»Die Verengung der Welt«


Eine Studie der Universität Passau beleuchtet kritisch die Corona-Berichterstattung

Die Studie der Universität Passau über die Wahrnehmung der Pandemie bei ARD und ZDF, insbesondere in den Formaten »ARD Extra« und »ZDF Spezial« beginnt mit einem Paukenschlag: „Die Pandemie im Zusammenhang mit dem Virus SARS-CoV-2 und der damit einhergehenden Erkrankung Covid-19 lässt sich auch als eine Geschichte einer Pandemie der Medien beschreiben. Genauso, wie sich das Virus global verbreitet hat, ist auch für die Medien schon rein quantitativ eine immense Verbreitung der Berichterstattung zum Coronavirus zu diagnostizieren.“

Der Text verweist zunächst auf die Beschreibung „einer wie auch immer gearteten Wirklichkeit“. Da geht es vor allem darum, welche Fakten in die Betrachtung der Realität aufgenommen werden. Im Bereich des Fernsehjournalismus sind das insbesondere die Drehorte, Kameraeinstellungen, Möglichkeiten der Lichtsetzung und anderes mehr.

Die Medienforscher und Autoren der Studie Dennis Gräf und Martin Henning haben mehr als 90 Sendungen aus dem Zeitraum Mitte März bis Mitte Mai 2020 von ARD-Extra und ZDF-Spezial untersucht. Üblicherweise stellen ja solche Sondersendungen die Ausnahme dar. Das Coronavirus habe es aber in diesen Medien geschafft, durch die ständige Präsenz eine »neue Normalität« zu etablieren. Und wenn die Ausnahme zur Regel wird, dann müssen ja zwangsläufig andere relevante Bereiche der Lebenswirklichkeit in den Hintergrund treten. Diese Einengung wird im Titel der Studie treffend als »Die Verengung der Welt« bezeichnet.

Ein Vergleich mit der Anzahl von Sondersendungen des Formats ZDF Spezial im ganzen Jahr 2019 zeigt einen deutlichen Unterschied. Da gab es mit insgesamt 12 Sendungen weniger als ein Drittel der 42 Corona-Sendungen, die von Mitte März bis Mitte Mai 2020 – also in nur zwei Monaten! – ausgestrahlt wurden.

Die Autoren sehen auch klar das permanente Krisen- und Bedrohungsszenario, das durch eine derartige Hervorhebung und Verstetigung vermittelt werden soll. Sie beschreiben detailliert die einseitige übersteigerte Krisenrhetorik und die Inszenierung durch Verknüpfung von Texten und Bildern, die eine Endzeitstimmung entstehen und den Zusammenbruch des öffentlichen Lebens als neue Normalität erscheinen lassen. Ebenso aufgegriffen wird das sehnsüchtige Warten auf einen Impfstoff.

Anm.: Auch am Ende vieler Talkshows – wie neulich bei »Hart aber fair« – ist zu hören, dass erst ein Impfstoff für das Ende der Pandemie sorgen kann.

Sigi Müller, Schongau

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