Kunststoffe – Neues wagen! (9)

Aufgeben gilt nicht – schon gar nicht für Lösungen gegen die Plastikflut! Denn wegen vieler engagierter Erwachsener und Kinder fühlen sich immer mehr Konzerne und Discounter genötigt, Plastik aus ihren Produkten und Läden zu verbannen. Plötzlich verlassen Kunden Bekleidungsgeschäfte oder Supermärkte ohne kirschrote, gelbe oder blaue Plastiktaschen als willkommene Werbeträger – die Ware in Stofftaschen, Einkaufskörben oder Klappboxen verstaut. So selbstverständlich, als sei es nie anders gewesen! Es geht – wo ein Wille …

Leicht zu recyceln: Pappe statt Styropor

Es gibt auch hier »Musterkinder«, die vorausdenken und -planen. Die Planung der Verbrauchermarkt-Kette Edeka verdient es als ein Beispiel, näher hinterfragt zu werden. Der neuen EU-Verordnung ab 2021 vorauseilend, sollen zum Beispiel bei Edeka, Rewe und Kaufland Plastik-Strohhalme, -Einweggeschirr und -Wattestäbchen bald aus dem Sortiment verschwinden. Kleine Schritte, aber auch große Ziele beginnen mit dem ersten Schritt.

In dem Artikel »Gemüse ganz hüllenlos« berichtet die Augsburger Allgemeine am 22.01.2019 davon, dass durch neue Transportwege für viele Arten von Gemüse der Folienschutz durch kleine Banderolen oder Etiketten ersetzt werden könne. Innovativ sei die Kennzeichnung von Produkten mit stärkeren Schalen durch ein »Lasersiegel« als Bio. Beispielsrechnung: „Würden alle Süßkartoffeln in Deutschland ein »natural branding« erhalten statt einer Verpackung, ließen sich pro Jahr eine Tonne Plastik und sechs Tonnen Papier einsparen.“

Eine Tonne mag wenig erscheinen (und Süßkartoffeln kenne ich ohnehin fast nur unverpackt), aber es sind eben die kleinen Schritte, die ein großes Ziel anvisieren. Wichtig ist in meinen Augen, dass Edeka die ethischen Ziele strikt im Auge behält: Ersatzprodukte für Plastik müssen »nachhaltig« sein – sie dürfen keinesfalls zum Roden von Wäldern, Zerstören von Biotopen oder zum Töten von Tieren führen.

Gleichzeitig ist angedacht, Boxen für Fleisch, Wurst oder Käse einmal im Laden zu kaufen, diese beim nächsten Einkauf zurückzugeben und gereinigte dafür neu zu befüllen. (Eigene Boxen sind wegen hygienischer Vorschriften nicht erlaubt.)

Ergänzende Wege geht als erste Stadt in Deutschland Tübingen: Einwegbecher für »Coffee to go« oder Salatboxen werden mit 1 Euro pro Stück besteuert, um der Wegwerfkultur vorzubeugen. Bedenkt man, dass allein in Deutschland bis vor Kurzem ca. drei Milliarden Einwegbecher weggeworfen wurden (pro Jahr!) – ein Stapel, der bis zum Mond oder sieben Mal um die Erde reichen würde – wird schnell klar, dass es sich hierbei nicht um ein nettes Spiel handelt. Ca. 150 Kilogramm Wertstoffe an Plastikverpackungen und Papier ergaben die Berechnungen pro Bundesbürger im Jahre 2017. Höchste Zeit zum Handeln!

So könnten zum Beispiel Styropor-Verpackungen durch leicht zu recycelnde Verpackungen aus Papier oder Pappe ersetzt werden (siehe Foto).

Alternative Produkte zu Plastik zeigte die Frankfurter Messe »Ambiente« Mitte Februar 2019. Zahnbürsten aus Bambus mit Borsten aus Bambus-Kohle, gewachstes Baumwollpapier (»Bee’s Wrap«) statt Plastikfolien, ebenso voll kompostierbar wie Teller aus Papierfasern, schick designte Mehrwegbecher für Kaffee, die geradezu als modisches Accessoire gelten wie eine schicke Handtasche, komfortable Mehrwegboxen, lange haltbare »Strohhalme« aus Materialien für die Spülmaschine. Es tut sich was im »Plastiklande« Deutschland!

Roland Greißl, Fuchstal
(Der letzte Artikel meiner kleinen Serie wird sich der Frage zuwenden, was mit den vorhandenen Plastikmüllbergen und -inseln geschehen soll.)

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