Preise, die es wert sind?

99 Cent für die Butter ist bei Hausfrauen ein Maß dafür, dass ein Laden insgesamt günstig ist. Die Verkäufer wissen das, und locken damit.

Die nötigen Einnahmen zum Betrieb des Ladens wie Miete, Personal, Energie oder Wareneinkauf erreichen sie trotzdem, weil massenhafte kleine Gewinnmargen auch den «Deckungsbeitrag» beisteuern. Ein «Tante Emma«-Laden muss mit kleinen Stückzahlen am einzelnen Stück mehr aufschlagen, um zu überleben. Die richtigen Kundenzahlen sind also die wirklichen Betreiber eines Geschäftes, auf jeden kommt es an.

Die großen Marktführer halten die eigenen Kosten auch niedrig. Beim Wareneinkauf verleiten sie die Produzenten zu großen Mengen. In Monokultur für einen Abnehmer zu liefern macht abhängig. Die Milchbauern haben, wegen der verlockenden Subventionen der EU, Milchüberschuss erzeugt. Die Händler zahlen weniger, weil die Bauern die täglich kommende Milch loswerden müssen. (siehe OHA: Europäische Union-Wohl und Wehe)

Die Personalkosten hält man niedrig, indem man unter Mindestlohn ohne Renteneinzahlungen bleibt oder wie in Italien oder Spanien Asylsuchende wie Sklaven hält.

Mit Fließbandfertigung, Maschinen oder Robotern verringert man Personalkosten und erhöht die umgesetzten Mengen. Die anfangs nötigen Investitionen werden im ersten Serienverkauf erwirtschaftet. Im weiteren Betrieb fallen nur noch Material- und Betriebskosten an. Unvorstellbare Gewinne für weltweite Geldgeber, Börsianer, Ölmultis und Diktatoren.

Fließbandfertigung aus Flüssigkeiten in Rohren erzeugt günstig große Mengen. Die chemische Industrie erzeugt Nahrungsergänzung, die konservierend in Essbarem aufkommende Keime tötet, was sie auch in unserem Darmleben macht. Durch die Massenproduktion auf allen Gebieten zeigen sich immer öfter Grenzen. (siehe OHA: Wirtschaftswachstum und seine Grenzen)

Industriezucker ist so ein chemisches Konservierungsmittel. Die ätzenden Kalklaugereste in ihm vom Bleichen des braunen, erdig schmeckenden Rübensirup reizen unsere Geschmacksnerven so, dass sie weiter nach mehr Reiz suchen, süchtig machen.

Ebenso chemisch tot ist homogenisierte und pasteurisierte Milch. Durch Mikrowellenhitze explodieren die Moleküle der wässrigen, elektrisch leitfähigen Laktosezucker. Diese atomaren Bruchstücke liefern keine Vorbildenergie für unsere Zellerhaltung. Dieser Energiemangel führt zu Durchfall. «Laktosefrei» ist mehr Mangel.

In der Schweiz haben kleine Dörfer wie Dozwil am Bodensee eine eigene Molkerei. Die liefert täglich frische, cremig gerührte Milchprodukte. Junger Tilsiter mit wenig pilztötendem Salzgehalt ist billig . Frischkäse wie Hirtenkäse oder Mozzarellastücke sind es auch. Wöchentliches Salzabreibungen machen haltbaren, teuren, schwer verdaulichen Hartkäse.

Der Energieaufwand bei Maschinenproduktion schlägt zu Buche. Großabnehmer zahlen aber, bei Fremderzeugungskosten von 5 ct/kWh nur 10 Cent und sind steuerbefreit. Normalabnehmer zahlen 20 Cent und 10 Cent Netztransportkosten. 100% Solarstrom von Green Planet kosten jetzt 31,5 Cent. Vom eigenen Dach nur 5 ct/kWh.

Energie aus Erdöl oder Erdgas müssen wir importieren und sind immer von den Spekulationspreisen des Weltmarktes abhängig. Straßentransport und Raumheizung damit werden immer teurer, Raummieten müssen den Aufwand für Gebäude decken. Was nötig ist, zeigt die II. Bayrische Berechnungsverordnung für Sozialwohnungen. Diese werden inflationsbereinigt gehalten :
Für Verwaltung einer Wohnung 343,69 €/Jahr. Instandhalten alter Bauten: 17,18 €/Qm/Jahr. Neuere 13,45€. Renovierung alter: 8,50 €/qm/a. Neue 00,00 €. Abschreibung für Wertverlust: 2% vom alten DM-Kauf/Baupreis. Für Reinvestition auch 2%. Für 70 qm entstehen so mit den Mieterbetriebskosten von 2640 € eine Miete von 9781 € jährlich.

Neubauten kommen so mit 300 000 € Baukosten und laufender Hypothek von 4% aus 100 000 € auf 13 285 € pro Jahr. Durch Verkauf der Bundessozialwohnungen hat der Bund das preisdämpfende, billigere Angebot im Markt verspielt. Selbst gegründete Genossenschaften müssten das übernehmen.

Mieten in Hallen auf der grünen Wiese sind günstiger als in Stadtzentren für Läden. Welche Lebensräume wollen wir?

Der Online-Verkauf am Computer nützt und erzeugt alle Bedingungen für Massenumsatz. Kaufbares, Lustvolles dauernd als «Normal» vor Augen, ohne körperlichen Einsatz als Bremse beim Zugriff und Bezahlen, wird es billig und schnell aus Hallen irgendwo von computergesteuerten, gnadenlos benützten Ausfahrern ohne Rechte geliefert.

Der Transportpreis aus der Welt für ein Stück Ware auf Containerschiffen mit 10 000 Containern und 40 Mann Besatzung ist unerheblich. So ist auch K&L Ruppert von der Landshuter Bekleidungsfabrik des Vaters auf China-Importe umgestiegen.

Textilien aus Erdölplastik wie Joghurtbecher sind keine wohltuende zweite Haut wie Schurwolle, Loden, Walk, kühlendes Leinen oder seidiger Hanf. Vom Schweiß feucht, stinken sie und dienen nur täglich der Waschmaschine und den Müllbergen.

Der Handel mit solchen Gewinnspannen dient nicht mehr den Menschen, nicht den produzierenden und nicht den brauchenden. Rudolf Steiner nannte das «passiv» sozial. Nicht,der es nötig hat, bekommt unsere Zuwendung, sondern nur der, der billiger ist. (siehe OHA: Soziale Dreigliederung)

Der Handel hat sich weltweit zu Handelskriegen um die Macht über Energie- und Wertstoffvorräte ausgeweitet. Aber! „Wer das Schwert zieht, geht durch das Schwert unter!“

Schaffen wir uns also Friedensinseln, wo wir in Genossenschaften Lebenswerte pflegen, nicht den Geldgewinn. Die Tafeln nähren Benachteiligte, der Eine Welt Laden auch, die Energiegenossenschaft Oberland (Peißenberg) sorgt für regionalen, krisenfesten Strom mit den Landwirten, die GLS-Bank bietet Leihgeld für soziale Projekte, Abnahme- und Erntegemeinschaften stützen Erzeuger und pflegen die «Mutter Erde». (siehe OHA: Landwirtschaft – biologisch-dynamisch)

Wenn unser Einkauf den Gedanken «verschenken» trägt, ohne das Berechnende des Händlers in uns, wirkt der Gedanke auch für uns, wir werden unerwartet auch beschenkt. Beim Butterkauf sollten wir den Kälbern, für die Überlassung größter Mengen Milch dafür, danken. Die Verwendung auch anderer Fette wie Margarine oder Rapsöl mit natürlichem Buttergeschmack lässt ihnen etwas mehr Milch, und kosten weniger!

Roland Brendel, Weilheim

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