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Nov 30 2010

Buchbesprechung: Friedrich Brandl: »Wieder am Bauzaun«

Friedrich Brandl: Wieder am Bauzaun

Wieder am Bauzaun
lichtung verlag, Viechtach, 2010

»Wieder am Bauzaun – Eine Geschichte von Tränengas und Zärtlichkeit«, so heißt das aktuelle Buch des Oberpfälzer Schriftstellers Friedrich Brandl. Brandl, der als Lyriker und Mundartdichter, aber auch durch seine autobiographische Erzählung »Ziegelgassler« weit über seine Heimat hinaus bekannt ist, nimmt auch in diesem Buch den Roten Faden auf, der sich durch sein literarisches Schaffen zieht.

Als engagierter Umweltschützer hat der pensionierte Volksschullehrer und Umweltfachberater sich schon immer auf seine eigene künstlerische Art mit dem Thema Heimat- und Naturzerstörung und mit der Bedrohung unserer Lebensgrundlagen beschäftigt. Durch die Auseinandersetzung um die Wiederaufbereitungsanlage für atomaren Müll in Wackersdorf und durch die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl nachhaltig geprägt, kann daher die erneute Beschäftigung mit dem Atomthema nicht überraschen. Und so gelingt es Friedrich Brandl in seinem Roman in der Rückschau eines damals in den achtziger Jahren aktiven Paares, das seinen mittlerweile erwachsenen Kindern durch Tagebucheinträge gestützt berichtet, wie sie sich in den Protest gegen die WAA eingebracht und sich dabei selbst und ihre Liebe gefunden haben, eine einfühlsame, authentische kritische Heimatgeschichte zu erzählen.

Der Widerstand gegen die damals bei Wackersdorf geplante Atomfabrik war Mitte der achtziger Jahre kein regionales Aufbegehren, sondern der Kristallisationspunkt der bundesweiten Anti-Atombewegung. Viele Menschen, die damals über den Widerstand gegen Wackersdorf im besonderen und die Atompolitik im allgemeinen ihre politische Sozialisation erfahren bzw. weiterentwickelt haben, werden sich daher bei der Lektüre wiederfinden.

So wertvoll und aufschlussreich solches Erinnern auch für die Leser sein kann, dieses Buch ist auch topaktuell, kommt sozusagen gerade zur rechten Zeit! Schließlich gerät die Atompolitik wieder mehr und mehr in die öffentliche Diskussion. Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke, skandalöse Umstände in den Zwischenlagern Asse und Schacht Konrad und die nach wie vor nicht gelöste Endlagerung atomaren Mülls stehen auf der politischen Tagesordnung. Erneut versucht die einflussreiche Atomlobby in diesem Land und deren Helfershelfer aus Politik und Gesellschaft gegen den Willen der großen Mehrheit von Bürgerinnen und Bürgern mit einer Neujustierung der Atompolitik auf Kosten von Sicherheit und der Lebensgrundlagen kommender Generationen sich zusätzliche Profite zu sichern.

Dieses Buch kann auch ein Anstoß sein für all jene, die auch damals aktiv waren, aber auch für die nachgewachsene Generation, sich der Gefahren und Risiken dieser veränderten politischen Lage bewusst zu werden, und sich erneut zu einem Bündnis des Widerstandes zu formieren.

Hans Schütz

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