O wie … Offenheit

Irmgard Deml, Weilheim

Richtigstellung: In meinem OHA-Beitrag vom Februar 2026 zur geplanten Teilbebauung des Unterhausener Dorfangers schrieb ich, dass im Dorf eine große Wiese am Bahnübergang nach Weilheim ausgewiesenes Bauland ist. Das war leider eine Fehlinformation. Denn vom Eigentümer erfuhr ich vor Kurzem, dass es sich dabei um Bauerwartungsland handelt und hier bis auf Weiteres nicht gebaut wird.

Wunderbar, dass wir wieder in die Sonne rausgehen und so Freude und gute Energien tanken können! Es macht sehr viel aus, ob das Wetter schön oder tagelang trübe ist, wie wir es bei lang anhaltendem Hochnebel kennen.

Was auch vielen Menschen Freude macht, ist Singen und ich freue mich, dass Weilheims Stadtpfarrer Paul Igbo, ein sehr guter Sänger, seit Februar jeden vierten Sonntag im Monat einen englischsprachigen Gottesdienst in St. Pölten hält. Dieses Angebot ist für alle Menschen offen, da jene, die neu hierherkommen teils kein Deutsch, doch häufig Englisch sprechen und verstehen. Die Messe beginnt um 16 Uhr: um 15 Uhr kommt ein offener Spontanchor zusammen, um die Gospels vorher zu üben. Und darüber, dass ich die ersten beiden Male ganz viel von Pfarrer Igbos Worten verstanden habe, freue ich mich! So bin ich, wenn irgendwie möglich, am 26. April wieder beim Singen mit dabei.

Hinsichtlich Jener, die nach Deutschland kommen weil sie auf ein Leben in Frieden und Freiheit hoffen, gehen die Meinungen bekanntlich sehr weit auseinander. Diesbezüglich bin ich dadurch beeinflusst, dass mein Vater mit seiner Familie, wie Millionen anderer Deutscher nach dem Zweiten Weltkrieg, aus seiner Heimat vertrieben wurde. Auch ihnen gegenüber fehlte Offenheit, doch sie bauten das Land mit auf und trugen zum „Wirtschaftswunder“ bei. Ebenso wie „Gastarbeiter“, die dafür extra hergeholt wurden.

Meine aktuelle Lektüre „Mensch Prantl“ von Heribert Prantl ist für mich auch in dieser Hinsicht bemerkenswert und jenen, die der Ansicht sind, wir hätten nichts mit Fluchtursachen in anderen Ländern zu tun, empfehle ich, dieses Buch, dazu sein Werk „Todesursache Flucht“, zu lesen. Als ehemaliger Richter und Staatsanwalt ist er wohl einer von eher wenigen Journalisten mit diesem Hintergrund wenn es um Recht und Gesetz geht. Was mir gut tut, ist, dass er hinsichtlich der „Auslegung und Handhabung“ des Grundgesetzes meiner Meinung ist. Selbst bin ich keine Juristin, doch war mir nicht nur in der Corona-Zeit klar, dass hier Etliches verquer läuft, ebenso wenn es bei der Auslegung von Recht um Flüchtlinge geht.

Dem Satz von Immanuel Kant „Das Recht muss nie der Politik, aber die Politik dem Recht angepasst werden“ der in „Mensch Prantl“ genannt wird, kann ich nur zustimmen. Wie weit setzen Politiker das um? Wir werden sehen, wie sich die Dinge weiterentwickeln. Und ich hoffe sehr, dass Alle, für die Grund- und Menschenrechte tatsächlich oberste Priorität haben, diese unterstützen. Damit ein friedvolles Miteinander auf Dauer möglich ist, denn Hass und Rache gebären Gewalt und Krieg ständig neu. Miteinander reden, verstehen lernen, vom hohen Ross steigen, sich selbst und andere als gleich wertvoll akzeptieren – nur so kann Zusammenleben gelingen.

Kürzlich erfuhr ich vom Tod einer Bekannten, deren Beisetzung leider bereits erfolgt war. Was ich erst später hörte und mich schockierte: Sie hatte Selbstmord begangen. Ich kann nur vermuten, dass sie Depressionen hatte, keinen Sinn mehr für sich sah und deshalb aus dem Leben schied. Ob es als „freiwillig“ bezeichnet werden kann, wenn jemand so verzweifelt ist, dass er diesen Schritt geht?

Diesbezüglich beschäftigt mich schon lange, dass die Medien nicht über Selbstmorde berichten (dürfen?), da Nachahmungsgefahr besteht. Das jedoch ebenfalls bei Mord und anderen Untaten, nicht wahr? Eine seltsam wirkende Begründung. Fällt Derartiges denn nicht unter Zensur? Und kann es sein, dass Suizide nicht publik gemacht werden um zu verschleiern, wie viele Menschen in diesem „reichen Land“ am Leben zerbrechen? Vor allem auch Geflohene, die nicht selten lieber sterben als in ihr „Heimatland“ abgeschoben zu werden. Der Gospel „O freedom“ ist hin und wieder beim Offenen Singen im elementar in Weilheim dabei. Ich kann nicht nachvollziehen, was Sklaven und Flüchtlinge erlebten und erleben, erlitten und erleiden. Doch scheint es nur so, dass unsere Freiheit im Hinblick auf angebliche Sicherheit immer mehr beschnitten wird?

Zumindest fühle ich mich frei und bin sehr dankbar, wenn ich draußen sein kann – um mich Gottes Schöpfung, die Weite der Natur, im Rucksack das bisschen Nötige für den Tag. In diesem Sinne: Genießen Sie die Zeit, die Sie jetzt wieder luftiger unterwegs sein können, vielleicht sogar mit einem Liedchen auf den Lippen wie „Mein Vater war ein Wandersmann“ oder bald „Der Mai ist gekommen“?

Irmgard Deml, Weilheim

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