
Personen: Simona Herder (24), Bernhard Kramer (26) und Julius Remesch (27) nach einer Radtour durchs Karwendel im Zug nach Tutzing
S: Übrigens, mein Bruder ist gestern bei mir vorbeigekommen und hat mir gesagt, dass er in Zukunft bei unseren Aktionen nicht mehr dabei sein wird.
B: Und das sagst du uns erst jetzt!?
S: Ich wollte keinen Schatten auf unsere heutige Tour fallen lassen.
J: Aber ohne den Niklas ist die Letzte Generation südlich von München doch nur mehr die Hälfte wert, Simona!
S: Hab ich dem Niklas auch gesagt. Du, ich habe erst nach einer Stunde intensiver Diskussion seinen Entschluss akzeptiert, ja mehr noch, ich habe ihn dann auch recht gut verstanden und ihm gewünscht, dass er auf seinem neuen Weg erfolgreich sein möge.
B: „Neuer Weg“, was heißt das im Klartext?
S: Du, der Niklas hat ja inzwischen als Bautechniker zwei Jahre Berufserfahrung und will noch heuer für eine Einrichtung der evangelischen Kirche in den vom Klimawandel besonders betroffenen Regionen, Leid und Lasten mildern helfen.
J: Okay, da kann man mitgehen.
B: Aber es muss doch einen besonderen Grund geben, Simona, dass er so gekippt ist.
S: Er meint, dass unsere bisherigen Aktivitäten und Aktionen so gut wie nichts bewirkt haben, weil sich nach Corona der naturschädliche Lebensstil ungehemmt fortsetzt.
J: Das ist leider so.
S: Und er meint auch, dass wir im Grunde gegen eine Wand anrennen; eine Wand, die von Seiten des Kapitals und von fast allen politischen Parteien gestützt wird. Dass also mächtige Felder keine Änderung des modernen Lebensstils zulassen und mit Hilfe technischer Maßnahmen für alle Zeiten sichern möchten.
B: Auch diesbezüglich kann man ihm nur zustimmen, Simona.
J: Für mich, einem Angestellten einer Bank, bleibt auch weiterhin nur der Protest gegen den ausgeuferten Lebensstil der modernen Welt, denn ich habe ja fast keine handwerklichen Fähigkeiten, die ich wie Niklas in den Klimabrennpunkten einzusetzen könnte.
B: Mir als Feinwerktechniker geht es im Grunde genauso. Der gekonnte Umgang mit den kleinsten Bruchteilen des Millimeter wird beispielsweise auf den Philippinen wohl kaum etwas nützen.
S: Ja, ihr zwei, wir werden und müssen weitermachen wie bisher. Wir müssen uns aber neue Protestformen einfallen lassen, die unser Volk erfolgreicher zum Nachdenken bewegen und die Status quo-Leute im Land endlich aufrütteln.
J: Hat der Niklas in dieser Richtung auch etwas gesagt?
S: Nein. Ich hatte den Eindruck, dass er kapituliert hat. Er hofft vielleicht nur mehr, dass die Wetterereignisse der letzten Jahre von der Menschheit als Wink der Natur verstanden werden.
Guggera


