A wie … Ansichten

Irmgard Deml, Weilheim

Nach einem von mir geleiteten Pilgertag, wie jetzt für das Brucker Forum von Grafrath nach St. Ottilien, gehe ich – soweit ich es zeitlich gut hinbekomme – den Weg noch einmal für mich um ihn in Ruhe Revue passieren zu lassen. Was war geplant und dann doch ganz anders? Hatte ich an alles Wichtige gedacht oder war etwas vielleicht nicht sooo wichtig und es blieb weg? Planen können wir ja alles Mögliche, meist kommt es dann doch anders. Wie es im Leben halt so ist.

Und ob es bei großer Hitze draußen dann im Zug unbedingt einen relativ festen Luftstrom zur Abkühlung braucht, darüber gehen, wie bei vielem anderen, die Ansichten auseinander. Als ich total verschwitzt einstieg und mich setzte, dachte ich mir: „Hilfe! Hier holt man sich ja den Tod!“ Draußen mindestens dreißig Grad, drinnen gefühlte achtzehn – und das durch Zugluft! Also wieder die Jacke angezogen. Wobei: Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war meine Nase zu und der Hals kratzte. Doch hier kann ich nichts ändern wenn im Zug niemand ist, den ich darauf ansprechen kann. Leider.

Ja, wir können bei allem Möglichen unterschiedlicher Ansicht sein, doch soweit es das Grundgesetz angeht, dessen 80. Geburtstag jetzt gefeiert wurde, glaube ich, sind wir uns alle einig mit – allem voran – „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Nur: Sehr Viele erwarten das ganz selbstverständlich für sich selbst, während viele andere nicht entsprechend behandelt werden. Häufig von Jenen, die das für sich einfordern.

Wir erleben es leider immer wieder, wie herablassend manche Zeitgenossen mit ihren Mitmenschen umgehen, so als wären diese entweder keine Menschen oder Menschen zweiter Klasse. Das ist auch so ein Begriff, bei dem sich mir die Haare aufstellen. Denn aus meiner Sicht darf es zum Beispiel schon lange keine Zwei-Klassen-Medizin mehr geben. ALLE zahlen in die Krankenkasse ein und wer eine andere Behandlung haben möchte, zahlt eben drauf wenn er oder sie sich dies leisten kann. Dasselbe gilt für die Rentenversicherung. Das hat sogar mit dem Grundgesetz zu tun. „Eigentum verpflichtet“ heißt es dort, doch die Reichen und Superreichen sind hier scheinbar anderer Ansicht.

„Eigentum verpflichtet – Das unerfüllte Grundgesetz“ von Heribert Prantl lege ich allen ans Herz, die sich immer wieder auf diese für uns alle so wichtige Basis des deutschen Staates berufen. Denn dass es im Volk immer mehr schwelt weil hier schon lange Vieles sehr ungut abläuft und sich dementsprechend Unzufriedenheit breit macht, die zu politischen Konsequenzen führt, ist logisch. Wer mag schon jahrzehntelang das Gefühl haben, für dumm verkauft und immer mehr abgezockt zu werden, während sich die Taschen eines geringen Prozentsatzes der Menschen im Land immer mehr füllen?

„Üb’ immer Treu und Redlichkeit bis an dein kühles Grab und weiche keinen Finger breit von Gottes Wegen ab“ ist der Refrain eines alten deutschen Volksliedes, in dem – je nach Version – auch die Zeile vorkommt: „Da ist der allerärmste Mann dem andern viel zu reich. Das Schicksal setzt den Hobel an und hobelt alle gleich.“ Ja, das ist klar, dass niemand von uns lebend aus dem Leben herauskommt. Aber bis dahin …

© Evangelischer Presseverband für Bayern e. V.

In Penzbergs Rathauspassage befindet sich bei der dortigen Volkshochschule noch bis Ende Juli die Ausstellung „Was macht uns reich*arm?“ des Evangelischen Presseverband Bayern. Schauen Sie sich das doch einmal im Internet unter https://www.ausstellung-leihen.de/reichtum an.

Die Fotografie-Ausstellung präsentiert Aktuelles von verschiedenen Fotograf*innen und sie kann ausgeliehen werden. Informationen, die offen und ehrlich Zustände in unserer Gesellschaft aufzeigen, die viele von uns scheinbar (?) verdrängen, sind enorm wichtig, um zuerst einmal in Deutschland möglichst respektvoll und friedlich miteinander umzugehen. Denn bei „Armut“ und „Reichtum“ geht es grundsätzlich nicht alleine um materiellen Besitz. Beides ist sehr viel mehr. (Ansichtssache???)

Mir waren diverse Tatsachen aus diesem Bereich nicht bekannt, die die Überschriften von Plakaten sind: 215 Menschen gelten derzeit in Georgien als politische Gefangene. / 1.900.000 Wohnungen in Deutschland stehen leer; dazu gibt es rund 2 Millionen Zweitwohnsitze, die kaum genutzt werden. / 121.500.000.000 Euro wurden 2023 vererbt oder verschenkt. Wohlstand entsteht weniger aus eigener Leistung, sondern wird vererbt. / 809.000 Menschen in Deutschland leben nur von ihren Vermögen. / 90 der 100 reichsten Menschen der Welt sind Männer. / 100.000 Euro Einkommen für ein glückliches Leben? Zwischen 80.000 und 100.000 Euro Jahreseinkommen ist eine Grenze erreicht, … Fest steht: Armut macht krank. …

Das sind keine Ansichts-, sondern Tatsachen. Und wenn Sie die Möglichkeit haben, die Fotoausstellung in Ihrem Umfeld zu präsentieren: Setzen Sie sich bitte mit dem Evangelischen Presseverband Bayern in Verbindung und tragen Sie mit dazu bei, dass so viele Menschen wie möglich über diese Missstände in unserer Gesellschaft informiert werden. Damit so viele Menschen wie möglich etwas tun können, diese sinnvoll und gut umzuwandeln. Und es ist keine Ansichtssache, ob und wie wir reagieren, wenn sich etwas auf uns alle auswirkt. Dann ist es schlicht unsere Aufgabe, Positives beizutragen.

Irmgard Deml, Weilheim

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