Für die Fastenzeit gibt es ja das Motto: „Sieben Woche ohne“, das sich auf alles Mögliche beziehen kann. Sieben Wochen ohne Rauchen, ohne Alkohol, ohne Zucker, ohne Internet (eher kaum) oder was auch immer.
Für mich gilt aktuell noch: „Sieben Wochen mit“! Denn es freut mich sehr, dass die Ausstellung in St. Pölten, die den Bilderzyklus „Vater Unser“ der Malerin und Kunsttherapeutin Irma Streck und parallel dazu Informationen zum Glaubensleben der Russlanddeutschen zeigt, bis zum 07. August 2026 zu sehen ist! Wunderbar! Denn mir geht es so, dass ich immer wieder gerne dort bin und die großen Gemälde, die Kinder zeigen, auf mich wirken lasse. Diese berühren ebenfalls manch andere Menschen zutiefst und als Irma mit einer Besucherin ins Gespräch kam, fing diese Frau zu weinen an. Wer weiß, welche Situation sie aktuell in ihrem Leben hat und was von den Bildern in ihr dadurch in Bewegung kam.
Wie Karl Adamek schon vor über zwanzig Jahren sagte, als ich bei ihm und Carina Eckes die Ausbildung „Lauschendes Heilsames Singen“ absolvierte: „Tränen sind gefrorene Gefühle, die auftauen dürfen.“ Das erlebte ich damals in unserer Gruppe mit einfachen Volksliedern, die durch Text und Melodie enorm tief wirken können, teils sehr intensiv und seither geht mir dieser Satz ein um’s andere Mal durch den Kopf.
In die Tiefe ging ich selbst aktuell hinsichtlich der Volksgruppe der Russlanddeutschen, denn ich las wirklich alle dort ausgelegten Informationen, die zum mitnehmen gedacht sind, durch und erhielt so erstmals einen tieferen Einblick in das Leben dieser Menschen. Zarin Katharina I. hatte sie angeworben, so wie bei uns die „Gastarbeiter“ zum Wiederaufbau Deutschlands nach dem Krieg zu uns kamen. Und genauso wie die ausländischen Arbeitnehmer einen Großteil dazu beitrugen und nach wie vor beitragen, um Deutschland als liebens- und lebenswertes Land zu gestalten, taten dies die Deutschen in Russland, einem riesigen Land mit unterschiedlichsten Völkern, in dem Spiritualität häufig sehr wichtig ist.
Das zeigt, aus meiner Sicht, auch der Erfolg zweier stimmgewaltiger Personen. Hier denke ich an die viel zu früh verstorbene Sängerin Alexandra, die in Litauen geboren wurde und nach Evakuierung, sowie Flucht vor der roten Armee mit ihrer Familie erst nach Sachsen und dann nach Kiel kam. Sie verstand es, mit ihren Liedern mich und viele andere Zuhörende zu berühren. „Mein Freund, der Baum“ ist eines dieser Lieder, die mir wohl im Gedächtnis bleiben, solange ich lebe. Ebenso wie „Sehnsucht – Das alte Lied der Taiga“. Und auch wenn Ivan Rebroff ein Berliner war, vermittelte er mit seinen Liedern dennoch ebenfalls die „russische Seele“.
In deren Musikstücken steckt für mich (ohne dass ich bisher je in Russland gewesen bin, daher Land und Leute nicht persönlich kenne) sehr viel von diesem weitem Land mit bemerkenswerter Kultur und – wie Gäste, die aktuell dort waren beschreiben – liebenswerten Menschen. Überall gibt es diese und es ist so wichtig, gerade in Zeiten wie jenen, die wir aktuell haben, das auch zu sehen oder überhaupt sehen zu können und zu wollen.
Vor allem Kunst in all ihren Formen kann Vieles in uns ansprechen und bewegen. Und sie kann Menschen verbinden, denn dafür braucht es keine Sprachkenntnisse. Jede/r von uns merkt, was Musik, Gesang, Skulpturen, Bilder und Weiteres in uns bewirken. Daher gibt es dankenswerterweise in unserem Land die Kunst- und Maltherapie, ebenso Tanztherapie, sowie weitere Sparten die gestalterische Möglichkeiten aufzeigen und dadurch gerade Jenen Hilfe bieten können, die Unterstützung im seelischen Bereich brauchen.
Mit Irma sprach ich darüber, wie ihre Bilder entstehen und kann ihre Vorgehensweise sehr gut nachvollziehen. Sie bietet zum Beispiel an, dass Eltern ihr Kind von ihr malen lassen können. Dabei spricht sie mit dem Kind und macht sich „ein Bild“ von ihm, so dass sie dessen Seele erspüren kann. Das finde ich, zeigt sich in ihren Gemälden sehr deutlich, die ich für mich mittlerweile als „Seelenbilder“ bezeichne.

So kann ich Sie nur ermuntern, sofern Sie die Ausstellung noch nicht besuchen konnten, dies nachzuholen, wozu ja jetzt noch Gelegenheit ist. Dadurch können Sie die Gemälde auf sich wirken lassen und selbst erspüren, was dies in Ihnen bewirkt. Eventuell stellen Sie dann fest, dass es Ihnen so ähnlich geht wie mir.
Auf alle Fälle weiß ich, dass mir diese Bilder fehlen werden, wenn sie weiterziehen und – so Gott will – in einem Raum, der ihnen entspricht, als Dauerausstellung zu sehen sind. Eventuell besuche ich sie dann einmal dort, wo immer das auch sein mag. Dann kann ich an die sieben Wochen mit ihnen in Weilheim anknüpfen. Und eventuell begegnen wir uns ja noch in St. Pölten solange sie dort zuhause sind.
Irmgard Deml, Weilheim




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