Woher so viel Hass auf Greta?

Gedanken zum Artikel aus dem Züricher »Tages-Anzeiger« von Martin Ebel vom 25.09.2019

Greta Thunberg ist für Millionen ein Idol, ein Vorbild selbstlosen Engagements für ein Ziel, das uns alle angeht.

Als sie anfing, war sie ganz allein. Ebel: „Der Schwache ist schwer zu packen, und wer aus Schwäche eine Stärke gemacht hat, erst recht. Die schwedische Aktivistin steht in der Tradition des gewaltlosen Widerstandes, sie praktiziert mit friedlichen Mitteln das, was man »asymetrische Kriegsführung« nennt: Sie bietet kein Ziel, das man einfach ausschalten kann.“

Ihr Erfolg unterläuft alle gewohnten Mechanismen, bei denen das große Geld, Einfluss und Macht sowie persönliche Attraktivität dominieren.

Damit ist sie ein Beispiel dafür, dass durch den Einsatz eines einzigen Individuums Millionen auf die Straße gebracht werden können.

Wie eine »Erlösergestalt« erregt sie Aufmerksamkeit, Bewunderung, Verehrung – und Hass. Aggressionen löst sie auf verschiedenen Ebenen aus, von erstaunlich polemischen Beiträgen in bürgerlichen Zeitungen bis zum üblichen Unrat in »sozialen« Medien.

Die Gründe dieser Angriffe betreffen hauptsächlich: Greta ist ein Kind, als Autistin sei sie krank und sie würde von politischen Kreisen instrumentalisiert, um grüne Politik zu propagieren. Spitzfindigkeiten in ihrem Verhalten werden hochstilisiert, um sie zu diffamieren. Ebel: „Greta steht für die Generation, die mit den Schäden zurechtkommen muss, die die vorangehenden angerichtet haben.“

Daher die Dringlichkeit, die Dramatik, die Emotion, aber daher resultiert auch eine moralische Autorität, die man nicht wegdiskutieren kann, und das nervt natürlich.

Greta ist eine Provokation für jene, die aus Bequemlichkeit so weitermachen wollen wie bisher, um ja nicht den Lebensstil ändern zu müssen! Sie erinnert die Politik an längst bekannte Versäumnisse und führt ihr damit immer wieder das politische Versagen vor Augen. Ebel: „Greta verkörpert vieles. Vor allem unser schlechtes Gewissen.“

Man könnte sich vorstellen, Gretas Aktionen könnten sie irgendwann überfordern und zu einem Zusammenbruch führen. Ohne Greta bleibt aber immer noch das, wofür sie steht. Das zu begreifen, macht manche erst recht wütend!

Derzeit versucht man sie eher totzuschweigen. »Willkommene« Ablenkung bieten das Drama in Nordsyrien und die Posse um den Brexit zuhauf.

Heinz Botsch, Weilheim

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