»Entlastung JETZT«

So nennt sich eine Initiative von Bürgerinnen und Bürgern, die sich mit der gegenwärtigen Verkehrssituation in Weilheim nicht abfinden wollen. Nach ihrem Verständnis kann eine wirkliche Verbesserung nur erreicht werden, wenn eine der fünf vom Staatlichen Bauamt vorgestellten Varianten möglichst bald realisiert wird.

Auffallend in der Diskussion über diese Varianten ist, dass jetzt von »Entlastungsstraßen« und nicht mehr von »Umgehungsstraßen« gesprochen wird. Das mag daran liegen, dass ein Tunnel, der ja auch noch im Rennen ist, eben keine Umgehungsstraße ist. Ich glaube aber, dass damit auch suggeriert werden soll, dass so eine Maßnahme auf jeden Fall zu einer großen Entlastung der Stadt führen wird.

Ich bin mir da nicht so sicher. Weilheim hat vor ein paar Jahren »intelligente Ampeln« installiert. Als ich das hörte, musste ich lachen. Ich wurde aber bald eines Besseren belehrt. Die Staus auf der B 2 nahmen erheblich ab. Nur hat sich das herumgesprochen, und nach etwa einem Jahr gab es die gleichen Staus wie vorher, nur waren noch mehr Autos unterwegs. Wenn eine Umgehungsstraße gebaut wird, wird sie – hoffentlich – den Durchgangsverkehr aufnehmen. Das heißt aber, Quell und Zielverkehr werden zunehmen und die Nebenstraßen in Weilheim weiter verstopfen.

Ich glaube nicht, dass die Stadt eine Variante innerhalb des Stadtgebiets weiter verfolgen wird. Dem stehen nicht nur die hohen Kosten für einen bergmännischen Tunnel entgegen. Ich denke, der Stadtrat will vor allem

  • den Bürgern den Ärger mit den Baustellen ersparen,
  • sich selbst den Ärger mit den durch die Baumaßnahmen gestressten Bürgern ersparen,
  • sich alle baulichen Optionen offen halten, falls das mit der Entlastung doch nicht so funktioniert.

Wenn also etwas gebaut wird – und davon muss man derzeit ausgehen – wird es eine echte Umgehungsstraße sein. Auf dieser Straße werden die Autofahrer anfangs wegen des geringen Verkehrs die Möglichkeit haben, die schöne Landschaft zu betrachten, ohne zu bemerken, wie viel davon durch den Straßenbau zerstört wurde. Allmählich – so zeigt die Erfahrung – wird der Verkehr zunehmen, und die Erbauer werden sich freuen, dass die Straße endlich ausgelastet ist und sie mit ihren Prognosen Recht behalten haben.

Doch irgendwann wird sich ein neues Nadelöhr auf der Nord-Süd-Achse auftun, möglicherweise bei Murnau. Dann wird ein vielleicht immer noch bayerischer Verkehrsminister die Umgehung von Murnau in den Verkehrswegeplan aufnehmen. Hoffentlich wird bis dahin bei der Mehrheit der politisch Verantwortlichen die Erkenntnis gereift sein, dass neue Straßen unsere Verkehrsproble­me nicht lösen werden. Und das Viadukt über das Murnauer Moos bis zur A 95 bleibt uns erspart.

Christian Weber, Weilheim

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