Gedanken zur Beurteilung der Coronakrise – Zu viele Beiträge lassen im OHA die Ausgewogenheit in dieser Krise vermissen

Jessica Grimm, Bad Bayersoien

Da Deutsch nicht meiner Muttersprache ist, habe ich lange mit mir gehadert, ob ich diesen Beitrag schreibe würde. Der Beitrag von Paula Schmalzl-Giamattei aus Schongau gab mir aber den Mut.

Die OHA-Zeitung habe ich seit ein paar Jahren abonniert und – genau wie Paula – bin ich nicht immer gleicher Meinung. Getreu dem Motto, mal eine andere Sichtweise kennenzulernen, lese ich aber brav und offen weiter.

Bei den letzten Ausgaben ist mir das aber zusehends schwergefallen. Die Zahl der Beiträge, die davon ausgehen, dass Corona von den nationalen Regierungen, den Großkonzernen und der Wissenschaft als Vorwand aufgegriffen wird, mir meine demokratischen Grundrechte abzusprechen, mich ärmer zu machen und mir psychologisch Schaden zufügen zu wollen, standen in keinem Verhältnis zu den Beiträgen, die anderer Meinung waren. Vor allem seitens der Redaktion ist keine Neutralität zu erwarten. Stattdessen sind es immer die Gleichen, die lautstark, und gerne in unschöner Wortwahl, in jedem OHA ihren Senf zu der heutigen Situation geben.

Nun war ich jahrelang als Archäologin tätig. Und aufgrund mangelnder finanzieller Mittel werden viele Grabungen mit einem Heer an Ehrenamtlichen durchgeführt. Dies sind in der Regel Frührentner, überwiegend männlich, mit Geschichte als Hobby. Klingt sympathisch, oder? Nur schade, dass die meisten immer meinten, dass sie mindestens so qualifiziert wären wie ich, die fünf Jahre Archäologie studiert hat, mit zusätzlich neun Jahren Promotion. Diese Hobby-Archäologen, mit ihrer sehr oft respektlosen Art den Fachmenschen gegenüber, haben einfach nur noch genervt. Da gibt es doch eine gewisse Analogie zur heutigen Situation mit Hobby-Virologen, Hobby-Gesetzesmacher und Hobby-Mediziner, oder etwa nicht? Die spielen auch voll auf Sympathie: Retter der Demokratie und des psychischen Wohlbefindens des Volkes.

Vielleicht sollten sich alle mal das Buch »21 Lektionen für das 21. Jahrhundert« von dem Philosophen Yuval Noah Harari zu Herzen nehmen – einfach versuchen, damit klar zu kommen, dass man nicht weiß, was wahr ist und was nicht. Liegt dir etwas sehr am Herzen, kannst du versuchen, Experte zu werden und versuchen, so viel wie möglich über das Thema herauszufinden. Mit der heutigen Datenflut wirst du dich aber damit abfinden müssen, dass dir die Zeit fehlt, Experte für mehrere Themen zu werden.

Und für alle diejenigen, die drohen, wegen dieser Corona-Maßnahmen psychologische Schäden davonzutragen: Wie wäre es mit einem Hobby? Aber bitte nicht Archäologie!

Jessica Grimm, Bad Bayersoien

1 Kommentar

    • W.E.Fischer auf 21. November 2020 bei 11:36
    • Antworten

    Danke! Der Beitrag ist mir aus dem herzen gesprochen!!

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