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Sep 30 2018

Plastik – Sortenwahnsinn und Ökobilanz (3)

Fataler Fehler Nummer zwei, wie im vergangenen OHA angekündigt: Die Sorten von Plastik, also deren chemische Zusammensetzung, sind unüberschaubar. Fachlich Interessierte mögen sich die Zeit nehmen und zum Beispiel den Artikel »Kunststoff« im Internet-Lexikon »Wikipedia« studieren. Dort werden, allein für Deutschland, 32 verschiedene Substanzklassen aufgelistet. Logische Folge für das Recyceln von Plastik:  „Von den ca. 6,3 Mrd. Tonnen Kunststoff, die bis 2015 zu Abfall wurden, wurden ca. 9 % recycelt und 12 % verbrannt. Etwa 79 % der Kunststoffe wurden auf Müllhalden deponiert bzw. in der Umwelt ausgebracht, wo sie sich nun anreichern …“ (Wikipedia, »Kunststoff«).

Gut, Deutschland und die Schweiz erlauben keine Lagerung mehr auf Müllhalden, die Schweiz führt Plastik zu 95 Prozent der thermischen Verwertung zu – in Verbrennungsanlagen mit Partikelfiltern. Da alle Plastikarten Ölprodukte sind, scheint diese Lösung nahe zu liegen. Doch warum wird nicht mehr recycelt?

Einfache Antwort: Weil nur sortenreines Plastik recycelt werden kann. Nebeneffekt, ganz sicher nicht so geplant: Zigtausende Familien Lateinamerikas, Mexikos, Chinas und anderer Länder leben von »sortenreinem« Plastikmüll, den sie auf Müllkippen sammeln und an eine perfekt organisierte Müllmafia abliefern. Der »Bordo Poniente« bei Mexiko war eine der berüchtigtsten Müllsammelstellen, circa 600 Fußballfelder groß, auf dem sich der (Plastik-) Müll bis zu 17 Meter Tiefe stapelte. 2011 wurde die Deponie geschlossen – und für die dort »lebenden« Menschen wurden Hilfsprogramme erarbeitet.

Sortenreines Plastik, vergessen in einer alten Bewässerungsanlage bei Vilaflor / Teneriffa (Foto: Roland Greißl)

Doch zurück zum Ausgangspunkt, den Getränkeflaschen aus Plastik (PET – Polyethylenterephthalat): Wem Getränke aus Plastikflaschen genauso munden wie jene aus Glasflaschen, wer die wissenschaftlich kontroverse Diskussion um gesundheitliche Gefahren dieser Verpackungen gerne den Fachleuten überlassen möchte, sollte dennoch eines beachten:

Fataler Fehler Nummer drei: Die Ökobilanz von Wasser aus diesen Flaschen wurde viel zu lange ignoriert. Wasser aus der Leitung verbraucht signifikant weniger Energie als Wasser aus Flaschen. Man misst diesen Vergleich in Erdöläquivalenten (EÖÄ). Ein Liter Leitungswasser erfordert gerade mal 0,3 ml EÖÄ. Bei Wasser aus Flaschen summiert sich dieser Vergleichswert durch Produktion, Abfüllung, Etikettierung, Verpackung, Transport, Lagerung und Spülung auf 113 ml EÖÄ – jedoch nur, falls das Wasser aus der eigenen Region stammt, falls nicht, verschlechtert sich die Bilanz dramatisch. Und jede der hunderte von Millionen Flaschen, die jährlich verbrannt werden oder in der Umwelt landen, drückt diese Bilanz nach unten.

Einen anderen Vergleich mag jeder selbst machen: Ein Liter Wasser aus der Wasserleitung kostet etwa einen Cent pro Liter. Ein Liter Mineralwasser aus der Flasche – den Preis im Supermarkt oder gar im Lokal kennt Ihr Geldbeutel wohl am besten …

Roland Greißl, Fuchstal

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