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Nov 30 2015

Digitaler Massenwahn

Der Theologe Werner Tiede beschreibt in seinem Buch »Digitaler Turmbau zu Babel« die Computerisierung der Welt auch mit ideologischen Wahnvorstellungen aus der Vergangenheit

In seinem Buch sammelt der Theologe unzählige Stimmen der großen kritischen Denker und Intellektuellen der Gegenwart – weltweit. Politiker, Schriftsteller, Philosophen, Wissenschaftler, Ärzte, Anwälte, Psychologen, Theologen und Künstler warnen – jeder aus seinem Blickwinkel heraus – vor dem Allvernetzungswahn.

So bemerkt Hans-Joachim Maaz, ein namhafter Psychologe: „Es hat mich immer interessiert, wie es sein kann, dass die Mehrheit einer Bevölkerung eine offensichtliche Pathologie mitmacht. Wir sind begeistert in den Krieg gezogen und haben akzeptiert, dass ein Volk vernichtet wird. In der DDR waren wir dann angepasst, mussten immer nur jubeln und kuschen. Und heute machen wir mit beim Wachstumswahn, beim Konsumrausch, immer besser, immer höher, immer weiter. Diese Verhaltensweisen sind allesamt gestört.“

Thiede sieht diesen „digitalen Turmbau zu Babel“ als „realutopisches Projekt, in dem sich die menschliche Grundsünde exorbitant darstellt und auswirkt“. Als „befremdlich“ bezeichnet er dazu die Haltung der Evangelischen Kirche, die auf einer Synode im November 2014 feststellt: „Als Evangelische Kirche gestalten wir den digitalen Wandel mit und vertrauen auch in der digitalen Gesellschaft auf Gottes Begleitung.“

Für dieses Vertrauen findet Thiede in seinem Fazit keinen Anlass: „Die Bevölkerung wird auf den weiteren Fortschritt des digitalisierten Kapitalismus wie auf eine Naturnotwendigkeit eingestellt. Diese Manipulation gelingt großteils, weil der Widerspruch der Kritiker/innen der kulturellen Totaldigitalisierung vielfach schon nicht mehr durchdringen kann – zu groß ist die Macht der Medien-Inhaber und, damit zusammenhängend, auch der unter oft hohem Kapitaleinsatz erfolgreich Werbenden.“

Sigi Müller

Aus dem Vorwort:

„Auch das vorliegende Buch wird keine Wunder wirken – zu mächtig ist bereits alles eingespurt, und zu sehr hat der digitale Hype die Massen ergriffen. Gleichwohl erhoffe ich mir gerade unter Christen in wachsendem Maß kritische Impulse und den Mut, gegen den Strom zu schwimmen.“

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