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Feb 29 2016

Buchbesprechung: Wie das digitalisierte Leben die Gesundheit und die Zukunft unserer Kinder ruiniert

Manfred Spitzer: »Cyberkrank! – Wie das digitalisierte Leben unsere Gesundheit ruiniert« Droemer Verlag, 2015 ISBN 978-3-426-27608-2

Manfred Spitzer: »Cyberkrank! – Wie das digitalisierte Leben unsere Gesundheit ruiniert«
Droemer Verlag, 2015
ISBN 978-3-426-27608-2

Buchbesprechung von Hans Schütz

Kritische Geister haben es irgendwie schon immer geahnt, irgendwie gespürt. Die zunehmende Eroberung all unserer Lebensbereiche durch digitale Medien ist etwas Ungutes, etwas Bedrohliches.

Wer sich aufgrund eines entsprechenden Unbehagens dann daran machte, sich Faktenwissen anzueignen, wozu unter anderem auch der OHA immer wieder seinen Beitrag geleistet hat, der konnte schließlich eine massive Bedrohung der Gesundheit durch Nutzung von digitalen Medien als gegeben konstatieren.

Besonders problematisch ist die intensive Nutzung von Handy, PC, Tablet und Smart-phone bei Kindern und Jugendlichen. Und da beginnt die entsprechende Debatte besonders interessant zu werden, wobei wir die längst wissenschaftlich belegbaren gesundheitlichen Beeinträchtigung durch die bei all diesen Medien benutzte gepulsten Hochfrequenzen einmal ganz außen vor lassen wollen. Dieser Text bezieht sich nämlich auf ein Buch, in dem sich kein Wort dazu finden wird. Es geht beim diesem Buch des Leiters der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm und des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen Professor Dr. Dr. Manfred Spitzer um die direkten Auswirkungen von Smartphone und Co. auf unsere Gehirnaktivitäten. Er präsentiert dabei alarmierende neue Forschungsergebnisse über diese gesundheitlichen Auswirkungen und Risiken unseres mehr und mehr digitalisierten Lebens. Auf der Grundlage zahlreicher Studien aus der internationalen Forschung zeigt er dabei, wie die intensive Mediennutzung Körper und Geist schadet. Die Folgen sind Angst, Depressionen und Sucht – sowie Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen. Die Lernfähigkeit wird, wie er überzeugend darlegen kann, besonders stark beeinträchtigt. Und damit sind wir wieder bei den Kindern und Jugendlichen, deren Gesundheit und Lernentwicklung.

Auswirkungen gibt es viele: Da ist die Rede von Verlust an Empathie und Respekt, von sozialer Isolation, von der Zunahme an Mobbing, Abzocke und Cyberkriminalität, aber auch von Sucht und vom „globalen Rotlichtbezirk“. Je früher und je intensiver digitale Medien verwendet werden, so kann man zusammenfassen, desto größer die Auswirkungen auf Gehirn und Lernfähigkeit. Dabei verspricht eine erdrückende Lobby von Herstellern und Medienmachern und in deren Gefolge leider auch von zahlreichen Medienpädagogen bis hin zu Lehrerinnen und Lehrern an unseren Schulen uns täglich das goldene Zeitalter der Bildung durch digitale Technik. Fakt ist es nach Spitzer dagegen, dass es sich hierbei um einen massiven Anschlag auf die Kindheit handelt.

Dieses Buch ist trotz des hohen wissenschaftlichen Anspruchs (das belegen unter anderem auch 49 Seiten mit Anmerkungen und 41 Seiten mit Literaturangaben) nicht nur gut verständlich geschrieben, sondern das wichtigste Sachbuch aus dem Bereich der Gehirn- und Lernforschung, das mir bekannt ist. Jeder, der mit Erziehung etwas zu tun hat – also Eltern und Großeltern, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen – sollte verpflichtet werden, es zu lesen. Keiner kann dann mehr sagen, er habe ja nicht gewusst … (Für Politiker gilt das Gleiche, aber da habe ich – gerade auch im regionalen Bereich – die Hoffnung auf unbefangene und vorurteilsfreie Sachdiskussionen weitgehend aufgegeben!)

 

 

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