bald am Waldrand sprießen.

Die Vögel zwitschern uns ein Märzenlied
zu Himmelblau und Neubeginn und Erdenfried’.
Des Kuckucks Ruf und erster Bienen Summen
lassen den Wandrer lauschend bald verstummen.

Hellgrün winkt’s aus den Knospen Astspitzen,
der Lenz erschafft sich Raum in allen Ritzen,
bringt Umwandlung entzückend an ihr Ziel
in diesem frühlingshaften Wonnespiel.

Heidenore Glatz, Kaufering – März 2021

Lockdown im Gemeinwohlland

In dieser so tief in Willkür versunkenen Zeit,
weiß niemand so recht über Rechte Bescheid.
Im Lockdown des Winters sollte alles mal ruhn,
und Polizisten hatten mit vielerlei Regeln zu tun,
mussten Kinder auf Schlitten von Pisten vertreiben,
die sollten doch lieber zuhause mal bleiben.

Wo maßlose Zwänge das Gemeinwohl zerstören
und die Anstifter hemmungslos Menschen betören,
da such ich nach Mut und Menschenverstand,
wo Unwohl prägt das Gemeinwohlland.

Und plötzlich kommt mir wieder in den Sinn,
das einst so schöne Grün welkt mutlos vor sich hin.

Das Frühjahr scheint nochmal ein Winter zu werden,
der Abschied fällt schwer – tschüss Blütezeit!

Gibt es einmal ein Wiedersehn?
Sie wäre einfach wieder schön,
die unbeschwerte Heiterkeit.

Sigi Müller, Schongau – Februar 2021

Atem der Natur

Erst wenn der letzte Landschaftsstrich
verbaut,
der letzte Sandboden für immer versiegelt
und unsere Erde nur noch
eine Betonwüste ist – zur Unkenntlichkeit
verkommen,
erst dann werden wir
begreifen, dass das Streben
nach Profit, dem wahnhaften Menschen
das Wichtigste und Wertvollste
genommen hat –
das Atmen der Natur und
die Schönheit unseres Planeten.

Gudrun Kropp, Schongau – Januar 2021

generalsanierung

zu viel hat sich angesammelt
ein langes leben lang
nichts mehr unter den teppich kehren
fenster auf und durchlüften
ab in die tonne
mit dem psychomüll
und den spinnweben der angst
durchs klo spülen den gedankenschutt
und jetzt
das hirn neu weißeln
unbelastet sauber und rein
kein schandmal mehr
keine albträume
die aus dunklen ecken kriechen
keine drohschrift mehr
an der wand
gewissensrein
auf neustart

Hans Schütz, Peiting – Dezember 2021

Die Welt braucht ein anderes Gesicht

Ich bin sicher
Du bist dazu berufen –
dazu, Eingefahrenes zu durchbrechen,

von Frieden und Gerechtigkeit
nicht nur zu reden,
sondern es zu leben.
Selbstverständnis im Rollendenken
von Mann und Frau
durch Dein Verhalten zu verändern.

Hast Du Mut?
Dann lass Dich bewegen –
als Einzelner
Aus Einzelnen werden viele werden,
überlass es nicht denen,
die das große Sagen in unserer Welt haben.

Wenn andere
dich zu ihrer Meinung überreden wollen,
dann stelle Dich erst recht
mit Deiner Meinung ihnen gegenüber
und bleibe fest dabei.

Auch – und gerade die Schwächsten
unserer Gesellschaft, die Kinder
brauchen Deine Ehrfurcht –
springe ein
wenn Du sie ungerecht und lieblos
behandelt siehst.
Bleibe nicht in der Verborgenheit
Deines Denkens:
Was werden denn die anderen sagen?

Die Welt braucht ein anderes Gesicht
durch Dich!

Gudrun Kropp, Schongau – Dezember 2021