Weilheims »Jahrhundertprojekt« – die Ortsumfahrung (Teil 2)

Foto Alfred Honisch
Alfred Honisch, Weilheim

Bürgervotum zur Weilheimer Ortsumfahrung im Herbst 2019 geplant – Kostenschätzungen zu fünf Ortsumfahrungsvarianten ergeben 38 bis 317 Millionen Euro

Mehr als 600 Besucher fanden sich am 9. April 2019 zur zweiten Sondersitzung des Stadtrats in der Weilheimer Stadthalle ein. Erstmals ging es dabei um die detaillierten Kosten (Stand 2019) und um die Visualisierungen der fünf möglichen Trassenverläufe für eine »Ortsumfahrung Weilheim«, ausgearbeitet vom Bauherrn, dem Staatlichen Bauamt.

Kostenschätzungen

Westumgehung lang: 83,5 Mio. EUR
Westumgehung kurz: 130 Mio. EUR,
Zentrum-Tunnel durch ein Gewerbegebiet: 317 Mio. EUR
Ostumgehung, ortsnah: 37,7 bis 76,9 Mio. EUR (ohne/mit Tunnel)
Ostumgehung ortsfern: 54,7 bis 95,9 Mio. EUR (je nach Tunnellänge)

Anzumerken ist an dieser Stelle auch etwas zum Verbleib des sogenannten »Kurztunnel«-Vorschlags, wofür die Bürgerinitiative »Heimat 2030« weiterhin vehement eintritt. Dazu der Abteilungsleiter »Straßenbau«, Andreas Lenker: „Der Kurztunnel ist für uns keine ernsthaft verfolgbare Trasse!“

Mit einer aktualisierten »Infobroschüre«, mehreren »Info-Märkten« sowie »Themenabenden« soll der nun beginnende Prozess des Für und Wider in einer finalen Ausstellung zusammengefasst werden.

Wozu? Um die Bürgerinnen und Bürger Weilheims maximal zu informieren, damit schließlich – im Herbst 2019 – eine Bürgerbefragung zum Jahrhundertprojekt »Umfahrungsstraße« durchgeführt werden kann.

Kein Bürgerentscheid, sondern eine Befragung!

Das heißt, ein Prozentergebnis zu den fünf Umgehungsvarianten, plus der sogenannten »Nullvariante«, also gar keine Umgehung/ Entlastung, soll den Wählerwillen abbilden und schließlich als Entscheidungsgrundlage dienen. Das ist dann der »Bürgerwille«, den der Weilheimer Stadtrat Ende 2019 – kurz vor den Kommunalwahlen in Bayern, im März 2020 – weitermeldet, an den Freistaat, respektive an das Bundesverkehrsministerium, als Vorzugsvariante zur Umsetzung des Bundesverkehrswegeplans 2035.

Das wird schwierig! Acht unterschiedliche »Schutzgüter« müssen auf alle fünf Umgehungsvarianten angewandt werden.

Wie sagte der Leiter des Staatlichen Bauamts Weilheim, Herr Fritsch, auf Nachfrage, „ … wer denn zu den Schutzgütern und ihrer Gewichtung Stellung nehmen dürfe? „Bürgerinnen und Bürger, Vertreter der Kommunen, Bürgerinitiativen, Verbände und Politik!“

Hierzu Konkretes, etwa zum Schutzgut »Mensch« (siehe Grafik):

Hier müssen die möglichen Auswirkungen durch die geplante Straßenbaumaßnahme abgewogen werden unter folgenden Aspekten:

„Erhaltung der menschlichen Gesundheit und Erhaltung von Wohnflächen für die Bevölkerung, Auswirkungen auf die Bevölkerung durch Lärmbelastungen, Beeinträchtigung von Wohngebäuden?“

So geht die Verkehrswende in Weilheim – aus Sicht der Grünen

Anstatt auf eine Umgehungsstraße zu warten, die frühestens in 15 bis 20 Jahren fertiggestellt sein wird (in Erwartung möglicher gerichtsrelevanter Einsprüche von Bürgerinitiativen), ist die Position der Grünen im Weilheimer Stadtrat eindeutig, gestützt auf das Votum ihrer Mitglieder. Es bedarf zu einer Verkehrswende Maßnahmen, die die Stadt Weilheim jetzt und heute beschließen kann und die bereits auf kurze oder zumindest mittlere Sicht das Verkehrsaufkommen in Weilheim reduzieren helfen. Der Schwerpunkt ist dabei der innerörtliche Verkehr (Binnenverkehr) sowie der Quell- und Zielverkehr!

Unser Maßnahmenpaket:

  • Ausbau des Weilheimer Stadtbusverkehrs (zusätzliche und verbesserte Linienführung; Halbstundentakt an Werktagen);
  • Eine deutliche Verbesserung der Radwegsituation mit konsequent baulich abgetrennten Rad- und Fußwegen auf allen wichtigen Verkehrsrouten in der Stadt;
  • Die Einrichtung von »Park&Ride-Plätzen«, die in Kombination mit dem Stadtbusverkehr den Quell- und Zielverkehr in der Innenstadt vermindern können;
  • Mehr Konsequenz in der Stadtplanung: »Wohnen ohne Auto« muss beim Neubau größerer Wohnanlagen in der Innenstadt bevorzugt werden. Andernfalls wird die Zahl der Autos und damit der Verkehr in der Innenstadt weiter zunehmen – auch dagegen hilft eine Umgehungsstraße im Übrigen nicht!
  • Was die Stauanfälligkeit im Stadtgebiet betrifft, fordern wir eine genaue Untersuchung, ob sich durch mögliche Einbahnregelungen an den Hauptverkehrsachsen eine deutliche Verbesserung des Verkehrsflusses erreichen ließe.
  • Idee »Mitfahrbankerl« in dafür geeigneten Quartieren/Stadtteilen Weilheims
  • Idee »autofreier Altstadtsommer in Weilheim«
  • Idee »wer sein Fahrrad benutzt, bekommt CO2-Bonus-Meilen«
  • Visionär: Schwebebahn (Seilbahn) zwischen Stadtzentrum und Ortsteilen
  • Ggf. eine MVV-Tarifzonenerweiterung auf den Landkreis Weilheim-Schongau

Ein Tunnel – als Variante der Umfahrungs- bzw. Entlastungsstraße – kann eine sinnvolle Ergänzung zu den oben genannten Maßnahmen sein, um besonders den Durchgangsverkehr »unter die Erde« zu verlagern. Trotz der immensen Kosten (zurzeit geschätzt 317 Mio. EUR) wird diese Lösung vom Staatlichen Bauamt weiterhin in Erwägung gezogen und für genehmigungsfähig gehalten, wenn genügend Gründe dafür sprechen und alle anderen Trassen­varianten als ungeeignet erscheinen.

Alfred Honisch, Weilheim

Hinweis: Das Infoangebot des Staatlichen Bauamts Weilheim im Internet: www.stbawm.bayern.de

  • Straßenbau
  • Projekte
  • B 2, Ortsumfahrung Weilheim
  • Präsentation vom 9. April 2019

1 Kommentar

    • Markus Kunzendorf on 13. Juni 2019 at 11:00
    • Antworten

    Warum haben die Grünen in Weilheim dann nicht geschlossen für eine Bahnhaltestelle in der Weilheimer Au/Trifthof gestimmt? Auch das wäre eine Maßnahme gewesen, den automobilen Individualverkehr aus der Stadt zu bringen!

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