Wie stehen die Grünen zur Einführung des Mobilfunkstandards 5 G?


Replik auf eine Wahlveranstaltung von B90/Die Grünen in Weilheim

Am 6. März 2020 besuchte ich die Wahlveranstaltung von B90/Die Grünen in Weilheim. Dort sprach unter anderem Dr. Anton Hofreiter über »Klimafreundliche Mobilität« und präsentierte sehr interessante Fakten.

Im Anschluss wurden Fragen von Besuchern gestellt. Eine Frage war, wie seine Partei zur Einführung von 5 G stehe, die von vielen Menschen in den Dörfern um und auch in Weilheim mit großer Besorgnis gesehen wird, wie am zahlreichen Besuch von Veranstaltungen zu diesem Thema zu erkennen war.

Dr. Hofreiter sieht hier keinerlei Grund zur Besorgnis, da der Wirkmechanismus der Strahlung auf den menschlichen Körper nicht geklärt sei, also könne es keine negativen Auswirkungen auf biologische Systeme geben. Es gibt jedoch durchaus Erklärungen seriöser Wissenschaftler, wie elektromagnetische Strahlung auf zellulärer und systemischer Ebene wirken könne. In fataler Weise fühlte ich mich an die Aussage von Franz Josef Strauß erinnert, nach der die WAA nicht gefährlicher sei als eine Fahrradspeichenfabrik.

Dr. Hofreiter sieht die Schuld, dass manche Menschen gesundheitliche Probleme mit hochfrequenter Strahlung haben, nicht etwa in der Einwirkung dieser Strahlung, sondern bei Bürgern, die der Mobilfunk-Technologie kritisch gegenüber stehen. Nach seiner Aussage gehe von ihnen ein »Nocebo-Effekt« aus, der Mitbürger im Sinne eines »Vodoo-Zaubers« so beeinflusse, dass sie von elektromagnetischer Strahlung krank werden oder glauben, krank zu werden. Diese Aussage ist meiner Meinung nach zynisch.

Im Übrigen war der Ductus der Argumentation auch in anderer Hinsicht nicht schlüssig: Dr. Hofreiter ist der Meinung, dass es bei 2 G, 3 G und 4 G keine gesundheitliche Auswirkungen gebe (zahlreiche Bürger und renommierte Wissenschaftler sind da anderer Meinung). Folglich gebe es bei 5 G auch keine Beeinträchtigungen. Dieser Analogieschluss ist erkenntnistheoretisch nicht zulässig, da die bei 5 G verwendeten Frequenzen und damit Photonen­energien gemäß der Formel E = hf bekanntlich um ein Vielfaches höher sind. Außerdem ist geplant, die Sender nahezu überall zu installieren, vor allem an Straßen, auch in Siedlungen. Damit steigt die auf ein Individuum wirkende Leistungsflussdichte bzw. Feldstärke zusätzlich an.

Gerade von einem promovierten Biologen hätte ich mir eine kritischere Einstellung im Hinblick auf physikalische Grundlagen und die Komplexität biologischer Systeme erwartet. Besonders fassungslos hat mich gemacht, dass manche dieser Äußerungen begeistert und klatschend von einem Großteil des Publikums unterstützt wurden.

Vom Ton her sah ich mich an Äußerungen von Politikern von Parteien am Rande des demokratischen Spektrums erinnert. Wenn ein Provinzpolitiker so argumentiert hätte, wäre es vielleicht noch entschuldbar gewesen, hier handelt es sich aber um einen Politprofi. Dr. Hofreiter mag anderer Meinung sein, aber die Diskreditierung Andersdenkender und sein Absolutheitsanspruch haben mich und andere massiv gestört. Gibt es hier nicht salomonische Lösungen – Installation von Sendeanlagen möglichst weit weg von Siedlungen, Gebot der Strahlungsminimierung etc.?

Vielleicht glaubt die Partei, auf den »Fridays-for-Future-Zug« aufspringen und unter Negierung des Grundsatzes der Gesundheitsvorsorge Stimmen bei jungen Wählern gewinnen zu können, die dem Thema Mobilfunk in der Regel unkritisch gegenüberstehen. Auch hier gilt jedoch, was Dr. Hofreiter in dieser Veranstaltung erläuterte: Die jetzt geborenen Kinder werden die Auswirkungen zu tragen haben. Wer weiß denn, wie sich fortwährende Immission elektromagnetischer Strahlung über 80 Jahre hinweg auswirkt? Rein erkenntnistheoretisch können hier keine Vorhersagen getroffen werden.

In der Sache sehe ich hier einen Verrat am ehemals grünen Ideal »Umweltschutz«. Auch der Schutz vor hochfrequenter Strahlung ist eine Form des Umweltschutzes! Es erschreckt mich, dass B90/Die Grünen so kritiklos und fortschrittsgläubig geworden sind.

Ein weiterer Vergleich von Dr. Hofreiter mag zwar für schlichtere Gemüter einleuchtend sein, ist aber nicht schlüssig: Lithiumatome in Akkus können dadurch recycelt werden, dass sie ihren Zustand beim Lade- und Entladevorgang immer wieder ändern. Organische Moleküle in fossilen Brennstoffen können das nicht, sie werden beim Verbrennungsvorgang in Kohlenstoffdioxid und Wasser gespalten. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen: Lithium ist zunächst kein Energieträger (es sei denn, man verbrennt es), es muss vielmehr elektrische Energie zugeführt werden, damit die Lithiumatome in den energiereichen Zustand gelangen. Diese Energie wird beim Entladevorgang wieder abgegeben. Lithium entspricht bei dieser Argumentation also einem Energiespeicher, der durch elektrische Energie aufgeladen werden muss. Damit entspricht das Lithium – wie von Dr. Hofreiter behauptet – nicht einem recycelbaren Treibstoff, sondern dem Treibstofftank bei Fahrzeugen, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. Und der kann, genau wie Lithium, recycelt werden. Auch hier: Irreführung oder Ignoranz?

Am Schluss der Veranstaltung hielt es Herr Grehl, Mitglied des Kreistages und Stadtrats in Weilheim, noch für erforderlich, anhand eines an dieser Stelle unpassenden Vergleichs auf die vermeintliche Naivität derjenigen Menschen hinzuweisen, die durch elektromagnetische Strahlung krank sind oder Bedenken haben, krank zu werden. Er führte ein am Flohmarkt gekauftes Gerät aus den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts an, das die damals verhältnismäßig niederfrequente Rundfunkstrahlung eliminieren solle. Auch dieser polemische Vergleich, der wohl den 5 G-Gegnern technische Unbedarftheit unterstellen sollte, wurde von einem Teil der Besucher applaudierend gutgeheißen.

Für Wackersdorf-Veteranen, die seit Jahrzehnten ihr Kreuzchen mehr oder weniger automatisch bei B90/Die Grünen gemacht und so das Erstarken dieser Partei unterstützt haben, lohnt es sich also, sich von Zeit zu Zeit durch Besuch von Wahlveranstaltungen ein Bild darüber zu machen, ob die ehemals gültigen Ideale und Werte dieser Partei noch aktuell sind.

Dipl. biol. Markus Opitz, Polling


Erläuterung der Redaktion

Die Veröffentlichung dieses Artikels hat sich vor allem deshalb verzögert, weil der Autor seinen Unmut und diese von der grünen Position abweichende Auffassung den entsprechenden Gremien der Grünen in Berlin, Bayern und Weilheim mitgeteilt hat. Eine Reaktion wollte Herr Opitz noch abwarten. Leider hat bisher keines der Gremien reagiert.

1 Kommentar

  1. Mehr Info zu diesem Thema:
    Sind die Grünen noch grün? – Fragwürdige Kampagnen der Grünen:

    http://www.elektro-sensibel.de/artikel.php?ID=127

    Für ES / EHS Betroffene sind die Grünen unwählbar geworden!

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