Kleine Randnotiz zur Corona-Warn-App

Roland Greißl, Fuchstal

Ängstliche Menschen konnten ihr Erscheinen gar nicht erwarten und laden sie begeistert herunter, die Corona-Warn-App. Zur Freude von Gesundheitsminister Jens Spahn haben bereits am Vormittag ihres Erscheinens am 16. Juni 6,4 Millionen Menschen die App downgeloadet. Ihrem Erfolg steht nun nichts mehr im Wege – außer Fakten?

Laut übereinstimmender Fakten aus dem Spiegel, dem Guardian und t-online haben in Australien sechs Millionen Menschen seit dem 26.05.2020 die dortige App „COVIDSafe“ auf ihrem Phone installiert, also ein Drittel aller Smartphone-User. „Aber nur in einem Fall war die App wirklich hilfreich.“

Wie zuvor in Singapur konnte auch in Australien die Ausbreitung des Virus so nicht gestoppt werden. Bleibt die Frage, ob die erstaunlich hohen Kosten für die deutsche App zu rechtfertigen sind: Für die Beschaffung, Wartung, Pflege und den Betrieb werden in den Jahren 2020 und 2021 zwischen 45 und 63 Millionen Euro für die T-Systems der Telekom und die SAP veranschlagt, die Werbung für die App schlägt mit weiteren 3,5 Millionen Euro zu Buche.

Probleme, die sich aus der Funktion der App ergeben, werden den Usern verschwiegen.

Ich erfahre durch die App, dass ich irgendwann von irgendjemandem infiziert worden sein könnte – natürlich anonym. Ob ich während des Kontaktes zu einem Infizierten durch eine Trennwand oder anderes geschützt war, bleibt offen, stellt der Informatiker Jürgen Reuter in einem t-online-Interview vom 15. Juni fest. Eine unnötige Quarantäne als Folge könnte vor allem für Selbständige zu einer Herausforderung werden, unnötige Tests könnten laut Digitalexpertin Jeanette Hofmann die Kapazitäten der Gesundheitsämter übersteigen.

Über die Schrecksekunde (und Angst!), wenn mir die App mitteilt, dass ich Kontakt zu einem Infizierten hatte, ganz zu schweigen: Ängstliche lassen sich unverzüglich testen, auch wenn sie nicht die geringsten Symptome haben. Und Angst macht bekanntlich krank!

Daher ist mein Weg klar: Es ist mir egal, wie vielen Infizierten ich schon begegnet bin – ich lasse mich definitiv nur testen, wenn ich Symptome aufweise. Panikmache durch die App – nein danke!

Roland Greißl, Fuchstal

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