Seit letztem Jahr gehört der Landkreis Weilheim-Schongau mit zum Münchner Verkehrsverbund. Und seit diesem Jahr sogar der Landkreis Garmisch-Partenkirchen! Ja, da haben wir die aktuellste Bestätigung, dass GAP ein Vorort von München ist, was mit dem Bau der Autobahn begann. Wie eine derartige Entwicklung betrachtet wird, ist natürlich stets individuell.
Jene, die oft auf Bus und Bahn angewiesen sind, begrüßen das wohl weil die Preise zumindest aktuell großteils gesunken sind. Doch wie beim Weilheimer Stadtbus sichtbar, gibt es eine Seite, die niemand möchte. Statt für einen Euro den Bus ganztags nutzen zu können, sind pro Fahrt zwei Euro fällig. Zudem sind die Fahrkarten, wie bei der Bahn, nach der Entwertung zeitlich teils eng begrenzt gültig, so dass es fast nur noch mit Tageskarte möglich ist, auf einer Fahrstrecke zwischendrin aus- und dort auch wieder einzusteigen.
Mit das Wichtigste, was durch den MVV, sowie immer mehr Autoverkehr beeinflusst wird, ist die Entwicklung der Wohnsituation zwischen München und Garmisch. Seit Jahren heißt es, dass die Mietpreise in München immer höher steigen, doch dass dies „auf dem Land“ ebenfalls der Fall ist, darüber wird kaum gesprochen. Da Viele, die es sich irgendwie leisten können, aufs Land ziehen, sind dort ebenso die Mietpreise für Normalverdiener kaum noch zu stemmen. Vor allem da auch die Lebenshaltungskosten ständig steigen.
Als ich im Kreisboten vom 14. Juni 2025 las, dass der Dorfanger in Unterhausen im östlichen Bereich – wohl durch einen Investor – bebaut werden soll, war ich regelrecht schockiert. Denn es gibt im Ort schon länger ein großes, ausgewiesenes Baugebiet, das vor dem Bahnübergang Richtung Weilheim liegt. Tatsächlich soll jetzt stattdessen der historisch gewachsene Pfarranger mit vierunddreißig Wohneinheiten in dort nicht üblichen Geschoss-wohnungsbauten vollgepflastert werden. Dazu soll es zwei Tiefgaragen mit Einfahrten von der Kapellenstraße her geben. Wie sollte das gut machbar sein? Die Kapellenstraße (teils nur für Anwohner weil sie so eng ist) ist eine kleine, dörfliche Straße, ebenso wie die Schlossengriesstraße, die hier mit involviert wäre. Wer denkt sich denn Derartiges aus?

Dazu ist die Kapellenstraße eine sehr viel von Eltern genutzte Strecke, auf der sie ihre Kinder in den Kindergarten bringen und Schulkinder, sowie (berufstätige) Radler und Fußgänger Richtung Wielenbach und/oder Weilheim unterwegs sind. Zudem gibt es dort in der warmen Jahreszeit mittlerweile unzählige, teils rasant fahrende E-Biker, so dass auch dadurch Unfälle an der Kreuzung Kapellen- und Schlossengriesstraße praktisch vorprogrammiert wären.
Die Dorfstraße mit der Bushaltestelle für die Schulkinder (eine absolute Gefahrenquelle!) ist ebenfalls nicht auf ein zu erwartendes höheres Verkehrsaufkommen ausgerichtet, das vermutlich durch Städter (häufig finanziell solventer als viele Hiesige) entstünde, die hierher ziehen und dann nach München zur Arbeit fahren würden. Was ihnen durch den Ausbau der B2 bei Wielenbach, den ein großer Teil der hiesigen Bevölkerung ablehnt, erleichtert würde.
Die Parkmöglichkeiten für Kirchenbesucher entlang der Dorfstraße müssen bestehen bleiben. Und es ist in allen von der Planung tangierten Straßen grundsätzlich eher enger als zu breit. Auch ohne Schnee, der beim Räumen am Straßenrand liegen bleibt.
Es ist klar vorhersehbar, dass bei den geplanten Wohneinheiten ein Teil der Autobesitzer, sowie deren Besucher, nicht (immer) die Tiefgaragen nutzen, sondern oberirdisch parken würden, Dabei ist es für landwirtschaftliche Fahrzeuge und den Stadtbus, die durch die Schlossengriesstraße fahren müssen, grundsätzlich jetzt schon eng wenn dort Autos parken. Außerdem kann es sein, dass durch den Bau von Tiefgaragen Schäden an Gebäuden in der Umgebung entstehen wie zum Beispiel Wasser im Keller durch Umleitung unterirdischer Wasserwege.
Ganz abgesehen von den rund dreihundert Jahre alten Bäumen, vorwiegend Eichen, die die historisch gewachsene Grünfläche prägen wie kaum sonst irgendwo und die massiv gefährdet wären. Diese mögliche Schädigung von unschätzbaren Biotopen für diverse Tiere und Pflanzen ist absolut aus der Zeit gefallen. Dazu kaufte die Stadt Weilheim von der Kirche extrem „billig“ Grund für eine geplante Friedhofserweiterung, die jetzt aus Sicht der Stadt scheinbar nicht mehr nötig ist, weshalb sie hier die Wohnbebauung plant. Doch auch Unterhausen wächst und ob jede/r von hier nach dem Ableben kremiert oder am Stadtfriedhof begraben werden will, darf stark angezweifelt werden.
Der Zeitgeist sieht heute Friedwälder und auch -wiesen vor, in denen die Asche der verstorbenen Liebsten in abbaubaren Urnen beigesetzt wird. Eine derartige Friedwiese bietet sich für den Grund der Stadt an. Ein paar kleine Wege, Bänke, Bäume und der gewachsene Dorfanger bleibt erhalten, sofern der Bebauungsplan von 2011 mit acht (!) Wohneinheiten – modifiziert aufgrund des damals noch nicht vorhandenen Spielplatzes – in dieser Art umgesetzt wird. So bleibt das dörfliche Gefüge intakt, statt unwiederbringlich zerstört zu werden.
Zwischenzeitlich wurde von einer Aktionsgruppe eine Liste mit knapp 260 Unterschriften für den Erhalt des Unterhausener Dorfangers unter Anwesenheit der Presse an die zweite Bürgermeisterin der Stadt überreicht. Und eine Bürgerbeteiligung mit Ortsbegehung ist auf alle Fälle wünschenswert, da wir auch zwischen M und GAP in einer Demokratie leben.
Denn obwohl es hier um ein Mehrgenerationen-Konzept gehen und sozial gebaut werden soll, ist kaum zu erwarten, dass sich ein Investor – wie weiland Jakob Fugger in Augsburg – tatsächlich für die Belange kleiner Leute einsetzt. Ein Investor strebt eher maximalen Gewinn an – das zeigt uns leider schon lange die gesellschaftliche Entwicklung.
Irmgard Deml, Weilheim




1 Kommentar
… und wenn dann ein Investor 33 Appartments im fußläufigen Zentrums Weilheim für Leute, die sich als ewige Geringverdiener kein Auto leisten können, bauen will, wird das durch die Mehrheit des Stadtrates verhindert. siehe OHA unter „Stadtrat Weilheim verhindert Sozialwohnungsbau“.