
Personen: Hanna Riederer (17), Raimund Kohler (18) und Sebastian Manfeld (19) in der Mensa des Gymnasiums Weilheim
H: Euch zwei kann man wieder einmal nicht überhören. (setzt sich zu Raimund und Sebastian)
S: Nach der vierten Stunde muss man sich hier etwas lauter unterhalten, du Engel.
H: Okay. Um was geht’s denn diesmal?
R: Um unseren Weg in die Zukunft.
H: Oje, das ist ja schwieriger als der Blick in Einsteins Relativitätstheorie.
S: Das wird nur dann schwierig, wenn man in die entgegengesetzte Richtung marschieren will.
H: Na klar, und das hebt dann auch die Lautstärke.
R: Meine eigentlich nicht, Hanna. Aber der Sebastian verträgt es halt nicht, wenn man seinen blinden Fortschrittsglauben von Fall zu Fall für unangebracht hält. Du, heute kam er mir sogar mit einem Start-up namens Virtus Solis, das mittels Radiowellen Sonnenenergie bei Tag und Nacht aus dem Weltraum auf die Erde beamen und auf diese Weise unser Energieproblem für alle Zeiten umweltfreundlich lösen will.
H: Und dafür konntest du dich wohl nicht begeistern, oder?
S: Du, er kam mir sofort mit einem ganzen Paket von Einwänden. Er sagte z.B., dass er technischem Fortschritt nur dann zustimmen kann, wenn der dafür sorgt, dass wir in Zukunft weniger Energie verbrauchen, und er meinte schließlich auch noch recht überheblich, dass dieses Virtus Solis deshalb in die total verkehrte Richtung läuft.
H: Du, Sebastian, auf die Schnelle bin ich da eher bei Raimund.
S: Kein Wunder, du Engel, du findest ja sogar E-scooter blöd.
R: Du, Hanna, der Sebastian hat sogar gemeint, dass ich ein verdecktes Mitglied der Letzten Generation wäre, weil ich auch noch meinte, dass das Virtus Solis-Projekt nur gigantisch ausfallen kann und auch deshalb nicht in unsere Zukunft passt. Er ließ mich dann gerade noch sagen, dass es wie viele andere technische Errungenschaften zur Last für die Menschheit werden wird und …
S: (unterbricht Raimund) Hanna, jetzt hörst du ihn selbst, er wird zunehmend zu einem rückwärts gewandten Mitglied unserer Gesellschaft. Er bremst ja nicht nur, er will sogar den Rückwärtsgang einlegen!
H: (drückt instinktiv Sebastians rechten Arm) Du, wenn sich der Raimund nicht so grundsätzlich wie du für neue Techniken begeistern kann, ist das nicht verwunderlich, denn er bemüht sich ja eigentlich immer um eine Gesamtschau. Ich selbst befürchte jetzt erst einmal, dass uferlos zur Verfügung stehende Energie den Trubel auf unserer Erde noch weiter vergrößern und uns selbst und der Natur schließlich den Rest geben wird.
S: Hanna, das ist überkommenes grünes Denken und eine Sichtweise, der die wenigsten Erdbewohner folgen wollen.
H: Dein Vater spricht aus dir, Sebastian. Er wird stolz auf dich sein.
S: Lass meinen Vater gefälligst aus dem Spiel! Also, junge Frau, diverse Umweltprobleme können wir nur mit hochkarätigen technischen Innovationen abbauen; der Rückwärtsgang dagegen, würde uns auf jeden Fall in ein Desaster führen
R: Der moderne Mensch, Sebastian, sieht das schon seit langem so und hat deshalb seinen Problemberg nur allzu oft vergrößert.
H: (rückt mit ihrem Stuhl etwas vom Tisch ab) Ja, ihr zwei, eigentlich könnte man euch beiden folgen, und deshalb kann eine wie ich nur abwarten, welche Sichtweise sich in den nächsten Jahren in den Vordergrund schieben und schließlich durchsetzen wird.
(Raimund und Sebastian schauen sich überrascht an und denken beide, sie ist wirklich ein Engel)
Guggera



1 Kommentar
Das löst bei mir die Frage aus, ob „Brot und Spiele“ wie im alten Rom genügen oder ob der Mensch noch andere Ziele hat. Die Frage „Mensch ,woher-wohin“ beleuchtet mein gleichnamiger Artikel imOHA.