Klimaanpassung

Personen: die Studentinnen Michaela Sassmann (22) und Lara Hofer (23) und der Winzer Andreas Klingner (31) während der Kaffeepause in der evangelischen Akademie in Tutzing

M: Mich überrascht es sehr, dass man auch noch am zweiten Veranstaltungstag in der Klimaanpassung die wichtigste Aufgabe für die nächsten Jahrzehnte sieht.

L: Mir geht’s genauso, Micha. Denn ich kam ja mit dem Gedanken hierher, dass die Akademie Alternativen zu den inzwischen gängigen Wegen der Zukunftsbewältigung aufzeigt.

A: Immerhin haben während der Diskussionsrunden etwa ein Dutzend Teilnehmer recht energisch erklärt, dass die Menschheit im Grunde zuallererst ihren Kurs ändern muss, dass sie sich auf einen erheblich weniger aufwändigen Weg begeben muss.

M: Gott sei Dank, Andreas. Besonders gefiel mir diesbezüglich die alte Dame mit dem leuchtend weißen Haar, die da meinte, dass der Mensch auf jeden Fall in der Lage ist, seinen Kurs zu ändern, weil er mit allen Voraussetzungen dafür ausgestattet ist. Und so lautete ihr Credo, der Mensch muss nur umschalten von Weltraumeroberung auf Bewahrung des Erdraums.

A: Eine Linie, meine Damen, die in meinem Metier schon seit langem ganz vorne angesiedelt ist. Allerdings steht dem Wandel in Richtung umweltschonende Lebensweise, der Kapitalismus als übermächtiger Widersacher entgegen, der inzwischen fast den ganzen Erdball fest im Griff hat und somit auch der größte Treiber des Klimawandels ist.

L: Wobei den Kapitalismus nicht die kleinen Leute zu verantworten haben, sondern eine Minderheit, die ihn seit seinen Anfängen auf Gedeih und Verderb verteidigt.

M: Ja, Lara, deren Haltung liegt dicht beim Fanatismus, weil sie auch davon überzeugt sind, das die Welt nur vom Kapitalismus sicher zusammengehalten werden kann.

A: Und diese Leute sind auch die stärksten Verfechter der Klimaanpassung, die darüber hinaus auch noch kühl und gelassen in Kauf nehmen, dass sich ganze Erdregionen nicht anpassen können, und deshalb untergehen werden.

L: Ja, ihr zwei, was ist zu tun, angesichts unserer Sichtweise auf die Gegenwart und deren Hauptdarsteller? (schaut ein wenig hilflos vom Andreas zu Michaela)

A: Wir vom Weinbau sind der Ansicht, dass unser Wirken seit eh und je ein Beispiel für das Leben und Wirtschaften der Zukunft ist, und dass diesem Beispiel die gesamte Wirtschaftswelt ohne Ausnahme folgen kann.

M: Dem kann eine wie ich nur zustimmen, Andreas. Aber weite Bereiche unserer Wirtschaft haben sich seit Jahrzehnten doch ganz anders entwickelt; sie sind getrieben von der unhaltbaren Idee des Wachstums, von der Kapitalrendite und vom Größenwahn ihrer führenden Köpfe.

L: Vom Kapitalismus eben! (stellt ihre Kaffeetasse heftig auf den Tisch zurück)

A: Wir meinen, dass der überzogene Wirtschaftsbetrieb der letzten Jahrzehnte sich selbst bis in seine Grundfesten erschüttert hat, und dass man dort erkennt, dass ein Wandel in Richtung Nachhaltigkeit grundsätzlich notwendig ist, dass der Fortbestand des Homo sapiens nur so zu gewährleisten ist.

M: Ich fürchte halt, Andreas, dass diese eure Sicht auf die Wirtschaftswelt mehr von Hoffnung eurerseits getragen wird, als von belastbaren Indizien, denn ich kann bisher so einen Schwenk nicht erkennen.

L: Du, Andreas, euer kritisches Bild von der modernen Wirtschaftswelt solltest du in der nächsten Diskussionsrunde unbedingt vortragen, um zu erfahren, wie die Tagungsteilnehmer dazu stehen, ob sie vielleicht, im Gegensatz zu Micha, einen Schwenk in der Wirtschaftswelt erkennen können.

Guggera

Schreibe einen Kommentar

Bitte bleiben Sie sachlich. Beiträge mit beleidigenden oder herabwürdigenden Inhalten oder Aufrufen zu Straftaten werden ebenso gelöscht wie solche, die keinen Bezug zum Thema haben. Ein Anspruch auf Veröffentlichung besteht nicht!

Es wird Ihr Vorname, Nachname und Wohnort veröffentlicht. Straße, E-Mail-Adresse und Website bleiben unveröffentlicht.