Klimawandel

Personen: Richard (45 – Lokführer) und Hanna (44 – Arzthelferin) und ihre Söhne Marcus (15) und Severin (17) in ihrer Wohnung in Murnau

M: Der Einstein (Spitzname des Physiklehrers am Gymnasium) hat heute kurz vor Schluss gemeint, dass wir den Klimawandel trotz aller Bemühungen nicht abbremsen können.

S: Das hat er vor zwei Jahren auch schon gesagt.

H: Und ein Stopp geht gar nicht, oder?

S: Vor einem halben Jahrhundert hätten wir noch eine Chance gehabt.

R: Richtig, Sevi. Mit dem Club of Rome stellte sich damals eine recht prominente Kraft ein, die darauf aufmerksam gemacht hat, dass die Wachstumsideologie brandgefährlich ist.

H: Offenbar hat man diese Leute für linke Spinner gehalten.

R: Du, ich hab keine Ahnung, warum sie sich nicht durchsetzen konnten.

MS: Auf Galileo Galilei wollte man anfangs auch nicht hören.

H: Aber die Menschheit, Männer, müsste ihr Treiben doch ändern bzw. klimafreundlicher gestalten können.

M: Unser Einstein, Mama, würde dich da nur an die „Trägheit der Masse“ erinnern.

R: Aber die Mama denkt doch ganz richtig, Marcu. Sich dem Klimawandel anpassen, ist doch viel zu wenig. Wir müssen vor allem unsere Lebensweise elementar umstellen, damit das Wachstum des Klimawandels gebremst und schließlich gestoppt wird.

M: Perfekt, Papa! Wir könnten den Anstieg des Klimawandels bremsen, indem wir das Wachstum in der Wirtschaft gemäß dem Club of Rome aufgeben und, wie die Mama gerade sagte, unser Treiben gleichzeitig klimafreundlicher gestalten.

S: Dummerweise hält die halbe Welt davon gar nichts.

H: Aber das kann doch gar nicht sein, dass dieses nahe liegende Denken nicht ankommt!

R: Dieses Denken stört vor allem die großen Nutznießer unserer aufgeblähten Wirtschaftswelt. Wir kleinen Leute würden klimafreundlichere Lebensformen ja durchaus annehmen, Hanna, aber nicht diejenigen Zeitgenossen, denen der Lebensstil der letzten Jahrzehnte Einkommen verschafft hat, die tausendfach, ja vieltausendfach über den unseren liegen.

S: Und deren Spitzen vom Weltraum träumen.

H: Bei unserm Drink nach der Hausfrauengymnastik hat einmal eine gemeint, dass der menschliche Geist zu erstaunlichen Höhenflügen in der Lage ist, aber auf manchen Feldern auch kläglich versagen kann.

M: Mama, im Ehtikkurs streifen wir diesen Punkt manchmal. Die Frau Hohenberg wirkt dann immer recht hilflos.

R: Soweit ich weiß, existiert der Mensch erst etwa eine Million Jahre lang auf dem Erdball, und so ist es vielleicht auch kein Wunder, dass er sich noch nicht so recht eingefunden hat.

S: Also müssen wir jungen Menschen uns noch gedulden. (schiebt sein Glas eine Weile hektisch auf dem Tisch herum)

M. Sollten wir aber nicht, Sevi! Bei den Pfadfindern haben wir einen neuen Führer, der der Ansicht ist, dass die Jugend der Erwachsenenwelt unmissverständlich sagen muss, dass sie sich ihre Zukunft nicht ruinieren lassen will.

H: Da kann ich nur zustimmen.

S: Mama, bisher hatten unsere Proteste nicht den geringsten Erfolg! (trinkt einen Schluck und stellt dann das Glas heftig zurück)

H: Leider, Sevi … Du, mir geht es jetzt wie dieser Frau Hohenberg.

R: Ja, Sevi, für eure Mutter und mich ist die Gegenwart auch nicht einfach. Wir zwei gehören ja leider einer Minderheit an, die allerdings voll und ganz auf eurer Seite steht und froh ist, dass immer mehr junge Menschen ein naturgerechtes Leben einfordern und auch durchsetzen wollen.

S: He, Marcu, (rammt ihm den linken Ellenbogen in die Rippen) was haben wir doch für tolle Eltern! Und trotzdem, Marcu, wir müssen weitermachen, wir dürfen uns nicht gedulden. Unsere Zukunft liegt doch vor allem in unseren eigenen Händen.

(steht auf, küsst seine Mutter auf die Stirn, winkt seinem Vater zu und geht)

Guggera