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Jan 31 2013

Medienmacht des Ippen-Imperiums

Kreisbote Streik Titel

Die totgeschwiegenen Streiks beim Kreisboten (Foto vom 2. Streik im Dezember) (Foto: Sabine Pustet)

Keine Zeile über die Anliegen der streikenden Beschäftigten

Zunächst aufmerksam gemacht durch einen »offenen Brief« an Dr. Dirk Ippen, den Haupteigentümer u. a. des Kreisboten, hat der OHA Mitte Dezember erstmals von den Kündigungen beim Kreisboten-Verlag in Weilheim und dem neuen Druckzentrum in Penzberg erfahren. Unterschrieben ist der Brief von vier Betriebsratsvorsitzenden aus den Orten Weilheim, Wolfratshausen, München, Rosenheim, die sich mit den Beschäftigten in Weilheim solidarisch erklären. In ihrem Schreiben bemängeln sie, dass es im Penzberger Druckzentrum „keine Tarifbindung mehr geben soll“. Dr. Ippen wird aufgefordert, darauf hinzuwirken:

  • dass alle betroffenen Kolleginnen und Kollegen des Kreisboten-Verlags Weilheim, die dies wünschen, zu den bestehenden Bedingungen in das Druckzentrum Penzberg übernommen werden;
  • dass für das Druckzentrum Penzberg wie in den Häusern in München, Rosenheim, Wolf­ratshausen und Weilheim zum Schutz der Entlohnungs- und Arbeitsbedingungen die Tarifbindung der Druckindustrie hergestellt wird;
  • dass er eine Erklärung darüber abgeben soll, dass die Inbetriebnahme des Druckhauses in Penzberg nicht zu Arbeitsplatzabbau oder Schließungen oder Teilschließungen in den bayerischen Schwesterbetrieben führen wird.

Karl-Heinz Kaschel-Arnold von der Gewerkschaft ver.di schildert die Situation im Dezember wie folgt:

„Die Auseinandersetzung beim »Kreisboten« spitzt sich zu. Zur Erinnerung: bis März 2013 sollen die Druckerei und der Versand des Kreisboten in Weilheim geschlossen werden, die Druckmaschine sei zu alt. Der Inhaber, Ippen, hat eine neue gekauft – aber für eine andere, neugegründete Firma: Das Druckhaus Penzberg. Dort können sich die Beschäftigten bewerben – aber dort gilt nicht mehr der Tarifvertrag der Druckindustrie: 5 Stunden wöchentlich mehr arbeiten fürs gleiche Geld, weniger Urlaub, Zuschläge etc.

Streik Kreisbote Foto2

Der erste Streik der Kreisbote-Mitarbeiter am 27./28. November 2012 (Foto: Jürgen Emmenegger)

Die Belegschaft wehrt sich und hat erstmals seit Bestehen der Firma gestreikt. Zunächst am 27./28. November, dann nochmal am 5./6. Dezember 2012. Das Problem: Wer soll darüber berichten? Dem Haupteigentümer des Kreisboten (Ippen) gehören auch der Münchner Merkur/ Schwangauer Nachrichten, die tz, das Lokalradio, er ist beteiligt am Oberbayerischen Volksblatt, am Gelben Blatt. Die Folge: anders als bei anderen betrieblichen Auseinandersetzungen wird in den Medien der Region darüber nicht berichtet.“

 

 

Die Betroffenen selbst haben ein Flugblatt verteilt, das wir hier im OHA komplett dokumentieren.

 

Zusatz: »Streiks beim Kreisboten«

Möglicherweise aufgrund der Bemühungen von ver.di und den Betriebsräten, die Anliegen der Beschäftigten mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu publizieren, hat die regionale Ippen-Presse doch noch reagiert. In den beiden uns vorliegenden Artikeln aus Kreisboten (19.12.) und Merkur (21.12.) wird über die Schließung der Abteilungen Druck, Versand und Verpackung in Weilheim berichtet. Über die damit verbundenen Kündigungen wird mit Hinweis auf den inzwischen unterzeichneten „Sozialplan“ zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung festgestellt, dass alles „so sozialverträglich wie möglich“ geregelt sei. Der genannte Geschäftsführer Daniel Schöningh soll übrigens laut Wikipedia ein Neffe von Dr. Ippen sein.

Was in den Artikeln nicht gesagt wird:

  • dass die Beschäftigten zweimal ihre Anliegen durch Streiks vorgetragen haben;
  • dass nur ein geringer Teil der von der Kündigung Betroffenen wieder im neuen Druckzentrum Penzberg eingestellt wird;
  • dass sich die Bedingungen in Penzberg deutlich verschlechtern und der Tarifvertrag der Druckindustrie nicht mehr gilt;
  • dass die Beschäftigten länger fürs gleiche Geld arbeiten müssen, weniger Urlaub und Zuschläge erhalten usw.
smü

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