G wie … Gründe

Irmgard Deml, Weilheim

Das Jahr schreitet seinem Ende zu und gefühlt geht das mit der Zeit bis Weihnachten und Heilig-Drei-König arg rasant. Irgendwie ist ausgerechnet jetzt noch alles Mögliche zu erledigen. Und dabei geht es nicht nur ums Plätzchen backen oder um steuerliche Dinge.

Ebenso wird uns in dieser Zeit stets etwas angekündigt, das ab 01. Januar anders ist. Diesmal gibt es zum Beispiel ab 2026 in Österreich die Plakette für die Autobahnen nur noch digital. Grund: Fälschungen vorbeugen. Aha! Das heißt, dass all jene, die die Zwangsdigitalisierung aus welchen Gründen auch immer nicht mitmachen können oder wollen, die österreichischen Autobahnen nicht mehr nutzen können! Ja, geht’s noch?

Mir graut nur noch vor solchen Vorgängen, denn für mich beinhaltet eine Demokratie immer mindestens zwei Wahlmöglichkeiten. Ansonsten herrscht Diktatur, die leider in immer mehr Bereichen um sich greift, was jedoch anscheinend viele Menschen entweder gar nicht mitbekommen oder nicht wahrhaben wollen. Denn das Digitale ist ja sooo bequem. In meiner Kindheit gab es den markigen Spruch: »Der Mensch an sich ist dumm, faul und gefräßig.« Hierzu kann sich jeder selbst Gedanken machen.

Gründe gibt es für Diverses, das ich nicht nachvollziehen kann. Und soweit es mir möglich ist, versuche ich das »Warum« zu erfahren wie bei meiner neuen Autoversicherung. Die Continentale fragt im Antragsformular ab, ob Wohneigentum vorhanden ist. Diese Frage empfinde ich als sittenwidrig und mit Verbraucherrecht nicht vereinbar, da sie als Pflichtangabe aufgeführt ist, obwohl sie mit meinem Versicherungstarif und eventuellen Versicherungsleistungen in keinem Zusammenhang steht.

Auf meine schriftliche Anfrage bekam ich zur Antwort, dass es sich hierbei um ein „… durchaus am Markt verbreitetes, risikorelevantes Merkmal der Kfz-Versicherung handelt, für das wir in vielen Tarifen einen Rabatt einräumen. Aus statistischer Sicht verursachen Immobilienbesitzer weniger Unfälle.“ Soso. Und: Nein, ich habe kein Verständnis dafür, das hier von mir etwas ausgefüllt werden muss, was mich nicht betrifft.

Ein weiteres Beispiel für eine Nachfrage meinerseits ist die Aktion »Wer rettet den goldenen Kelch?« der Stadt Weilheim. Ein Faltblatt dazu nahm ich im Tourismusbüro mit, denn ich bin wie alle sogenannten Erwachsenen ein großes Kind, das auch mal gerne richtig kindlich unterwegs ist. Mir bleibt die Teilnahme an diesem Spiel verwehrt, da diese nur über einen QR-Code möglich ist und ich aus gesundheitlichen Gründen kein Smartphone oder dergleichen besitze.

So bat ich beim »Amt für Standortförderung, Kultur und Tourismus« um eine analoge Teilnahmemöglichkeit. Dabei verwies ich auf die Verantwortung, die mit der gesundheitsschädigenden Strahlung verbunden ist, der wir ausnahmslos alle immer mehr ausgesetzt sind. Siehe auch www.buergerwelle.de und die DVD »Die gesundheitliche Wirkung der Mobilfunkstrahlung« für jene, die realistisch sind und sich der Thematik stellen. Denn dies ist vor allem im Hinblick auf Kinder eminent wichtig. 

Frau Jutta Liebmann teilte mir mit: „…das Angebot wurde bewusst digital gestaltet, um Kinder und Jugendliche anzusprechen, die im digitalen Zeitalter aufwachsen und moderne Formate wie selbstverständlich nutzen. (…)  Für diese Schnitzeljagd haben wir einen externen Anbieter, eine analoge Variante ist daher nicht vorgesehen. … »Na, wunderbar«, wenn die Gesundheit hier keinerlei Rolle spielt und der Nachwuchs selbst das gar nicht begreifen kann, weil ihm schlicht Lebenserfahrung fehlt. Frau Liebmanns Hinweis auf das Stadtmagazin und die schöne Broschüre zur Geschichte der Stadt Weilheim steckt mich gefühlt dazu in eine Dinosaurier-Schublade.

Sehr wohltuend im Vergleich dazu die Reaktion des Kindermissionswerk Die Sternsinger e. V., das in seiner Ausgabe des Sternsinger-Magazins 3/2025 ebenfalls nur einen QR-Code angab. Ich regte an, zumindest eine Internetadresse zur weiteren Information aufzuführen. Frau Anna Preisner schrieb mir dazu: „… Dass Sie und andere Leserinnen und Leser sich dadurch ausgeschlossen fühlen, kann ich gut nachvollziehen und bedaure ich sehr. Der Verzicht auf die Nennung der Internetadressen war keine bewusste Entscheidung, sondern ist leider in der Schlusskorrektur übersehen worden.

In der Regel achten wir sehr darauf, sowohl den QR-Code als auch die zugehörige Internetadresse abzudrucken – gerade weil sich unser Magazin auch an Kinder richtet, die kein Smartphone besitzen oder keinen Zugang zu einem solchen haben. Ich danke Ihnen daher sehr für Ihren Hinweis. Wir werden künftig noch sorgfältiger darauf achten, dass sowohl QR-Code als auch Internetadresse vollständig angegeben sind. …“

Hier denken Menschen mit, die darauf achten, möglichst alle Interessierten zu erreichen statt bestimmte Gruppen bewusst auszuschließen. Mir geht hier immer wieder die C-Zeit durch den Kopf, als impffreie Menschen massive Traumata, die vermutlich lebenslang nachwirken, durch verbale Angriffe Andersdenkender erlitten. Etwas Derartiges reicht einmalig und ich kann nur hoffen, dass es in Zukunft gesellschaftlich wieder menschlicher wird. Denn wir sind alle fühlende Wesen, die analog leben und keine Computer.

Irmgard Deml, Weilheim

1 Kommentar

    • Siegfried Klar, 82362 Weilheim auf 7. Dezember 2025 bei 17:51
    • Antworten

    Zitat1: „Ansonsten herrscht Diktatur, die leider in immer mehr Bereichen um sich greift, was jedoch anscheinend viele Menschen entweder gar nicht mitbekommen oder nicht wahrhaben wollen. “

    So ist’s, Frau Deml. Aber dem »Spannungsfall 2026« können auch die nicht entkommen. Die »Omas gegen Rechts« werden aus allen Wolken fallen, wenn sie erkennen, dass unsere Demokratie entgegen den Erwartungen nicht von der AfD ausgehebelt wurde.

    Zitat2: „… ich kann nur hoffen, dass es in Zukunft gesellschaftlich wieder menschlicher wird.“

    Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wunder sind nie ganz auszuschliessen. 🙂
    Nichts für ungut. Ich wünsche noch einen (letzten?) friedlichen Advent.
    S.K.

    ————–
    P.S.: Mit QR Codes kann man zumindest Betrügern das Handwerk erleichtern:
    https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/digitale-welt/phishingradar/quishing-falsche-qrcodes-in-mails-briefen-oepnv-und-strassenverkehr-98612

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