
Personen: Lorenz Ginger (76) und Hans Weber (77) vormittags auf einer Bank an der Stadtmauer „Am Riß“ in Weilheim
H: Grüß dich, Lorenz. (setzt sich neben Lorenz auf die Bank)
L: (legt das Weilheimer Tagblatt zur Seite) Ja Servus, Hans. Dich hat wohl auch das schöne Wetter aus dem Haus getrieben, oder?
H: Ja, Lorenz. Ja, und seitdem die Hanni tot ist, halt ich es dort auch nicht lang aus.
L: Kenn ich, Hans. Du, und ich les g’rad in unserer Zeitung von eine Sach, die zu uns zwoa passt wie ein maßgeschneideter Anzug.
H: Ja sag.
L: Beim Dachs, Hans, gibt es nächste Woch’ eine Versammlung von Leuten, die ein altes Haus am Marienplatz in eine Seniorenherberge umgestalten wollen. Du, in eine Unterkunft für alte Menschen, die nicht mehr alleine leben wollen, sich aber auch gerne um andere alte Menschen kümmern.
H: Ja sag.
L: Du, ich geh auf jeden Fall hin.
H: Ich geh mit, Lorenz. Mit so einer Sach’ wären wir zwei ja wieder auf der Sonnenseite.
L: Eben.
H: (schiebt seinen Hut in den Nacken) Ansonsten, Lorenz, schaut die Welt aber immer finstrerer aus.
L: (mit Pumuckl-Miene) Die so genannte künstliche Intelligenz, Hans, ist auf dem besten Weg, sie wieder heller zu machen.
H: Sie wird die Lichter ganz ausgehen lassen, Lorenz, weil sie enorm viel Strom verbraucht.
L: Viel Energie verbrauchen, Hans, daran hat sich die Menschheit doch schon gewöhnt.
H: Aber nicht die Natur, Lorenz.
L: Hans, das interessiert doch vor allem die weltweiten Milliardäre nicht, die wollen ja sowieso zum Mond und zum Mars.
H: (schiebt den Hut wieder in die Stirn) Ja, so weit ist es gekommen, Lorenz, die Welt läuft fast nur mehr nach dem Kopf von einigen wenigen.
L: Als wir zwei jung waren, Hans, hätten wir ernsthafter gegen diese Entwicklung anrennen müssen. Damals konnte man die Marschrichtung der Erdbewohner noch beeinflussen. Ja, Hans, und der Club of Rome wäre dabei eine große Hilfe gewesen.
H: Du, hör mir mit dem auf. Seine hochkarätigen Mitglieder haben sich doch auch nicht ernsthaft genug ins Zeug gelegt.
L: Leider. Ja, Hans, und so wird das Ungleichgewicht zwischen den kleinen Leuten und den Milliardären auch die letzten Demokratien bald abwürgen.
H: Gut, dass wir zwei schon so alt sind.
L: So kann man denken. (schaut eine Weile auf seine schwieligen Hände) Aber wir haben ja auch Enkel, Hans, die dürfen wir doch in so einer Welt nicht alleine lassen. Die Superreichen, das Handy und das aufwändige moderne Leben werden sie schwer ins Schleudern bringen.
H: Was willst machen, Lorenz?
L: (schaut wieder auf seine Hände) Beten hilft da leider auch nicht. Unsere christliche Religion vermeidet es ja seit eh und je aufzuzeigen, dass das ständige Streben nach wachsenden materiellen Wohlstand unsere Lebensgrundlagen schwer angreift.
H: So ist es, Lorenz.
L: Du, (richtet sich unvermittelt auf und umfasst mit hartem Griff die Sitzbohlen der Bank) du, der Mensch muss sich selbst korrigieren! Ja, Hans, von Natur aus steckt wahrscheinlich ein Fehler in uns. Ja, und vielleicht spürt das die Jugend, die die Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte besonders arg zu spüren bekommt. (lehnt sich wieder zurück) Ja, Hans, wahrscheinlich ist nur die Jugend dazu in der Lage, die Lebensweise des modernen Menschen zu korrigieren.
Guggera



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