Mikroplastik zum Anfassen

Schongau – Etwas Unsichtbares anschaulich zu machen, das gelang den drei Referenten des Abends über Mikroplastik anlässlich des Projekts »7 Wochen ohne Plastik«, das der evangelische Pfarrer Jost Herrmann zusammen mit der Umweltinitiative Pfaffenwinkel und dem Bund Naturschutz Peiting/Schongau für die Fastenzeit 2019 ins Leben gerufen hatte.

Der pensionierte Gymnasiallehrer Roland Greißl aus Fuchstal/Asch forderte die Zuhörer zum Lächeln auf, „denn ohne Lächeln und mit verbiesterter Miene“ finde sich kein Gramm weniger Plastik auf der Erde. Aber er nahm auch klar Stellung dazu, dass für Politik und Wirtschaft die Gewinne wichtiger seien als die Gesundheit der Bürger. Dann ließ er einen Streifzug durch die Chancen zur Verwertung des weltweiten Plastikmülls folgen, ging auf die Ursachen von Mikroplastik ein und präsentierte in Wort und Bild die Gefahren dieser winzigen Partikel für Mensch und Tier, vor allem im Nanobereich. Sein bitteres Resümee lautete, dass eines Tages wohl das Fischen von Plastik lukrativer sei als das Fischen von Fischen. Das Poetry-Slam-Gedicht von Rita Apel über Mikroplastik rundete seinen Vortrag ab.

Selbstsicher und erfrischend stellte der 11-jährige Schüler Julian Göbel aus Steingaden seine Erkenntnisse, die er über Entstehung, Vorkommen und Wirkung von Mikroplastik im Rahmen von »Jugend forscht« gewonnen hatte, dem Publikum vor. Er ergänzte damit Fakten aus dem Referat seines Vorredners. Optisch stand der Aufbau seines Versuchs im Vordergrund: eine große Plastikflasche mit Vogelsand zum Herausfiltern von Flusen aus dem Abwasser der Waschmaschine (Mikroplastik). Am Gitter einer ausgeklügelten elektrischen Vorrichtung im gefilterten Wasser sammeln sich die restlichen Partikel. Schmunzelnd berichtete er auch von seinen Fehlversuchen – inklusive einer Explosion. Moderator Greißl zeigte sich begeistert, dass sich auch „die Vertreter der Enkelgeneration“ für die Umwelt engagieren.

Diana Nocker, Heilpraktikerin und Homöopathin aus Peiting, lieferte den Zuhörern ein umfassendes, kompetentes Feuerwerk aus Fakten über die bedenklichen Bestandteile von (Mikro-)Plastik. Sie streifte dabei das äußere Umfeld, dem wir täglich zu Hause (Plastikspielzeug der Kinder, Kunstfaser-Teppichböden) und anderswo ausgesetzt sind und ging auf unsere nur allzu oft ungesunde Kleidung ein. Ferner bildeten verhängnisvolle Bestandteile in Kosmetika und Plastikprodukten eine unabschätzbare Gefahr für unsere Gesundheit (Weichmacher!). Ihre Beispiele gingen konkret auf die Gefahren für jedes einzelne Körperorgan ein, zeigten aber auch auf, wie sich der mündige Bürger schützen könne. Den kommenden 5G-Mobilfunk hält Frau Nocker für gefährlicher als das bereits bestehende Problem durch die von Mikroplastik verursachten Gesundheitsschäden.

Ein bis zum Ende begeistertes und hoch konzentriertes Publikum war Beweis dafür, welches sensible Thema Pfarrer Jost Herrmann hier zum Leben erweckt hatte.

Sigi Müller, Schongau

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