Ich würde so gerne einfach nur in Ruhe trauern …

… alles irgendwie verarbeiten, was da in den letzten Wochen viel zu schnell über uns hereingebrochen ist.

Aber jetzt muss ich immer noch funktionieren. Anträge über Anträge, damit meine finanzielle Zukunft gesichert ist. Können Verträge einfach auf mich umgeschrieben werden oder muss ich sie neu abschließen? Ärger mit der Krankenkasse, die die Kosten für die benötigten Hilfsmittel nicht so ohne weiteres übernehmen will.

Dann der Anruf: Ist das wirklich dein Mann, der da gestorben ist? Beim Spaziergang die Frage von denen die noch nichts wissen: Ganz ohne Mann heute? Von anderen die Feststellung: Ich hab euch doch erst vor kurzem noch Spazieren gehen sehen. Alles nicht bös gemeint, aber für mich gerade kaum auszuhalten.

Die Mitarbeiterin der Zeitung, die unbedingt einen Nachruf schreiben möchte, weil so viele Leute fragen und nicht verstehen will, dass der Tod für uns einfach etwas sehr Privates ist und wir auch kein Gespräch dazu mit ihr führen wollen. Vor langer Zeit haben wir uns deshalb schon für einen Baum im Friedwald entschieden und für eine Beerdigung dort nur im Kreis unserer Kinder und ihren Familien.

Immer öfter macht sich Ärger und Verzweiflung in mir breit.

Wer auch immer meint, öffentlich sichtbar irgendwie agieren zu müssen, tut das für sich selbst – nicht für Sigi, für mich oder für unsere Kinder, Enkel und Urenkel.

Ich würde so gerne einfach nur in Ruhe trauern.

Renate Müller, Schongau