
Personen: Kathrin (69) und Jonas (70) Schmittner mit Andrea (75) und Hartmut (78) Riederer (alle aus Polling) auf der Terrasse des Parkhotels
H: Ja, Kathrin, für mich war das eine glückliche Fügung, dass ihr zwei kurz vor uns hier angekommen seid, denn ich setz mich nicht gern zu wildfremden Leuten an einen Tisch.
A: Und es ist auch ein toller Zufall, dass ihr am selben Tag den Soiener See als Ziel ins Auge gefasst habt.
K: Und ich hab vielleicht geschaut, wie ich euch vom Parkplatz heraufkommen sah. Für den Jonas und für mich, müsst ihr wissen, ist die Radtour hier herauf nämlich jedes Jahr die Einstandstour in den Sommer.
H: Und ihr schafft das nach wie vor ohne Strom? Bravo, kann ich da nur sagen.
A: Und Hut ab für euren Einsatz für die Umwelt. Wir zwei (schaut kurz auf ihren Mann) haben ja einen Lebensweg hinter uns, der diese Art von Mobilität eigentlich nie zuließ.
J: Manchmal läuft es so, Andrea. Und außerdem, wir haben unseren Lebensweg ja nur ganz selten selbst in der Hand, wahrscheinlich ist er immer mehr oder weniger fremdbestimmt.
H: Dagegen kann gerade ich nicht anreden, Jonas. Ich sehe meinen Weg aber auch positiv, wobei ich allerdings zugeben muss, dass mich beim Zurückblicken zunehmend Zweifel befallen.
A: (drückt die linke Hand ihres Mannes) Ach Hartl, du konntest doch gar nicht anders, du musstest doch den Betrieb deines Vaters übernehmen. Du konntest ihn nicht enttäuschen, das wäre für euch beide zu viel gewesen.
K: Für mich entwickelte das Wirtschaftsleben in unserem Land bereits in den siebziger Jahren eine Dynamik, die viele einfach mitgerissen hat. Rückblickend könnte man heute sagen, dass damals ein blindes Werkeln eingesetzt hat, und dass man dessen Nebenwirkungen einfach nicht sehen wollte.
H: So sehe ich das heute auch, Kathrin.
J: Vermutlich weiß aber keiner von uns vieren, wie man die Dinge damals hätte lenken sollen, um den Klimawandel zu vermeiden, um die Natur zu schonen und um die Menschen vor einem hektischen Leben zu bewahren.
A: Also ich kenne niemand, der damals kompetent hätte eingreifen können.
K: Ja, und so ist es geradezu tragisch, dass wir und die halbe Welt heute sagen müssen, dass der Mensch seither ohne Weitblick unterwegs ist.
H: Und leider können wir das Rad auch nicht zurückdrehen, ja wir können es ja nicht einmal stoppen. Wir sind heute genauso schwach wie vor fünfzig Jahren.
A: Das klingt nach Mausefalle, wenn ich euch so höre.
J: Ich glaube, wir kommen aus diesem Schlamassel nur heraus, wenn sich die Weltgemeinschaft zusammensetzt und sich ins Gesicht sagt, dass es so nicht mehr weitergehen kann, dass also ab sofort alle klugen Köpfe zusammenarbeiten müssen, um einen Weg für unser Überleben zu entwickeln, dass wir uns außerdem zusichern müssen, unsere Waffen nicht mehr in die Hand nehmen zu wollen, und dass sich Besitz für jedermann nach der Belastbarkeit der Natur richten muss.
H: Es wird nicht anders gehen.
A: Das Letztere klingt aber arg nach Kommunismus.
K: Aber es wäre nicht die Ideologie des Kommunismus, sondern es wäre eine Lebensform, die unser aller Überleben gewährleisten könnte.
Guggera



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